Tödlicher Defekt: So prüfen Sie, ob Ihr Auto betroffen ist
Nach einem Airbag-Defekt mit tödlichem Ausgang in Frankreich erhöht das Kraftfahrt-Bundesamt den Druck. Hersteller müssen Rückrufe beschleunigen und Fahrzeuge zügiger nachrüsten. Im Juni 2025 ist eine Autofahrerin in Frankreich durch einen fehlerhaften Airbag ums Leben gekommen. Beim Aufprall platzte der Gasgenerator ihres elf Jahre alten Citroën C3. Metallsplitter wurden in den Innenraum geschleudert und trafen die Fahrerin tödlich. Das Kraftfahrt-Bundesamt reagiert infolge dieses Todesfalls mit strengeren Vorgaben. Die Behörde fordert Hersteller auf, laufende Rückrufaktionen zu beschleunigen und Austauschprogramme früher abzuschließen als ursprünglich geplant. Mehr als 5,8 Millionen Fahrzeuge betroffen Seit 2014 mussten in Deutschland mehr als 5,8 Millionen Pkw und Nutzfahrzeuge wegen fehlerhafter Airbags des japanischen Herstellers Takata zurückgerufen werden. Laut dem Kraftfahrt-Bundesamt kommen jedes Jahr im Durchschnitt rund 480.000 weitere Fahrzeuge hinzu. Der Takata-Rückruf gilt weltweit als einer der größten in der Geschichte der Automobilindustrie . Betroffen sind Fahrzeuge zahlreicher Hersteller, darunter deutsche, andere europäische, amerikanische und asiatische Marken. Das KBA stuft die Gefahr als ernst ein. Zugleich weist die Behörde darauf hin, dass das Risiko nicht bei allen Fahrzeugen gleich hoch ist. Besonders kritisch ist es bei älteren Fahrzeugen sowie Autos, die über längere Zeit in Regionen mit hoher Hitze und Luftfeuchtigkeit genutzt wurden. Warum die Airbags gefährlich werden können Das Problem liegt im Gasgenerator des Airbags. Er enthält ein Treibmittel, das bei einem Unfall in Sekundenbruchteilen Gas freisetzt und den Airbag aufbläst. Takata verwendete dafür Ammoniumnitrat. Diese Verbindung kann sich mit der Zeit verändern, insbesondere durch Feuchtigkeit, starke Temperaturschwankungen und große Hitze. Dadurch wird das Material instabiler und kann bei einer Auslösung zu schnell reagieren. Im Extremfall kann der Druck im Gasgenerator so stark steigen, dass das Metallgehäuse reißt. Dann öffnet sich der Airbag nicht nur wie vorgesehen, sondern es können auch Metallsplitter in den Innenraum geschleudert werden. Weltweit starben dadurch bereits mindestens 35 Menschen, Hunderte wurden verletzt. In dem Fall aus Frankreich soll ein unentdeckter Wasserschaden das Material zusätzlich geschädigt und den Defekt beschleunigt haben. Für das KBA ist dieser Vorfall dennoch Anlass, die Rückrufe insgesamt zu verschärfen. Warum manche Fahrzeuge früher umgerüstet werden Wie schnell ein Takata-Airbag gefährlich wird, hängt stark von den äußeren Bedingungen ab. Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit beispielsweise beschleunigen die Alterung des Treibmittels. Deshalb wurden Fahrzeuge in tropischen und subtropischen Ländern zuerst mit Ersatzteilen versorgt. Für Deutschland sieht das KBA wegen des gemäßigteren Klimas keine flächendeckende akute Gefahr. Entwarnung bedeutet das jedoch nicht. Die Behörde prüft besonders aufmerksam importierte Fahrzeuge, die zuvor in heißen oder feuchten Regionen unterwegs waren und später nach Deutschland gelangten. Solche Autos können ein höheres Risiko aufweisen und werden daher bevorzugt in Rückrufaktionen einbezogen. Ersatzteile weltweit knapp Der Austausch der betroffenen Airbags wird seit Jahren durch begrenzte Ersatzteilkapazitäten erschwert. Weltweit müssen Millionen Fahrzeuge nachgerüstet werden. Deshalb priorisieren die Hersteller häufig ältere Modelle oder Fahrzeuge mit einem erhöhten Risikoprofil. Betroffene Halter werden in der Regel automatisch von ihrem Fahrzeughersteller angeschrieben. Dazu stellt das KBA den Herstellern die entsprechenden Halterdaten aus dem Zentralen Fahrzeugregister zur Verfügung. Trotzdem sollten sich Autobesitzer nicht allein auf Post vom Hersteller verlassen. Gerade bei älteren Fahrzeugen, Importwagen oder mehreren Halterwechseln kann eine Benachrichtigung verspätet eintreffen oder sogar ganz ausbleiben. Wer ist betroffen? Takata belieferte über viele Jahre hinweg nahezu alle großen Automobilhersteller. Zu den betroffenen Herstellern zählen unter anderem die Volkswagen-Gruppe mit den Marken VW, Audi , Skoda und Seat, außerdem BMW , Mercedes-Benz , Opel und Ford. Auch japanische Marken wie Honda, Toyota, Nissan und Mazda sowie die Stellantis-Gruppe mit den Marken Citroën und Peugeot waren beziehungsweise sind von Rückrufaktionen betroffen. Entscheidend ist jedoch nicht allein die Marke. Ob ein Fahrzeug betroffen ist, hängt vom konkreten Modell, Baujahr, Airbag-Typ und teilweise auch von der Fahrzeughistorie ab. Deshalb sollten Halter den Rückrufstatus ihres Autos prüfen. So prüfen Sie, ob Ihr Fahrzeug betroffen ist Wer wissen möchte, ob sein Fahrzeug unter einen Takata-Rückruf fällt, benötigt die Fahrzeug-Identifizierungsnummer, kurz FIN. Sie besteht aus 17 Zeichen. Die FIN finden Sie: im Fahrzeugschein beziehungsweise in der Zulassungsbescheinigung Teil I im Feld E, häufig auf einem Schild im Türrahmen der Fahrerseite, unten links an der Windschutzscheibe. Mithilfe dieser Nummer können Halter den Rückrufstatus ihres Fahrzeugs online prüfen. Viele Hersteller bieten auf ihren Webseiten kostenlose FIN-Checks für ihre Fahrzeuge an, etwa für Modelle von VW, BMW, Opel, Seat und anderen Marken. Zusätzlich stellt das Kraftfahrt-Bundesamt eine Rückrufdatenbank bereit, in der sich Rückrufe nach Hersteller, Modell und Baujahr recherchieren lassen. Bei Stop-Drive-Warnung nicht weiterfahren Ist ein Fahrzeug betroffen, sollten Halter zeitnah Kontakt zu einer Vertragswerkstatt aufnehmen. Der Austausch des Airbags ist kostenlos. Besonders ernst zu nehmen sind sogenannte "Stop Drive"-Warnungen. Sie betreffen einzelne ältere Modelle, unter anderem von Citroën oder Opel. Fahrzeuge mit einer solchen Warnung dürfen nicht mehr bewegt werden, bis der Defekt behoben ist. In diesen Fällen organisieren die Hersteller oder die Werkstätten in der Regel einen Abschleppdienst oder eine Reparatur vor Ort. Was Halter jetzt tun sollten Auch wenn für die meisten Fahrzeuge in Deutschland kein unmittelbares Risiko besteht, sollten Besitzer älterer Autos den Rückrufstatus aktiv prüfen. Das gilt besonders für Fahrzeuge mit unbekannter Historie, Importautos oder Modelle aus Baujahren, die bereits in früheren Takata-Rückrufen genannt wurden. Wer eine Rückrufbenachrichtigung erhält, sollte sie nicht ignorieren. Defekte Takata-Airbags können im Ernstfall lebensgefährlich sein – und der Austausch ist für betroffene Halter kostenlos.
