Anschlag in Monaco: Anastasija B. ist tot – Geständnis widerrufen
Nach dem Bombenanschlag in Monaco ist auch die mutmaßliche Täterin tot. Zwei Ukrainer haben nun vor einem Gericht in Kiew ausgesagt. Nach dem Bombenanschlag auf den ukrainischen Oligarchen Wadym Jermolajew in Monaco sind vor Gericht in Kiew neue Details zum Tod der Verdächtigen Anastasija B. bekannt geworden. Die 39-Jährige soll am 3. Juli nahe dem Dorf Juriw im Gebiet Kiew erschossen worden sein. Zwei Männer stehen unter Verdacht: Vladislav R., ein aktiver Mitarbeiter des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR, und Vitalii Z., ein früherer Mitarbeiter des ukrainischen Sicherheitsdienstes SBU. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, Anastasija B. gemeinsam getötet zu haben. In der Anhörung am Donnerstag wurde nach Angaben der "Ukrajinska Prawda" ein konkreter Tatablauf geschildert: Die Männer sollen die Frau mit einem BMW abgeholt, in ein Waldgebiet gebracht und dort erschossen haben. Die britische BBC berichtete zudem, dass Vladislav R. sein früheres Geständnis vor Gericht widerrufen habe und nun seinen Mitbeschuldigten belaste. Die Ukrainerin Anastasija B. war nach dem Sprengstoffanschlag in Monaco von Interpol international gesucht worden. Sie wurde verdächtigt, den Bombenanschlag Ende Juni auf Jermolajew verübt zu haben, bei dem der Geschäftsmann und zwei weitere Personen teils schwer verletzt worden waren. Gegen die 39-Jährige wurde wegen versuchten Mordes, der Platzierung eines Sprengsatzes mit krimineller Absicht sowie Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Monaco-Attentat auf Oligarchen: Ukrainische Verdächtige in Kiew erschossen Deutsches Forschungszentrum: Geschäft mit Oligarchenfirma? Verdächtige standen offenbar in Kontakt mit Anastasija B. Anastasija B. wurde offenbar durch Videoaufnahmen am Tatort identifiziert, auch ihr Auto mit deutschem Kennzeichen sei gesehen worden, hatte die ukrainische Polizei laut Medienberichten mitgeteilt. Bei der Tat soll sie sich als Mann verkleidet und einen Rucksack mit einer Bombe im Foyer von Jermolajews Wohnhaus platziert haben, hieß es. B. soll den Ermittlern zufolge am 1. Juli zurück in die Ukraine gereist sein. Die Polizei war nach BBC-Angaben über Telefondaten von Anastasija B. auf die beiden Männer aufmerksam geworden. Zudem hätten sie Geld- und Kryptowährungstransfers der Männer an B. festgestellt. Laut "Ukrajinska Prawda" prüfen die Behörden deshalb auch, ob die beiden Männer mit dem Anschlag in Monaco in Verbindung stehen könnten. Nach den neuen Angaben der Staatsanwaltschaft sollen sich Vladislav R. und Vitalii Z. am 3. Juli – der Tag, an dem Anastasija B. ermordet wurde – zunächst in einem Café im Dorf Bilohorodka im Bezirk Butscha getroffen haben. Anschließend hätten sie B. mit einem schwarzen BMW an einer Fernstraße abgeholt. Auf dem Weg in ein Waldstück nahe Juriw habe Z. eine Schusswaffe und Munition vorbereitet. Im Waldgebiet hätten sich die beiden Männer auf die Tötung von B. verständigt, berichtete die "Ukrajinska Prawda" unter Berufung auf die Gerichtsanhörung. Z. habe Anastasija B. abgelenkt, während R. von hinten mindestens zwei Schüsse auf ihren Hinterkopf abgegeben habe. Die 39-Jährige sei noch am Tatort gestorben. Danach hätten die Männer ihre Leiche nahe dem Waldstück vergraben und die Pistole in ein Gewässer geworfen. Geheimdienstoffizier widerruft Geständnis Die BBC berichtet jedoch von einer Wende in der Anhörung: R. habe zunächst gestanden und die Ermittler zu dem Grab im Wald westlich von Kiew geführt. Vor Gericht habe er dann erklärt, er bestreite "kategorisch", Anastasija B. getötet zu haben. R. sagte laut BBC, er wolle nun "die Wahrheit sagen". Demnach habe Z. die Frau erschossen. Zuvor habe Z. ihn im Wald aufgefordert zu schießen und gesagt: "Entweder sie oder wir." Warum er zunächst gestanden habe, erklärte R. mit einer Drohung. Z. habe ihm gesagt: "Wenn mir etwas passiert, sind deine Angehörigen in Gefahr." R. sagte außerdem: "Ich habe gegen feindliche Kämpfer gekämpft, während ich mein Land verteidigt habe. Ich würde niemals absichtlich eine unschuldige Zivilistin ermorden." Ermittler prüfen Verbindung nach Monaco Der Anwalt von Z. wies die Darstellung von R. laut BBC zurück. Sein Mandant habe nicht getötet. Die Staatsanwaltschaft geht dagegen davon aus, dass beide Männer "gemeinsam und abgestimmt" gehandelt hätten. Gegen beide wird wegen vorsätzlichen Mordes ermittelt. Das Motiv des Anschlags in Monaco und auch der mögliche Zusammenhang mit dem Mord bleiben unklar. Staatsanwalt Dmytro Tkatschuk sagte der BBC, eine der verdächtigen Personen habe Informationen zu einem möglichen Motiv geliefert. Diese könnten derzeit aber nicht veröffentlicht werden, weil dies die Ermittlungen behindern würde. "Wir überprüfen die Informationen", sagte er. Beide Beschuldigten bleiben in Untersuchungshaft. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, er werde in Kürze Berichte über die "brisante Situation in Monaco" erhalten und die Öffentlichkeit anschließend informieren. Das ist über Wadym Jermolajew bekannt Jermolajew wurde in Dnipro in der ehemaligen Sowjetunion geboren und liegt laut "Forbes" auf Platz 23 der vermögendsten Menschen der Ukraine. Ihm werden zahlreiche wirtschaftliche Verbindungen zum Kreml zugeschrieben . Seit Dezember 2023 unterliegt er Sanktionen aus Kiew, offenbar weil er ungeachtet der russischen Besatzung seinen Alkoholhandel auf der Halbinsel Krim fortführte. Jermolajew soll zu einer elitären Gruppe von Unternehmern gehören, die kurz nach Beginn des Angriffskrieges Russlands die Ukraine verlassen haben und ihren Wohnsitz ins Fürstentum Monaco verlagerten. Bereits 2019 hatte er die ukrainische gegen die zypriotische Staatsbürgerschaft getauscht.
