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Hier verbrennen Reisemobile beim Camping ein Vermögen

Beim Camping entscheiden die wenigsten mit dem Kopf. Warum Reisemobile trotz enormer Kostennachteile die Wohnwagen klar dominieren. Camper zahlen freiwillig drauf. Obwohl Wohnwagen bei Anschaffung, Unterhalt und Versicherung fast immer günstiger sind, entscheiden sich die Deutschen lieber für Reisemobile. Die Unterschiede sind enorm: Im Schnitt kostet ein Reisemobil mehr als 120.000 Euro, ein Caravan hingegen nur rund 30.000 Euro. Warum geben Urlauber das Vierfache aus? Die Antwort liegt nicht im Geldbeutel, sondern im Kopf. Das Wohnmobil steht für Freiheit. Der Wohnwagen steht für Vernunft. Und Vernunft verliert fast immer. Die Angst vor dem Anhänger Camper kaufen mit dem Wohnmobil vor allem eines: Einfachheit. Und die beginnt bereits beim Führerschein . Wer den Schein nach 1999 erwarb, stößt mit der normalen Klasse B bei Gespannen schnell an die Grenze von 3,5 Tonnen. Danach wird es bürokratisch: Die Erweiterung B96 ist ab 300 Euro erhältlich, die Klasse BE mit Prüfung kostet bis zu 1.500 Euro. Dagegen wiegen über 81 Prozent der neu zugelassenen Reisemobile höchstens 3,5 Tonnen. Jeder Autofahrer darf sie sofort steuern. Dahinter steckt eine psychologische Hürde. Viele Menschen scheuen das Fahren und Einparken mit einem Gespann, zumal Probefahrten kaum möglich sind. Auch das Parkrecht beeinflusst den Markt: Ein abgekoppelter Wohnwagen darf höchstens zwei Wochen am Straßenrand stehen, ein Reisemobil unterliegt deutlich weniger praktischen Einschränkungen. Achtung beim Beladen: Diesen Fehler sollten Camper unbedingt vermeiden Die Industrie hat das längst verstanden. Händler verdienen an Reisemobilen mehr, das Angebot an Caravans schrumpft. Auf der Messe Caravan Salon sind 166 Reisemobil-Marken vertreten, aber nur noch etwa 20 Wohnwagen-Marken. Einige Hersteller haben die Preise für Wohnwagen zuletzt um bis zu 30 Prozent erhöht, ohne technische Neuerungen vorzunehmen. Wenn Vernunft verliert Wer nachrechnet, müsste eigentlich den Wohnwagen kaufen. Das zeigen auch die Unterhaltskosten. Allein für den Service des Basisfahrzeugs zahlen Wohnmobilfahrer alle zwei Jahre rund 800 Euro, Ersatzteile nicht mitgerechnet. Die jährliche Inspektion plus Bremskontrolle beim Wohnwagen kostet im selben Zeitraum nicht einmal die Hälfte. Ein einziger Wohnmobilreifen kostet ohne Montage bis zu 300 Euro. Für dieses Geld bekommt der Caravan-Besitzer zwei neue Reifen inklusive Montagekosten. Unterhaltskosten im direkten Vergleich Kostenpunkt Wohnwagen Wohnmobil Hauptuntersuchung (HU) Etwa 60 Euro 180 Euro Jährliche Dichtigkeitsprüfung 90 Euro 150 Euro Jährliche Kfz-Steuer 74,60 Euro bei zwei Tonnen Gewicht 240 Euro bei 3,5 Tonnen Gewicht und Schadstoffklasse S4 Der Preis der Einfachheit Warum also dieser finanzielle Aufwand? Weil das Reisemobil ein Versprechen einlöst: einfach losfahren zu können, wann immer man möchte. Der Wohnwagen stößt vielerorts schon bei Maut und Stellplätzen an Grenzen. In der Schweiz beispielsweise kostet das Gespann den doppelten Preis, da sowohl das Auto als auch der Anhänger je eine eigene Jahresvignette benötigen. In Italien kostet jede zusätzliche Achse extra. Hunderte Euro für einen Zettel: Camper vor teurer Aufpreisfalle Vor allem aber sperrt Europa den Wohnwagen zunehmend aus. Nur etwa 2.400 Plätze lassen Gespanne zu. Wer im Wohnwagen reist, zahlt in der Hochsaison für eine kleine Familie schnell bis zu 52 Euro pro Nacht. Wohnmobile dagegen dürfen fast überall für durchschnittlich 15 Euro pro Nacht parken. Wenn man die Stellplatzgebühren im Urlaub außer Acht lässt, schneidet der Caravan in fast jeder Kostenrechnung besser ab. Er ist günstiger in der Anschaffung, im Unterhalt und in der Versicherung. Trotzdem entscheiden sich die meisten Käufer für das deutlich teurere Wohnmobil. Denn manche Rechnung wird nicht mit dem Kopf gemacht. Sondern mit dem Bauch. Wer das Vierfache bezahlt, kauft nicht mehr Urlaub. Er kauft das Gefühl, jederzeit aufbrechen zu können. Ein teures Gefühl. Aber für viele eben unbezahlbar.