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Unwetter: Millionenschäden für Landwirte durch Sturm und Hagel

Nach Hitze und Trockenheit kommen Hagel und Starkregen. Besonders im Süden gab es schwere Gewitter. Auch die Landwirtschaft ist massiv betroffen. Die Gewitter über Deutschland mit Hagel und Starkregen scheinen kein Ende zu nehmen. In den vergangenen Tagen kam es in zahlreichen Regionen im Norden und Süden Deutschlands, darunter Niedersachsen, Hessen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern, zu Unwettern mit teils schweren Schäden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet mindestens bis zum Donnerstagmorgen noch mit Unwettern am Hochrhein, Bodensee sowie im Südschwarzwald. Unwetter: Wetter-Experte warnt vor Superzellen Die Hitzeglocke bricht: Wetterlage in Deutschland kippt Massive Schäden an der Landwirtschaft Die schweren Unwetter der vergangenen Tage machen auch der Landwirtschaft zu schaffen. Die Spezialversicherung Vereinigte Hagel beziffert den entstandenen Schaden auf mindestens 50 Millionen Euro – und das binnen 48 Stunden. Rund 100.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche seien demnach betroffen. Besonders hart habe es die nahezu erntereif stehenden Weizen- und Rapsbestände getroffen. Aber auch Mais, Kartoffeln, Hopfen und Wein seien laut der Versicherung nicht verschont geblieben. Aus den Regionen Nürnberg und Stuttgart werden teils verheerende Totalschäden gemeldet. "Rapsbestände sehen teilweise aus wie gedroschen, die Pflanzen wurden von Hagel und Sturm regelrecht abrasiert", teilte die Versicherung mit. Bezirksdirektor Peter Schemmel aus Hannover verwies zudem darauf, dass es erst kürzlich zu Schäden im niedersächsischen Obstbaugebiet Altes Land kam. Viele umgestürzte Bäume in Bodenseeregion Auch am Mittwoch hinterließen Gewitter, Sturm und heftiger Regen ihre Spuren. Besonders über Baden-Württemberg zogen schwere Unwetter. In der Bodenseeregion musste die Feuerwehr wegen Gewitter und Starkregen am Nachmittag zu zahlreichen Einsätzen ausrücken. Es habe sich in fast allen Fällen um umgestürzte Bäume gehandelt, sagte ein Polizeisprecher. Verletzte gab es keine. In Friedrichshafen am Bodenseekreis habe es fünf Einsätze wegen Bäumen auf der Straße gegeben, in Wangen im Allgäu im Landkreis Ravensburg waren es demnach zwei Einsätze. In Kressbronn am Bodensee habe es drei Einsätze gegeben. Unter anderem sei auf einem Campingplatz ein Baum auf ein Wohnmobil gestürzt. Starkregen auf Autobahn: Auto überschlägt sich Bei einem Unfall auf der A81 zwischen dem Autobahnkreuz Hegau und Singen im Landkreis Konstanz überschlug sich ein Auto mehrfach. Die 44 Jahre alte Fahrerin war am Nachmittag in Richtung Schaffhausen unterwegs, wie die Polizei mitteilte. Als plötzlich Starkregen einsetzte, geriet ihr Kleinwagen demnach ins Schleudern, überschlug sich mehrfach und durchbrach einen Wildschutzzaun. Das Auto sei schließlich neben der Fahrbahn liegen geblieben. Die 44-Jährige kam den Angaben nach mit dem Schrecken davon und blieb unverletzt. Sie wurde dennoch zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. Blitz schlägt in Handy und Dachstuhl Bei einem Blitzeinschlag im Landkreis Ravensburg erlitt eine Frau einen Stromschlag. In der Nacht auf Mittwoch hielt die 43-Jährige in Aitrach ihr Handy in der Hand, während es zum Laden an einer Steckdose angeschlossen war, wie die Polizei mitteilte. Sie wurde leicht verletzt und begab sich in ein Krankenhaus. Durch den Blitz verschmorten zudem mehrere Stromkästen im Ort, aus Steckdosen wurden teilweise Stichflammen gemeldet. In Lichtenstein im Landkreis Reutlingen brach im Dachstuhl eines Gebäudes ein Feuer aus, nachdem dort ein Blitz eingeschlagen war. Wie die Feuerwehr mitteilte, hatte ein Augenzeuge nach einem Blitzeinschlag eine Rauchentwicklung bei dem Haus im Ortsteil Unterhausen bemerkt. Die Feuerwehr sei schnell vor Ort gewesen und habe den Brand zügig löschen können. Das Haus ist demnach unbewohnt. Verletzt wurde niemand. Vollgelaufene Keller in Reutlingen Wegen eines Gewitters mit Starkregen musste die Feuerwehr in Reutlingen am späten Nachmittag und Abend 17 Mal ausrücken. Bei den Einsätzen handelte es sich hauptsächlich um voll gelaufene Keller sowie überflutete Straßen und Unterführungen, wie ein Sprecher sagte. Betroffen war demnach vor allem die Kernstadt. Im Landkreis Reutlingen habe es zwei weitere Einsätze gegeben. Verletzt wurde niemand. Hagelsturm trifft Reutlingen – 6.000 Haushalte ohne Strom Weiße Straßen: Zentimeterhohe Hagelschicht Bereits am Mittwochmorgen hatte ein Unwetter mit Hagel unter anderem in Reutlingen Straßen überflutet und einen stundenlangen Einsatz von Feuerwehr und Polizei ausgelöst. Zudem fiel in Teilen des Stadtgebiets vorübergehend der Strom aus, wie die Polizei mitteilte. Zahlreiche Abflussschächte verstopften und mehrere Straßenabschnitte wurden teilweise überflutet. Betroffene Bereiche mussten laut Mitteilung abgesperrt werden. Nach Einschätzung des DWD prasselten Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu fünf Zentimetern vom Himmel. Schwerpunkte der Einsätze waren laut Feuerwehr Verkehrsknotenpunkte in Senken. "Dort gab es Überflutungen. Der Verkehr ist teilweise zum Erliegen gekommen", sagte Feuerwehrkommandant Stefan Hermann. Verletzt worden sei niemand. In Schemmerhofen (Kreis Biberach) waren die Straßen ganz weiß und komplett von Hagel bedeckt. Feuerwehrleute schaufelten die zentimeterhohe Hagelschicht von der Straße und räumten die Schächte frei. Landwirte unterstützten sie mit ihren Traktorschaufeln, wie Kommandant Martin Musch mitteilte. Gebäudeschäden oder andere größere Schäden seien in Schemmerhofen aber nicht entstanden, sagte er. Weiterhin Unwettergefahr – dann Abkühlung Schwere Gewitter mit heftigem Starkregen und Hagel werden heute vor allem im Süden Deutschlands erwartet. Ab Nachmittag rechnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit heftigem Starkregen um 30 Liter pro Quadratmeter binnen einer Stunde, Hagel mit drei Zentimeter großen Körnern und schweren Sturmböen bis 100 Kilometer pro Stunde. Weniger schwere Gewitter werden in den anderen Teilen Deutschlands erwartet – meist mit Starkregen um 15 Liter pro Quadratmeter binnen kurzer Zeit, stürmischen Böen um 70 Kilometer pro Stunde und kleinkörnigem Hagel. Heute wird es auch noch einmal heiß: Im Südwesten von der Donau bis zum Niederrhein sind oft über 30 Grad möglich. "Am Donnerstag bäumen sich die Temperaturen noch ein letztes Mal auf", erklärte Fabian Chow von der Wettervorhersagezentrale des DWD. Besonders rund um den Oberrheingraben ist die Wärmebelastung stark. Am Freitag bringt ein Luftmassenwechsel das Ende der Hitze. "Dabei kommt es jedoch verbreitet zu reger Gewitteraktivität", sagte Chow. Die Luft sei weiter energiegeladen, die Gewitter könnten heftig ausfallen. Zum Wochenende wird es dann deutlich kühler mit oft unter 25 Grad, an der Küste teils stürmisch.