CSD-Berlin 2026: Experte: Islamismus größte Gefahr für queere Menschen
Nach dem tödlichen Anschlag beim Berliner CSD sieht ein Experte die Debattierenden auf dem Holzweg. Die größte Gefahr gehe nicht von der AfD aus, sagt er. Nach dem tödlichen Anschlag beim Berliner CSD wird islamistische Homophobie, auch Homofeindlichkeit genannt, nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Hendrik Hansen in Deutschland systematisch unterschätzt und kleingeredet. Hansen ist Professor für politischen Extremismus und Ideengeschichte am Fachbereich Nachrichtendienste der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung. In einem Interview mit dem "Tagesspiegel" erklärte er, für queere Menschen gehe die größte Gefahr nicht von der AfD, sondern vom Islamismus aus. "Dabei ist der Islamismus für queere Menschen in Deutschland die größte Gefahr", sagte er. Die öffentliche Debatte laufe an dieser Faktenlage vorbei. Hansen: AfD in ihrer Gesamtheit ist nicht homofeindlich Der CSD in Berlin war am Samstagabend abgebrochen worden , nachdem ein Auto am Rande der Großveranstaltung in eine Menschenmenge gefahren war. Eine Frau wurde getötet , 29 weitere Menschen wurden verletzt. Am Sonntagabend erschoss die Polizei den mutmaßlichen Attentäter Abdul Ballout. Anschlag auf CSD in Berlin: Charité gibt Update zum Zustand der Verletzten Anschlag auf CSD in Berlin: Schauspieler berichtet von vielen Hassnachrichten Anschlag auf CSD in Berlin: Vater von Abdul Ballout äußert sich Homofeindlichkeit in der AfD wolle Hansen nicht kleinreden, betonte er. Die Partei sei aber nicht in ihrer Gesamtheit homofeindlich. Er kritisierte zugleich die Neigung, Islamismus als Reaktion auf Diskriminierungserfahrungen zu erklären. Das entschuldige die Tat und nehme dem Täter die Verantwortung. Solche Muster erlebe er etwa auch in der Enquetekommission des Berliner Abgeordnetenhauses, in die SPD und Grüne Vertreter des linken Parteiflügels entsandt hätten und in der auch die Linkspartei entsprechende Positionen vertrete. "Da sollen Leute zu Opfern erklärt werden, die in Wahrheit Täter sind", sagte Hansen. Um Taten wie die vom Samstag zu verhindern, müsse die Politik bei den Radikalisierungsprozessen ansetzen, die sich massiv in den digitalen Raum verschoben hätten. Bei der Positionierung muslimischer Verbände sieht Hansen ebenfalls "Luft nach oben". Zugleich verwies er auf das Problem, wer eigentlich für die Muslime in Deutschland spreche: Es habe immer wieder Belege für eine Nähe des Zentralrats der Muslime zu den radikalen Muslimbrüdern gegeben, und Ditib, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, sei "der verlängerte Arm von [Anm.: Recep Tayyip] Erdoğan in Deutschland".
