Hürth: BMW erfasst Schülergruppe – Angeklagter spricht über Unfall
Zwei Menschen, eine Schülerin und ein Betreuer, werden in Hürth bei Köln tödlich von einem BMW erfasst. Vor Gericht wirft das Verhalten des Angeklagten Fragen auf. Für Roman S. (Name geändert) ist es die letzte Chance, seine Version des tödlichen Unfalls zu erzählen . Vor mehr als einem Jahr fuhr er mit seinem 5er-BMW über eine rote Ampel und dann in eine Schülergruppe. Dabei starben Luis Paulo (25), Begleiter einer Gruppe von Grundschülern, und das zehnjährige Mädchen Avin. Sie wurden von dem Auto laut einem Gutachten mit einer Geschwindigkeit von 54 km/h erfasst. Am sechsten Verhandlungstag neigt sich der Prozess dem Ende zu, Roman S. will noch einmal die Fragen von Gericht, Staatsanwaltschaft und Nebenklage beantworten. Angeklagt ist er wegen zweifacher fahrlässiger Tötung sowie fahrlässiger Körperverletzung. Der 21-Jährige hatte sich bereits zu Prozessbeginn bei den Angehörigen entschuldigt . Am Mittwoch sagt er: "Mein Leben ist so nicht mehr lebenswert." BMW rast in Grundschulklasse: Schülerin und Betreuer sterben Anschließend verstrickt er sich allerdings mehrfach in Widersprüche, kann Fragen des Gerichts nicht beantworten. Auch auf Hinweis von Richter Wolfgang Schorn, dass er den Angehörigen wertvolle Antworten auf offene Fragen liefern könnte, gibt er keine nennenswerte Antwort. Dieses Verhalten hinterlässt das Gericht verblüfft zurück. Die Chance, noch einmal klare Aussagen über den genauen Unfallhergang zu treffen, lässt er trotz wiederholter Nachfrage verstreichen. Roman S. gibt an, vor der Fußgängerampel an der Kreuzung Frechener Straße/Theresienhöhe in Hürth beschleunigt zu haben. Er wollte noch über die gelbe Ampel fahren. Dabei habe er nach links geschaut, um zu schauen, ob ein Auto aus der dortigen Einmündung kommen könnte. Als er wieder nach vorn geblickt habe, sei es bereits zum Zusammenstoß gekommen. Dabei wird die Stimme des Angeklagten brüchig. Rote Ampeln ignoriert? Zeugen wollen Unfallwagen gesehen haben Die Aussage des Angeklagten steht im Kontrast zum Gutachten eines Sachverständigen. Laut dessen Schilderungen war die Ampel bereits vier Sekunden rot, als der Unfall passierte. Wie lange er nach links geschaut habe und wie schnell er dabei war, auch daran kann sich Roman S. am Mittwoch nicht erinnern. Auch weitere Zeugenaussagen lassen zumindest Zweifel an den Aussagen des Angeklagten aufkommen. Sie wollen am selben Tag ein Auto mit blinkenden Felgen gesehen haben, das mehrere rote Ampeln überfuhr. Solche Felgen waren auch am BMW des Angeklagten – ohne TÜV-Zulassung – angebracht. Seine Antwort: "Ich habe solche Felgen auch schon an anderen Autos gesehen." An den beschriebenen Ampeln will er gar nicht vorbeigefahren sein. Mit bis zu 200 km/h: Angeklagter filmt Rasertouren Erschwerend hinzu kommen Aufnahmen aus Spanien, die den Angeklagten mit einem Freund zeigen. Dieser fährt auf der Autobahn 200 km/h, während der Angeklagte daneben sitzt und filmt. "Formel 1, Bruder", brüllt er in die Kamera, mehrfach geht der Blick auf den Tacho. In Spanien gilt auf Autobahnen ein Tempolimit von 120 km/h. Während die Videos gezeigt werden, blickt Roman S. nach unten und hält sich die Hände vors Gesicht. Am Mittwoch wurden die Plädoyers kurzfristig unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten. Wegen des Alters des Angeklagten wurden auch der Bericht der Jugendgerichtshilfe und die Angaben zu seiner Person ohne Zuschauer verlesen. Ein Urteil wird am Freitag erwartet. Dem 21-Jährigen droht eine mehrjährige Haftstrafe. Unklar ist noch, ob er nach Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht verurteilt wird.
