Neuer Prozess um Verfolgungsjagd mit fast tödlichem Ausgang
Eine 15-köpfige Gruppe treibt einen Mann mit Autos durch den Kreis Steinfurt. Auslöser ist offensichtlich ein Familienstreit. Das Opfer überlebt nur durch einen Zufall. Vor dem Landgericht Münster beginnt am 12. August ein Prozess um einen versuchten Totschlag. Das Tatwerkzeug: ein Auto. Das Gericht beschäftigt sich bereits zum zweiten Mal mit dem Fall. Am 15. Dezember 2022 wurde der Halter des Autos freigesprochen. Das Gericht war am Ende nicht davon überzeugt, dass er bei dem Angriff auf einen damals 32-Jährigen am Steuer gesessen hatte. Das Opfer hatte nach einer wahren Hetzjagd einer 15-köpfigen Gruppe mit mehreren Autos nur durch Zufall überlebt. Ein unbeteiligter Zeuge hatte ihn eine Stunde nach der Tat leblos auf einem dunklen Acker gefunden. Er hatte eine Riss- und Quetschwunde am Kopf, eine Gehirnerschütterung und war stark unterkühlt. Ohne Notfallversorgung wäre er gestorben. 28-Jähriger ist jetzt angeklagt Im zweiten Versuch ist jetzt ein 28 Jahre alter Mann aus Vreden im westlichen Münsterland angeklagt. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft saß er im März 2021 am Steuer und hat mit seiner Attacke die tödlichen Folgen zumindest billigend in Kauf genommen. Was genau hinter dem Fall steckt, wurde im ersten Prozess nur im Ansatz klar. Auslöser war offensichtlich ein Familienstreit. Das spätere Opfer soll seine von ihm getrennt lebende Ehefrau bedroht haben. Daraufhin verständigte die Schwester der Frau die Familie, die den Mann zur Rede stellen sollte. Es folgte die Verfolgungsjagd einer 15-köpfigen Gruppe mit mehreren Autos. Startpunkt war Hörstel im Kreis Steinfurt, wo das Opfer wohnte. Der damals 32-Jährige floh in seinem Auto und es kam zu wechselseitigen Abdrängungsmanövern. An einer Ampel im rund zehn Kilometer entfernten Rheine blockierten die Verfolger sein Fahrzeug. Die Angreifer bedrohten ihn durch das Fahrerfenster. Ihm gelang noch einmal kurz die Flucht, er wendete und fuhr gegen eins der Fahrzeuge, das ihn blockiert hatte. Daraufhin schlugen die Männer das Fahrerfenster ein. Opfer wehrte sich mit Gummihammer und Obstmesser Es folgte ein Tumult, bei dem sich der Verfolgte mit einem Gummihammer und einem Obstmesser zur Wehr setzte. Der jetzt vor dem Landgericht Angeklagte wurde dabei mit einem Stich an der Hüfte verletzt. Das Opfer flüchtete zu Fuß auf ein Feld. Der angeklagte 28-Jährige verfolgte ihn laut den Ermittlungen mit einem Auto, beschleunigte und traf den Mann mit Tempo 30. Der damals 32-Jährige wurde am Unterschenkel getroffen, über die Motorhaube und Windschutzscheibe geschleudert und knallte nach einem Flug über das Dach auf den Boden. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft fuhr der Angeklagte anschließend davon, ohne sich zu kümmern. Nur durch Zufall überlebte der lebensgefährlich Verletzte den Angriff. Bis zum 24. September hat das Gericht zehn Verhandlungstage angesetzt.
