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Kia EV2 im t-online-Test: Kleines Elektro-SUV beweist Größe

Kia schickt mit dem EV2 ein Elektro-SUV in die Kleinwagenklasse, das optisch deutlich erwachsener wirkt. Können Technik und Ausstattung da mithalten? Im Rückspiegel wirkt der Kia EV2 deutlich bulliger, als er eigentlich ist. Dabei gehört das 4,06 Meter lange Elektro-SUV in die Kleinwagenklasse. Kia hat die Designsprache der größeren Stromer jedoch nahezu eins zu eins übernommen – das lässt den EV2 deutlich erwachsener wirken, als es seine Größe vermuten lässt. Die Front wirkt breit, die Motorhaube ist ähnlich wie bei einem Geländewagen gerade geschnitten, und auch die Seiten verzichten auf verspielte Linien. Selbst das Heck erscheint massiv, ohne kantig zu wirken. Dass Kia den Heckscheibenwischer unter dem Dachkantenspoiler versteckt, ist ein pfiffiges Detail. Diskutieren lässt sich dagegen über die bündig ausfahrenden Türgriffe. Das mag modern aussehen – klassische Bügel hätten ihren Zweck allerdings genauso erfüllt. Viel Platz für die Fahrzeugklasse Innen setzt sich der gute erste Eindruck fort: Für ein Auto dieser Größe wirkt der EV2 erstaunlich luftig. Die gerade geschnittenen Fensterflächen helfen dabei genauso wie die niedrige Mittelkonsole. Selbst bei normal eingestelltem Fahrersitz bleibt über dem Kopf noch jede Menge Luft. Nach hinten schränkt vor allem die breite C-Säule die Sicht etwas ein. Die Heckscheibe fällt ebenfalls eher klein aus. Beim Cockpit setzt Kia auf Bekanntes. Der Armaturenträger ist wie bei EV3 oder EV4 horizontal aufgebaut und im oberen Bereich mit Stoff bezogen. Dieser zieht sich bis in die vorderen Türen hinein und wertet den Innenraum sichtbar auf. Darum zeigt der EV2 aber auch, in welcher Klasse er unterwegs ist. Die Kunststoffe sind überwiegend hart, allerdings ordentlich gemasert und teils recht kratzempfindlich. Zusammen mit den Stoffflächen wirkt das Bild aber stimmig. Vor dem Fahrer thronen zwei große Displays, dazwischen befindet sich die Bedienung der Klimaanlage. Kia kombiniert Touchflächen mit klassischen Bedienelementen. Unterhalb der mittleren Lüftungsdüsen sitzen Wippen für die Klimatisierung, dazu gibt es eine Schnellwahlleiste für die wichtigsten Menüpunkte und eine Lautstärkewalze. Das funktioniert angenehm intuitiv. Dazu kommen die logisch angeordneten Tasten auf dem Lenkrad. Wer schon einmal einen aktuellen Kia gefahren ist, findet sich sofort zurecht. Schön gemacht sind auch die kleinen Details. Eine Ambientebeleuchtung zieht sich über den Armaturenträger und durch die flach gehaltene Mittelkonsole. Hellgelbe Akzente lockern den Innenraum auf, in den Türgriffen begrüßt ein kleines "Have a nice day" die Insassen. Wie viele moderne Autos begrüßt auch der EV2 seinen Fahrer zunächst mit einer ganzen Reihe von Warntönen. Tempolimitwarner, Verkehrszeichenerkennung und verschiedene akustische Hinweise melden sich direkt nach dem Losfahren. Immerhin macht Kia das Abschalten vergleichsweise einfach. Die meisten Funktionen lassen sich schnell über das Menü deaktivieren, der Tempowarner wird mit einem längeren Druck auf den Lautstärkeregler am Lenkrad stummgeschaltet. Das schont im Alltag die Nerven. Apropos Technik: Davon steckt im EV2 für seine Klasse erstaunlich viel. One-Pedal-Driving gehört genauso dazu wie die Akkukonditionierung vor dem Schnellladen. Auch Ladevorgänge lassen sich direkt aus dem Auto bezahlen, dazu kommen je nach Ausstattung unter anderem ein Harman/Kardon-Soundsystem oder ein Spurhaltehelfer in Kombination mit dem adaptiven Tempomaten. Vieles davon findet sich in dieser Fahrzeugklasse längst nicht überall. Variabler Fond Je nach Ausstattung gibt es den EV2 als klassischen Fünfsitzer oder – wie den Testwagen – mit zwei einzeln verschiebbaren Rücksitzen. Letztere bringen im Alltag ein gutes Stück mehr Flexibilität. Sind sie ganz hinten, finden auch größere Mitfahrer auf mittellangen Strecken ausreichend Platz. Rutschen sie nach vorn, wächst der Kofferraum entsprechend. Der Kofferraum selbst wirkt bei nach hinten geschobenen Sitzen nämlich zunächst kleiner, als man es von außen erwarten würde. Unter dem doppelten Ladeboden findet sich immerhin zusätzlicher Stauraum für Ladekabel und Kleinteile. Der Ladeboden lässt sich herausnehmen, allerdings nicht in der Höhe verstellen. Schiebt man die Sitze nach vorn, entsteht eine Kante, die mit Stoffbahnen kaschiert wird. Eine pragmatische Lösung. Weniger glücklich gelöst ist die Kofferraumabdeckung. Sie schwingt beim Öffnen der Heckklappe nicht automatisch mit, sondern muss händisch nach oben geklappt werden. Bleibt sie nach dem Beladen versehentlich oben stehen, schränkt sie die Sicht nach hinten zusätzlich ein. Dafür überzeugt ein anderes Detail: Der Griff zum Schließen der Heckklappe ist angenehm groß und stabil ausgeführt. Das klingt unspektakulär, macht im Alltag aber tatsächlich einen Unterschied. Fahren: Erst etwas aufgeregt, dann angenehm harmonisch Unser Testwagen war mit einer 42,2-kWh-Batterie und dem 146 PS starken Elektromotor unterwegs. In 8,7 Sekunden geht es auf Tempo 100, die WLTP-Reichweite liegt je nach Bereifung bei bis zu 317 Kilometern. Daneben bietet Kia noch eine zweite Variante mit 61,0-kWh-Akku und 135 PS an. Sie kommt auf bis zu 453 Kilometer Reichweite. Beide Versionen laden mit bis zu 118 kW Gleichstrom in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Optional gibt es außerdem 22-kW-Wechselstromladen. Beim ersten Anfahren wirkt der EV2 im Normalmodus zunächst etwas aufgeregt. Gasannahme, Rekuperation und die noch sehr bissigen Bremsen des nahezu neuen Testwagens ergaben auf den ersten Metern zunächst kein ganz harmonisches Bild. Stellt man die Rekuperation und den Fahrmodus auf die eigenen Bedürfnisse ein, ändert sich dieser Eindruck jedoch. Gerade im Stadtverkehr passt die Abstimmung zum Charakter des kleinen SUV. Zusammen mit dem i-Pedal, das bis zum Stillstand rekuperiert, ergibt sich ein stimmiges Gesamtpaket. Dazu passt auch die Lenkung. Sie spricht direkt an, ohne nervös zu werden. Gerade in der Stadt fühlt sich der EV2 angenehm handlich an. Angenehm auch das Fahrwerk: Der EV2 ist eher komfortabel abgestimmt. Er federt weich, ohne schwammig zu wirken oder sich nach Bodenwellen aufzuschaukeln. Gerade im Stadtverkehr passt das gut zum Charakter des Autos. Beim Geräuschkomfort leistet sich der Kia ebenfalls keine Schwächen. Natürlich bleibt ein Kleinwagen auch akustisch ein Kleinwagen: Bei Tempo 110 und höher entstehen stärkere Windgeräusche, doch diese halten sich im Rahmen. Und wie steht es mit der Reichweite? Bei einem Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahnen erscheinen die 317 Kilometer realistisch – bei Temperaturen um die 20 Grad. Der Verbrauch mit einem zufälligen Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn lag bei 13,4 kWh. Wer sich für die kleine Batterie entscheidet, sollte beachten, dass die Reichweiten bei niedrigen Temperaturen oder schnellen Autobahnfahrten deutlich schneller sinken und bei Kälte teils nur die Hälfte des angegebenen Werts betragen können. Zum Glück rechnet der Bordcomputer flink mit und zeigt realistische Prognosen an. Preis Der Kia EV2 startet als Light mit der kleinen Batterie bei 26.600 Euro. Das sind rund 1.000 Euro mehr als für den ID. Polo von VW. Das getestete Modell basiert auf der Ausstattungslinie Earth, die ab 31.290 Euro erhältlich ist. Bereits serienmäßig gehören unter anderem Sitz- und Lenkradheizung, ein elektrisch einstellbarer Fahrersitz, eine induktive Ladeschale sowie der Frunk dazu, also ein zusätzlicher Kofferraum unter der Fronthaube. Der Testwagen war nahezu voll ausgestattet. Wärmepumpe, Harman/Kardon-Soundsystem, 360-Grad-Kamera, fernbedienbarer Parkassistent, verschiebbare Rücksitze im Fond sowie das Design-Paket mit 18-Zoll-Rädern, Ambientebeleuchtung und den bündig ausfahrenden Türgriffen treiben den Preis auf 37.530 Euro. Ein großer Reigen an Möglichkeiten – aber dann eben auch nicht mehr günstig. Dafür gibt es ein aber sieben Jahre oder 150.000 Kilometer Fahrzeuggarantie, acht Jahre oder 160.000 Kilometer auf die Batterie. Fazit Der EV2 wirkt größer als er ist. Und genau das gilt nicht nur für sein Design. Auch im Innenraum, bei der Ausstattung und beim Raumgefühl spielt er eher eine Klasse höher. Doch das hat auch seinen Preis, wenn man das volle Paket wählt. Wer zudem häufiger längere Strecken fährt, sollte zur größeren Batterie greifen.