CSD-Anschlag Berlin: Ex-AfD-Mann aus BaWü belastet Unschuldigen
Ein ehemaliger AfD-Funktionär rückt einen Unbeteiligten in den Verdacht, am tödlichen CSD-Anschlag in Berlin beteiligt gewesen zu sein. Dann meldet sich der Gezeigte selbst. Wenige Stunden nach der Attacke auf den Berliner Christopher Street Day verbreitet der frühere AfD-Funktionär Reimond Hoffmann auf der Plattform X ein Video. Zu sehen ist der Content-Creator Abdul Malik. In dem Clip spricht er darüber, dass er angeblich in die Türkei abgeschoben worden sei und nun über Bulgarien nach Deutschland zurückkehre. Mit dem knappen Zusatz "Vor zwei Tagen:" kommentiert Hoffmann das Video und stellt so einen Zusammenhang mit dem CSD-Anschlag her, der mit dem Video nichts zu tun hat. Weder geht es darin um Berlin noch um den CSD oder einen Anschlag. Doch der Zeitpunkt des Posts, unmittelbar nach der Tat, legt genau das nahe. Mehr als 500.000 Menschen sehen den Beitrag. Trauer am Tatort: "Es hat mir das Herz gebrochen" Anschlag in Berlin : Auto fährt in Menschen beim CSD – das wissen wir bislang Nach CSD-Anschlag in Berlin: Abdul Ballout ist tot – warum war er auf freiem Fuß? Die Abschiebung war nur gespielt Tatsächlich hat Abdul Malik nichts mit dem Anschlag zu tun. Der mutmaßliche Täter, Abdul Ballout, ist eine andere Person. Dennoch verbreitet sich durch Hoffmanns Post die falsche Spur rasant weiter. Selbst als Nutzer auf die Verwechslung hinweisen, bleibt der ursprüngliche Beitrag unverändert. Hoffmann reagiert lediglich in den Kommentaren und schreibt, es handele sich um "einen weiteren Abdul". Für viele bleibt diese Einordnung unsichtbar. Die Folge: Andere Nutzer und sogar internationale Medien greifen das Video auf und bringen Malik mit dem Anschlag in Zusammenhang. Eine falsche Erzählung verselbstständigt sich. Malik wehrt sich nun öffentlich gegen die Darstellung. In einem Video spricht er von Verleumdung und massiver Rufschädigung. Nur wegen des gleichen Vornamens werde er mit dem Täter in Verbindung gebracht. Die Folgen, sagt er, seien konkret und bedrohlich: "Ihr gefährdet mein Leben." Er habe Angst, auf der Straße angegriffen zu werden. Auch seine Familie und seine berufliche Zukunft sieht er in Gefahr. Nach eigenen Angaben hat er sich an die Polizei gewandt und will rechtlich gegen die Verbreitung vorgehen. t-online hat Hoffmann gefragt, warum er Malik mit dem Anschlag in Verbindung brachte, wann ihm die Verwechslung bewusst wurde und warum er den Beitrag danach weder löschte noch im Ausgangspost klarstellte, dass Malik nicht der Gesuchte ist. Malik: "Ihr gefährdet mein Leben" Hoffmann antwortete, das "schreckliche Geschehen in Berlin" sei für ihn Anlass gewesen, "auch auf den Fall des Herrn Abdul M. hinzuweisen". Dieser plane laut eigenen Angaben nach seiner Abschiebung in die Türkei die Rückkehr nach Deutschland. Das zeige, so Hoffmann, "welchen Zustand wir in Deutschland haben, dass Tausende Abgeschobene wieder einreisen und unseren Staat verachten". Abdul Malik hingegen sagt zugleich, er sei in Deutschland geboren, deutscher Staatsbürger, Student und berufstätig und wohne rund 700 Kilometer von Berlin entfernt. Vermutlich hat er in seinen Videos davon gesprochen, abgeschoben worden zu sein, weil er damit provozieren wollte, um seine Reichweite im Netz zu erhöhen. Bei dem Anschlag am Samstagabend soll der 21-jährige Abdul Ballout im Berliner Tiergarten mit einem gemieteten Fahrzeug mehrere Menschen angefahren und anschließend weitere Personen mit einer Stichwaffe verletzt haben. Eine Frau starb, insgesamt wurden 29 Menschen verletzt. Am Sonntagabend erschoss ein Spezialeinsatzkommando Ballout in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau. Zuvor soll er nach Angaben der Polizei mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte losgegangen sein.
