Mercedes verkauft weniger Autos – China-Geschäft bricht ein
Das Geschäft in Fernost bescherte Mercedes einst Wachstum und satte Gewinne. Doch der Markt verändert sich drastisch – und verhagelt den Stuttgartern die Bilanz. Mercedes-Benz hat im zweiten Quartal 2026 in China deutlich weniger Autos verkauft. Der Pkw-Absatz in der Volksrepublik sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um 30 Prozent, wie der Stuttgarter Konzern am Mittwoch mitteilte. Damit drückt das China-Geschäft die Bilanz: Konzernweit setzte Mercedes-Benz 511.900 Pkw und Transporter ab, sechs Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Außerhalb Chinas legte der Absatz dagegen um drei Prozent zu. Die Zahlen treffen den Konzern in einer schwierigen Phase. 2025 brach der Gewinn um fast die Hälfte auf 5,3 Milliarden Euro ein, im ersten Quartal 2026 sank das Konzernergebnis um 17,2 Prozent. Ende Juni verschärfte Mercedes-Benz deshalb seinen Sparkurs und verschob eine tarifliche Sonderzahlung für die Beschäftigten in Deutschland auf das kommende Jahr. Der Vorstand will zudem über längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich verhandeln; vergangene Woche protestierten bundesweit Zehntausende Beschäftigte gegen die Pläne. Neue KBA-Statistik : Die größte Überraschung auf Deutschlands Automarkt Radikale Kürzungen : Porsche kündigt neue Entlassungswelle an Vor allem Verbrenner schwächeln in China Die Pkw-Sparte verkaufte im zweiten Quartal weltweit 417.800 Fahrzeuge, ein Minus von acht Prozent. Als Gründe für den Einbruch in China nennt der Konzern den harten Wettbewerb, eine zurückhaltende Verbraucherstimmung und die schrittweise Einführung neuer Modelle. Die Probleme hätten sich im zweiten Quartal verstärkt, besonders bei Verbrennern. In China haben Mercedes-Benz, BMW und Volkswagen lange vom Verbrennergeschäft profitiert, während chinesische Hersteller bei Elektroautos oft schneller und günstiger sind. Der gesamte chinesische Markt schwächelt. Im Mai wurden dort nach Angaben des Branchenverbands CPCA rund 1,5 Millionen Autos verkauft, 22 Prozent weniger als ein Jahr zuvor; die Verkäufe von Verbrennern brachen um 39 Prozent ein. Als Gründe gelten geringere staatliche Kaufanreize, hohe Kraftstoffpreise und eine schwache Kaufkraft, die auch mit der Immobilienkrise zusammenhängt. In den westlichen Kernmärkten wuchs der Absatz dagegen: In Nordamerika stieg er um 13 Prozent, in Europa um vier Prozent. Deutliches Plus bei E-Autos Die Nachfrage nach Elektroautos zog kräftig an. Im zweiten Quartal verkaufte Mercedes-Benz weltweit 52.900 vollelektrische Fahrzeuge, ein Plus von 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Europa stieg der Absatz um 87 Prozent; weltweit war damit rund jeder achte verkaufte Mercedes ein Elektroauto . "Unsere größte Modelloffensive gewinnt weiter an Dynamik", sagte Vertriebsvorstand Mathias Geisen. Auch die Transportersparte legte zu, mit einem Absatzplus von einem Prozent auf 94.100 Fahrzeuge. Der Verkauf elektrischer Transporter stieg deutlich zweistellig, auch wenn diese bislang nur gut ein Zehntel der Sparte ausmachen. Die Pkw-Verkäufe von Mercedes-Benz gehen schon länger zurück. 2024 lag das Minus bei drei Prozent, im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern mit gut 1,8 Millionen Pkw neun Prozent weniger als 2024. Mittelfristig peilt Mercedes-Benz wieder rund zwei Millionen Fahrzeuge an. Wann dieses Ziel erreicht werden soll, ließ das Unternehmen offen – 2027 aber nicht, sondern erst vor dem Ende des Jahrzehnts.
