Dynamische Stromtarife: Festpreis ist laut Verivox oft günstiger
Dynamische Stromtarife versprechen Ersparnis durch flexible Nutzung. Doch eine Verivox-Analyse zeigt: Nur wer ein E-Auto besitzt, profitiert wirklich. Dynamische Stromtarife sind nicht immer die bessere Wahl. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox . Demnach kamen im ersten Halbjahr 2026 Haushalte mit einem günstigen Festpreistarif besser weg als diejenigen, die einen dynamischen Stromtarif nutzen. Das heißt, dass sich der Preis pro Kilowattstunde fortlaufend an den Preisen an der Strombörse orientiert, anstatt festgelegt zu sein. Für die Analyse hat Verivox verschiedene Tarifmodelle für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden (kWh) verglichen. Das Ergebnis: Wer einen dynamischen Tarif nutzte und seine Waschmaschine , seine Spülmaschine und seinen Trockner gezielt in die Zeiten verlegte, in denen der Strompreis an der Strombörse niedrig ist, zahlte im ersten Halbjahr rund 604 Euro. Ohne eine zeitlich optimierte Anpassung des Verbrauchsverhaltens steigen die Kosten auf 645 Euro. Neukundenbonus drückt Kosten Zum Vergleich: Haushalte, die einen Vertrag mit dem günstigsten Festpreisangebot mit Neukundenbonus abgeschlossen haben, zahlen im selben Zeitraum 588 Euro. Ihre Ausgaben sind geringer und ihre Flexibilität größer. Anders fällt der Vergleich zwischen einem dynamischen Tarif und den Grundversorgungstarifen des örtlichen Anbieters aus. Letzteren nutzen unter anderem Haushalte, die nie aktiv ihren Stromanbieter gewechselt haben. Ihre Stromrechnung für den Zeitraum würde 787 Euro betragen. In diesen Fällen stellen dynamische Tarife also eine deutliche Ersparnis dar. Eine Ersparnis ergibt sich ebenfalls für den Beispielhaushalt, wenn ein E-Auto vorhanden ist (Jahresverbrauch 6.000 kWh). Bei der Analyse kam der dynamische Tarif auf 821 Euro im ersten Halbjahr. Gegenüber der Grundversorgung (1.189 Euro) ergibt sich eine Ersparnis von 368 Euro. Der Grund: Das E-Auto lädt nachts. Die Börsenpreise sind dann in der Regel besonders niedrig. Beim günstigsten Tarif mit Bonus beläuft sich die Ersparnis im Vergleich zum dynamischen Tarif auf 136 Euro. Noch günstiger könnten dynamische Tarife werden, wenn sogenannte zeitvariable Netzentgelte flächendeckend eingeführt werden. Diese sehen vor, dass Verbraucher, die ihr E-Auto zu lastärmeren Zeiten laden, auch geringere Netzgebühren zahlen. Bislang haben viele Netzbetreiber das aber noch nicht umgesetzt. Voraussetzungen müssen erfüllt sein Damit Haushalte den dynamischen Stromtarif nutzen können, müssen sie mindestens einen Smart Meter (intelligenter Stromzähler) mit Smart-Meter-Gateway besitzen. Hierfür fallen allerdings auch noch Betriebskosten an. Die Höhe orientiert sich dabei am Jahresstromverbrauch und liegt zwischen 30 und 110 Euro. Zur Methodik Als Grundlage für die Analyse diente das sogenannte BDEW-Standardlastprofil H25. Dabei handelt es sich um ein statistisches Modell, das abbildet, wann und wie viel Strom ein typischer Haushalt im Tagesverlauf verbraucht. Die Börsenpreise stammen aus den Day-Ahead-Auktionen der europäischen Strombörse Epex Spot, an der Strom für den Folgetag im Viertelstundentakt gehandelt wird. Für den dynamischen Tarif wurden Zusatzkosten von 0,731 Cent/kWh sowie eine monatliche Grundgebühr von 5,03 Euro angesetzt – das entsprach im Juni 2026 den günstigsten am Markt verfügbaren Konditionen. Im optimierten Szenario wurde angenommen, dass 15 Prozent des täglichen Verbrauchs aus der Abendspitze (18 bis 22 Uhr) in die drei günstigsten Stunden des Tages verschoben werden. Beim E-Auto-Szenario wurde eine nächtliche Ladung zwischen 22 und 6 Uhr in den preiswertesten Stunden simuliert. Die Festpreistarife basieren auf dem Bundesdurchschnitt der günstigsten Angebote mit zwölfmonatiger Preisgarantie, die Grundversorgungspreise auf den monatlichen Durchschnittswerten der rund 800 deutschen Strom-Grundversorger.
