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Anschlag auf Berliner CSD: Nürnberger Promi-Friseur geht in die Offensive

Beim Berliner CSD fuhr ein Auto in eine Menschenmenge – eine Frau starb. In Nürnberg wächst die Sorge. Mancher geht "jetzt erst recht" in die Offensive. Nürnbergs "Promi-Friseur" Marcel Schneider ist noch immer erschüttert, wenn er an die Ereignisse beim Berliner CSD vom Wochenende zurückdenkt. Ans Zurückziehen aber denkt er keinesfalls. Er sagt: "Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen." "Ich bin zutiefst entsetzt und traurig", sagt Schneider. In seinem Statement auf Nachfrage der Nürnberger Lokalredaktion von t-online stellt er fest, dass der Hass auf queere Menschen immer mehr zunehme. Dieser komme seiner Einschätzung nach nicht nur aus dem rechten Lager. Auch Islamisten würden queere Menschen als Feindbild ansehen. Er sagt: "Wir werden uns nicht klein machen lassen." Beim Nürnberger CSD wolle Schneider deshalb "erst recht" mitlaufen und laut für die Rechte queerer Menschen demonstrieren. Zugleich ruft er dazu auf, gemeinsam für Vielfalt, Respekt, Toleranz und Menschlichkeit einzustehen. Grüne sehen Stadt und Polizei in der Pflicht Auch die Stadtratsfraktion der Grünen setzt ein Zeichen. In einer Pressemitteilung schreiben die Verantwortlichen anlässlich der Pride Weeks in Nürnberg: Sicherheit und Sichtbarkeit seien nun wichtiger denn je. "Wir stehen hierzu im engen Austausch mit dem CSD-Verein sowie dem Oberbürgermeister, den wir hier insbesondere in der Verantwortung sehen, für eine maximal mögliche Sicherheit für die queere Community zu sorgen", erklärt Fraktions-Covorsitzender Alexander Kahl. Stadt und Polizei müssten gemeinsam für sichere und sichtbare Prideweeks in Nürnberg sorgen. Dazu hätten die Vertreter noch vor dem Vorfall in Berlin ein Antragspaket geschnürt, in dem sie mehr Schutz, Stärkung und Sichtbarkeit für die queere Community fordern. "Vor dem Hintergrund des islamistischen Anschlags in Berlin muss nun aber vor allem der Aspekt der Sicherheit im Fokus stehen." CSD lässt sich nicht einschüchtern: "Nürnberg liebt" Die Veranstalter des CSD Nürnberg Pride hatten erklärt, dass die Veranstaltung trotz der Ereignisse in Berlin stattfinden werde. Noch bis zum 9. August finden die sogenannten Pride Weeks in der Region statt. Höhepunkt ist die Demo am 8. August. Die Sicherheit aller Teilnehmer habe höchste Priorität. Gemeinsam mit der Stadt Nürnberg und der Polizei wolle man die aktuelle Lage erörtern und die bestehenden Sicherheitskonzepte überprüfen. Das diesjährige Motto lautet "Nürnberg liebt". Es sei gerade jetzt ein gemeinsames Bekenntnis zu Menschlichkeit, Respekt und Zusammenhalt, erklärten die Veranstalter dazu. "Massive Anfeindungen": Schon 2025 schlug der CSD in Nürnberg Alarm CSD in Nürnberg: Polizei prüft Sicherheitskonzept der Demo Der Berliner CSD wurde am Samstagabend abgebrochen, nachdem ein Auto am Rand der Großveranstaltung in eine Menschenmenge gefahren wa r. Dabei wurde eine Frau getötet, 31 weitere Menschen wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter kam am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz ums Leben. Sicherheitsfragen hatten den Nürnberger CSD bereits im vergangenen Jahr beschäftigt. Obwohl damals nach Angaben des Fördervereins keine konkrete Gefährdungslage bestanden habe, seien die Schutzmaßnahmen schon damals vorsorglich verstärkt worden. Schneider engagiert sich seit Jahrzehnten für queere Sichtbarkeit, auch im ländlichen Raum. Gemeinsam mit seinem Mann lebt er seit mehr als 30 Jahren im Landkreis Roth, politisch war er jahrelang für die SPD aktiv. In der Vergangenheit war Schneider Opfer von Hassbriefen, Morddrohungen und queerfeindlichen Anfeindungen. Verstecken wolle er sich trotzdem nicht. "Ich ducke mich nicht", sagte er damals. Für seine Spendenaktionen und jahrelange Benefizarbeit zugunsten von sozialen Projekten, benachteiligten Menschen und Tieren in Not bekam er in diesem Jahr das Bundesverdienstkreuz verliehen.