ID. Polo, ID. Cross, Hybrid beim T-Roc: Diese Neuheuten sollen VW retten
VW steht wegen chinesischer Konkurrenz, hoher Kosten und eines schwierigen Marktes unter enormem Druck. Jetzt sollen neue Autos die Trendwende bringen. Bei VW geht es in diesen Tagen um viel: Der Konzern plant angesichts der Krise in der Automobilbranche historische Einschnitte. Vier deutsche Werke stehen auf der Kippe, rund 100.000 Arbeitsplätze könnten im Rahmen neuer Sparprogramme wegfallen. Und auch einige bekannte Modellnamen wie der Taigo oder der ID.5 könnten künftig zugunsten einer schlankeren Modellpalette entfallen . Gleichzeitig ist aber auch klar: Ohne neue Modelle geht es nicht. Zwar führt VW die deutschen Zulassungsstatistiken immer noch an, aber in vielen Ländern haben andere Marken inzwischen die Nase vorn. In den vergangenen Jahren hatte VW infolge des Dieselskandals nicht nur viel Vertrauen bei den Kunden verloren; hinzu kamen Probleme bei Qualität oder Software: Der Marktstart des Golf 8 versank im Softwarechaos, beim Elektro-Erstling ID.3 kritisierten Kunden billige Materialien und Abstürze des Systems. Elektrisch angetriebene Autos werden angesichts strenger Emissionsvorgaben immer wichtiger. Vor allem im Kleinwagensegment machen es die Gesetze der EU immer schwerer, bezahlbare Kleinwagen mit Verbrennungsmotoren zu entwickeln. Kleine, bezahlbare E-Autos könnten diese Lücke schließen. Die chinesische Konkurrenz flutet den Markt mittlerweile mit solchen Fahrzeugen, und auch Konkurrenten wie Fiat , Kia und Renault haben im vergangenen Jahr günstigere Modelle in den Markt geschickt. Bei VW gab es hier lange gar nichts. Neue Kleinwagen und große Updates In diesem Jahr geht die Marke deshalb in die Offensive: Mit dem ID. Polo kommt ein Kleinwagen mit typischem Namen und Proportionen auf den Markt: ähnlich groß wie sein Bruder mit Verbrennungsmotor , aber mit mehr Platz im Innenraum und einem neuen Bedienkonzept. VW setzt wieder vermehrt auf Tasten und Knöpfe und eine gute Materialanmutung im Innenraum. Der Startpreis liegt bei 25.000 Euro, also rund 4.500 Euro höher als beim Polo mit Benzinmotor. Damit das Thema Elektro auch emotional bei den Kunden ankommt, gibt es mit dem ID. Polo GTI das erste E-Fahrzeug mit dem bei VW-Fans legendären Kürzel. Die Preise starten bei knapp unter 40.000 Euro. Übrigens bleibt der Verbrenner-Polo noch einige Jahre im Programm. In wenigen Wochen dürfte dann auch der SUV-Ableger des ID. Polo präsentiert werden: der ID. Cross . In den Verkaufszahlen dürfte er sogar noch wichtiger werden als der ID. Polo, denn in der Verbrennerwelt hat das kleine SUV T-Cross den Polo schon überholt. Der ID. Cross kostet in der Basis rund 3.000 Euro mehr als der ID. Polo und 4.500 Euro mehr als ein T-Cross. Daneben investiert VW in die technische wie optische Renovierung vorhandener Elektrofahrzeuge, denn das Design hatte die klassischen VW-Kunden nicht immer überzeugt. Der neue Chefdesigner Andreas Mindt hat die Hintergründe im Interview mit t-online erklärt . Deshalb erhält der kompakte ID.3 ein neues Gesicht, ein neues Cockpit und den Namen ID.3 Neo . Etwas umfassender könnte das Facelift des Kompakt-SUVs ID.4 ausfallen . Höhere Reichweiten, eine neue Optik und möglicherweise sogar ein neuer Name könnten auf dem Programm stehen. Eine entscheidende Neuheit unter den E-Autos kommt allerdings erst kommendes Jahr: Für 2027 hat VW die Premiere eines Einstiegsstromers angekündigt, der derzeit unter dem Kürzel ID.Every1 geführt wird . Für einige Beobachter könnte er der wichtigste VW nach Käfer und Golf werden, da er sich aufgrund seiner Preisgestaltung an breite Käuferschichten richtet: Er startet bei rund 20.000 Euro. Nicht alles ist vollelektrisch – aber teilweise Klassische Dieselantriebe verschwinden zunehmend aus dem Programm, zumindest in den kleineren Fahrzeugklassen. Plug-in-Hybride mit recht hohen elektrischen Reichweiten gelten ebenfalls als sparsam, sind aber teuer. Nachdem sich VW in den vergangenen Jahren vor allem darauf und auf die sogenannten 48-Volt-Mildhybriden konzentriert hat, kommt bei den wichtigen Kompaktklassemodellen Golf und T-Roc künftig auch ein Vollhybrid zum Einsatz, der ohne Ladestecker auskommt. Er soll mit niedrigen Verbräuchen punkten. Das komplette Gegenteil dazu ist die sportliche R-Version des T-Roc, die wahrscheinlich mit 333 PS, aggressiverer Optik und sportlicher Abstimmung an den Start geht. Neuheiten in China und den USA Vor allem die Absatzeinbrüche in China zeigen: Es reicht nicht mehr aus, ein Modell zu entwickeln und in alle Länder zu exportieren. In China, wo viele Autofahrer in den Metropolen oft im Stau stehen und wo E-Autos lange staatlich bevorzugt wurden, geht es um leise Antriebe und viel Unterhaltungselektronik an Bord: Das Auto ist hier eine vernetzte Verlängerung des eigenen Wohnzimmers, anders als in Europa. Daher gibt es für den wichtigen chinesischen Markt künftig komplett eigenständige Autos. Innerhalb von kurzer Zeit wurde in China eine eigene technische Basis für Fahrzeuge entwickelt. Kooperationen mit chinesischen Herstellern wie XPeng sollen dabei helfen, den technischen Rückstand aufzuholen; eigene Marken wie Jetta sollen chinesische Kunden ansprechen. Der ID. Aura T6 und der ID. Unyx 08 sind technisch den europäischen Fahrzeugen überlegen. VWs China-Chef im Interview: "Der Markt hat jede Rationalität verloren" Und in den USA , wo Strafzölle den Verkauf erschweren, setzt VW vor allem auf seinen großen SUV Atlas. In den kommenden Jahren soll zudem die Geländewagenmarke Scout an den Start gehen, während Elektroautos mangels Nachfrage zurzeit kaum eine Rolle spielen. Modelle allein machen den Erfolg nicht aus Klar ist aber auch: Neue Modelle allein reichen nicht. Sie helfen nur dabei, Marktanteile zu halten und den Vormarsch der chinesischen Konkurrenz zumindest zu bremsen. Problematisch sind vor allem die komplexeren Strukturen im Unternehmen und die Kosten am deutschen Standort, die in der Vergangenheit durch hohe Verkaufszahlen unter anderem in China abgefangen werden konnten. Doch diese Zeiten dürften endgültig vorbei sein, die operativen Margen liegen bei VW bei rund drei Prozent. Deutlich besser läuft es bei der Tochtermarke Skoda, die von Rekordmeldung zu Rekordmeldung eilt . VW steht vor der Herkulesaufgabe, das Unternehmen für die Zukunft fit zu machen, Kosten zu senken und gleichzeitig seine Wurzeln am Wirtschaftsstandort Deutschland nicht zu vernachlässigen.
