CSD-Berlin 2026: 1.940 gewaltorientierte Islamisten – Experte warnt
Der CSD-Attentäter Abdul B. war den Behörden bekannt. Ein Experte erklärt, warum der Anschlag dennoch kaum zu verhindern war. Der Tatverdächtige des CSD-Anschlags in Berlin , Abdul B., war den Behörden bekannt und galt als Teil der islamistischen Szene. Dass die Tat dennoch geschah, ist für den Extremismus-Experten Hans-Jakob Schindler Ausdruck eines strukturellen Problems. "Das Problem ist, dass die islamistische Szene in Berlin relativ groß ist", sagte er dem "Tagesspiegel". "Wir reden hier über ein erhebliches Personenpotential." Eine lückenlose Überwachung sei für die Polizei nicht zu leisten – selbst bei Beschränkung auf die als besonders gefährlich geltenden Gefährder. Beim CSD sei zusätzlich die Bedrohung von rechts abzudecken gewesen. Schindler nannte konkrete Zahlen: "Allein in Berlin gibt es 1.940 zumindest gewaltorientierte Islamisten, insgesamt rechnen die Behörden in der Hauptstadt 2.590 Menschen der islamistischen Szene zu." Bundesweit weise der Verfassungsschutzbericht für 2025 mehr als 9.000 zumindest gewaltorientierte Islamisten aus. Das Kernproblem bleibe rechtsstaatlich bedingt: "Die Behörden können niemanden in Haft nehmen, der noch keine Straftat begangen hat. Das ist in einem Rechtsstaat ja auch richtig so." "Dann werden Anschläge wie der in Berlin immer wieder passieren" Den Ermittlern blieben vor allem die Gefährderansprache sowie die Beobachtung im Netz – deren Wirkung Schindler jedoch für begrenzt hält. Große Datenmengen automatisiert per künstlicher Intelligenz auszuwerten, sei bislang nicht erlaubt; ein Gesetzentwurf der Schwarz-Roten Koalition stecke noch im Verfahren. Bis dahin arbeite sich die Polizei mehr oder weniger von Hand durch die sozialen Netzwerke – bei der Flut an Radikalisierungsverläufen aus seiner Sicht nicht ausreichend effektiv. Anschlag auf CSD: Was wir wissen und was nicht CSD-Terroranschlag in Berlin: Queer-Beauftragter schildert Moment des Angriffs Trauer am Tatort: "Es hat mir das Herz gebrochen" Abdul B.: Was Nachbarn über den Tatverdächtigen sagen Eine zentrale Mitverantwortung wies Schindler den Plattformbetreibern zu, deren Rolle er "sehr unrühmlich" nannte und deren Kooperationswillen er mit "absolut bei null" bezifferte. Sie schotteten ihre Daten ab und sperrten selbst die Radikalisierungsforschung aus, obwohl sie gesetzlich zur Herausgabe verpflichtet seien. Dem Einwand, ein staatlicher Auftrag an Konzernchefs wie Elon Musk würde für Empörung sorgen, begegnete er nüchtern: "Aber dann werden Anschläge wie der gestern Abend in Berlin eben immer wieder passieren." Ansetzen müsse man bei empfindlichen Geldstrafen: "Dort muss man ihn packen." Anschlag auf Berliner CSD ereignete sich am späten Samstagabend Wenig hält der Experte von den Reflexen, die nach solchen Taten aufkommen. Die Parade sei gut gesichert gewesen; der Täter habe seine Opfer "unmittelbar hinter der Absperrung" getroffen. Daraus zog Schindler den Schluss: "Es kann nicht die ganze Stadt abgepollert und heruntergefahren werden, wenn eine Veranstaltung stattfindet." Auch den Ruf nach härteren Abschiebungen bewertete er skeptisch – das Verfahren sei "maximal komplex organisiert" und durch weitreichende Klagemöglichkeiten gebremst. Am Samstagabend war am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) ein weißer Van nahe dem Potsdamer Platz in eine Menschenmenge gefahren. Eine Frau wurde getötet, 29 weitere Menschen verletzt. Die Ermittler gehen von einem islamistischen Terroranschlag aus. Als Tatverdächtiger gilt der 21-jährige, in Berlin geborene Abdul B. , der sich den Behörden zufolge radikalisiert hatte und im vergangenen Jahr mehrfach versucht haben soll, sich der Terrormiliz IS anzuschließen. Einen Tag nach der Tat wurde er bei einem Polizeieinsatz in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau erschossen, nachdem er mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zugelaufen war.
