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DFB-Team nach WM-Aus: Quartier in Winston-Salem war ein Reinfall

Winston-Salem sollte für die Nationalelf zur Basis einer erfolgreichen WM werden. Doch schon bald wird vor Ort nichts mehr an den DFB erinnern. Erneut hat der Verband bei der Wahl seines Teamquartiers danebengegriffen. Aus Winston-Salem berichtet William Laing Am Campus der Wake Forest University herrscht ungewöhnliche Stille. Durchbrochen wird die Geräuschlosigkeit in diesen Tagen nur von einigen Autos oder Golfkarts, die über die gewundenen Straßen der Eliteschule in Winston-Salem brausen. Nichts ist mehr zu sehen von dem regen Treiben, das sich in den vergangenen Wochen auf dem Gelände abgespielt hat. Das wiederum hängt mit den Ereignissen zusammen, die sich am vergangenen Montag im mehr als 1.000 Kilometern Luftlinie entfernten Foxborough, unweit der Großstadt Boston zugetragen haben. Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko bereits im Sechzehntelfinale ausgeschieden. In der ersten Partie der K.-o.-Phase setzte es gegen Paraguay eine bittere Niederlage im Elfmeterschießen (4:5). Das DFB-Team um den mittlerweile zurückgetretenen Bundestrainer Julian Nagelsmann hat deshalb bereits die Heimreise angetreten – und damit auch seinem Basecamp in North Carolina gerade einmal etwas mehr als drei Wochen nach seiner Ankunft den Rücken zugekehrt. Dort wird schon in wenigen Tagen nichts mehr an den Besuch der deutschen Elf erinnern. Ende kommender Woche soll der Abbau beendet sein Die Abbauarbeiten an der Wake Forest University sind bereits in vollem Gange. An den zwei Plätzen im Spry Soccer Stadium, wo die deutsche Mannschaft über drei Wochen trainierte, sind Teile der Banden mit dem DFB-Emblem schon abmontiert worden. Weitere dürften zeitnah folgen. Auch ein Gabelstapler ist dabei im Einsatz. So schnell wie möglich wolle man mit allem durch sein, erklärte ein Fifa-Mitarbeiter vor Ort auf t-online-Nachfrage. Der Abbau habe lediglich einen Tag nach dem deutschen Aus begonnen. Man hoffe darauf, dass Ende der kommenden Woche alles geschafft sei. Vor den Helfern liegt dabei noch eine Menge Arbeit. So ziert den Eingang des Stadions etwa noch eine riesige Willkommens-Platte in den Farben der deutschen Fahne. Zudem gilt es, den meterlangen Sichtschutz rundherum abzubauen. Doch auch auf dem weiteren Campus-Gelände gibt es noch einiges zu tun. Auf dem Weg ins Broyhill Auditorium, einem umfunktionierten Hörsaal, in dem der DFB seine Pressekonferenzen abhielt, säumen noch zahlreiche Bilder des Verbandes die Wände. Über der gläsernen Tür des Gebäudes prangt zudem überdimensional das DFB-Logo mit dem Schriftzug "Herzlich willkommen". Auch die North Dining Hall, die nur wenige Meter vom Trainingsgelände entfernt als Medienzentrum für die Journalisten diente, ist durch ihre schwarz-rot-golden eingekleidete Fassade noch ein Relikt der deutschen Präsenz in den vergangenen Wochen. Diese letzten Spuren des DFB an der Wake Forest University sind jedoch bald endgültig verwischt. Dem Verband dürfte das mehr als recht sein. Quartier entpuppt sich erneut als Reinfall Erfolg brachte die aufwendige deutsche Gestaltung des Campus der Nationalmannschaft nämlich nicht. Eigentlich sollte an der Wake Forest University und in der Unterkunft im nur wenige Minuten entfernten Luxusanwesen "Graylyn Estate" die Grundlage für den fünften WM-Titel gelegt werden. Doch wie schon 2018 in Russland und 2022 in Katar entpuppte sich das Quartier für das Turnier als Reinfall. Erneut scheiterte Deutschland in der Abgeschiedenheit. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge sollen sich die DFB-Stars mit der Zeit in Winston-Salem gelangweilt haben. Die Sehnsucht nach einem Teamhotel wie rund um den letzten WM-Test gegen die USA mitten in Chicago sei demnach groß gewesen. Überraschend kommt das nicht. Denn in Winston-Salem leben zwar rund 250.000 Menschen, doch in ihrem Zentrum bietet die Stadt kaum Möglichkeiten zur Beschäftigung. So waren die Nationalspieler im Grunde zwischen dem Trainingsgelände und dem "Graylyn Estate" gefangen, wussten in ihrer Isolation irgendwann kaum noch etwas mit sich anzufangen. Nick Woltemade erzählte kurz vor dem Ausscheiden sogar, die Spieler hätten zum Zeitvertreib angefangen, Verstecken zu spielen. Damit machte der Stürmer vermutlich unabsichtlich eine Sache deutlich: Der DFB beging hinsichtlich des Basecamps dieselben Fehler wie bei den letzten Weltmeisterschaften. Der "Charme einer Sportschule" in Russland Im russischen Watutinki fühlten sich die DFB-Profis vor acht Jahren wie zuletzt in Winston-Salem isoliert. Aufgrund der großen Distanz zur Innenstadt der Millionenmetropole Moskau hatten Joshua Kimmich und Co. vor Ort kaum Ablenkungsmöglichkeiten. Zudem wirkte das funktionale, aber abgeschiedene und kasernenähnliche Gelände kühl und spartanisch. Dass der damalige Bundestrainer Joachim Löw erklärte, das Quartier habe den "Charme einer guten, schönen Sportschule", sprach Bände und verdeutlichte retrospektiv, warum das erstmalige deutsche Ausscheiden in einer WM-Vorrunde später von vielen Seiten eng mit der Quartierswahl verknüpft wurde. Nicht viel besser als Watutinki wurde derweil auch die DFB-Unterkunft nach der WM 2022 in Katar bewertet. Zwar waren die Nationalspieler bestens versorgt, hatten im "Zulal Wellness Resort" ihre eigene Wohlfühloase. Doch das Quartier befand sich mitten in der Wüste, über eine Autostunde entfernt von Katars Hauptstadt Doha. Wie schon in Russland entstand ein Lagerkoller, welcher der Mannschaft offensichtlich zu schaffen machte. Die Konsequenz: das zweite Vorrunden-Aus in Serie und erneute Kritik am vom DFB gewählten Quartier. Ein drittes Ausscheiden nach der Gruppenphase konnte die deutsche Elf 2026 nun aber verhindern. Dennoch wird die Niederlage im Sechzehntelfinale als ähnlich große Blamage in die Geschichte des DFB eingehen – und auch das Basecamp Winston-Salem wird auf ewig Teil dieser Erzählung sein.