Gebrauchtwagen: Günstige E-Autos werden wegen hoher Nachfrage knapp
Wer ein gebrauchtes Elektroauto sucht, braucht derzeit oft Geduld. Vor allem günstige Modelle sind gefragt, das Angebot kann mit der Nachfrage kaum noch Schritt halten. Die Auswahl gebrauchter Stromer wird kleiner. Besonders Modelle für rund 20.000 Euro sind stark gefragt. Nach Beobachtung der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) reicht das Angebot inzwischen nicht mehr aus, um die Nachfrage zu decken. Im April wechselten nach Angaben der DAT mehr als 40.000 batterieelektrische Gebrauchtwagen den Besitzer. Damit lagen die Besitzumschreibungen – wie schon in den vergangenen anderthalb Jahren – erneut über den privaten Neuzulassungen von Elektroautos. Nach Einschätzung der Experten haben unter anderem die hohen Kraftstoffpreise das Interesse an gebrauchten Stromern verstärkt. Hinzu kommt, dass sie sofort verfügbar und vor allem in kleineren Fahrzeugklassen vergleichsweise günstig sind. Weniger Nachschub als benötigt Dass gebrauchte Elektroautos knapper werden, hat seinen Ursprung allerdings vor mehreren Jahren. Während der Corona-Pandemie und nach Beginn des Ukraine-Kriegs wurden deutlich weniger Neuwagen gebaut und zugelassen. Diese Fahrzeuge fehlen nun als Rückläufer auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Die geringere Verfügbarkeit wirkt sich auch auf die Preise aus. Nach Angaben der DAT entwickeln sich die Restwerte dreijähriger Elektroautos zuletzt wieder leicht nach oben. Der Preisverfall, der den Markt lange geprägt hatte, scheint sich damit zumindest vorerst abzuschwächen. Verbrenner liegen nach wie vor fast zehn Prozentpunkte darüber, befinden sich aber in einer leichten Abwärtstendenz. Aussicht auf Entspannung Langfristig könnte sich die Lage entspannen. Denn inzwischen kommen deutlich mehr Elektroautos neu auf die Straße. Nach Auswertungen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) wurden im ersten Halbjahr rund 368.000 reine Elektroautos neu zugelassen – 48 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ihr Marktanteil lag bei knapp 25 Prozent. Zusammen mit Plug-in-Hybriden machten Fahrzeuge mit extern aufladbarem Antrieb rund 36 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen aus. Ein Teil dieser Fahrzeuge dürfte schon in wenigen Jahren auf dem Gebrauchtwagenmarkt landen. Besonders Firmenwagen spielen dabei eine wichtige Rolle. Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Dataforce entfielen im ersten Halbjahr 2026 30 Prozent der Neuzulassungen im relevanten Flottenmarkt auf reine Elektroautos. Solche Fahrzeuge werden häufig nach wenigen Jahren ersetzt und anschließend als junge Gebrauchtwagen verkauft. Andersherum argumentiert die DAT, dass viele Unternehmen unter der wirtschaftlich schwierigen Situation leiden und oftmals nicht mehr so viele Pkw anschaffen wie noch in der Vergangenheit. Politische Unwägbarkeiten, kurzfristige Einflüsse, Mitnahmeeffekte, knappes Gebrauchtwagenangebot, lange Lieferzeiten bei Neuwagen machten Vorhersagen immer komplexer, heißt es.
