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Gerüchte über offene Grenze trieben Menschen wohl nach Ceuta

Der Ansturm auf Ceuta hat Europa aufgeschreckt. Nun verdichten sich die Hinweise auf den Auslöser der plötzlichen Migrationsbewegung. Fatima Zahra sagt, die Nachricht habe sie gleich nach dem Aufwachen erreicht. Die Grenze nach Ceuta sei offen, das habe sie in ihrem Wohnort, der marokkanischen Hafenstadt Tanger, von Freunden gehört. "Da sagte ich zu den Leuten rund um mich: Wir fahren dorthin, um zu arbeiten", berichtet die junge Marokkanerin. "Versuchen wir auch unser Glück." Wie sie machten sich nach ähnlichen Gerüchten zehntausende Menschen auf den Weg nach Fnideq, der marokkanischen Stadt an der Grenze zur spanischen Exklave in Nordafrika. Mehrere Menschen berichteten, die Nachricht von der vermeintlichen Grenzöffnung habe sich durch Mundpropaganda unter Freunden sowie über Onlinenetzwerke wie Discord verbreitet. Wo sie ihren Ausgang nahm, blieb zunächst unklar. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez machte von einer "Schleusermafia" verbreitete Gerüchte verantwortlich. Am Freitagmorgen bot sich nahe dem Grenzposten bei Fnideq ein Bild der Verwüstung. Dutzende ausgebrannte Autos, Motorräder und Taxis stehen auf dem Gelände, Steine liegen auf dem Boden. Lastwagen transportieren die Überreste zerstörter Fahrzeuge ab. Ab der Morgendämmerung hatte die marokkanische Polizei begonnen, Wasserwerfer und Tränengas einzusetzen. Aus der Menge flogen Steine. Rund 30 junge Menschen wurden festgenommen. Newsblog zum Ansturm auf Ceuta : Alle Entwicklungen im Überblick Ansturm auf Exklave : Kommen die Menschen aus Ceuta jetzt nach Deutschland? Migranten betteln Autofahrer in Ceuta um Essen an In Ceuta, auf der anderen Seite der Grenze, blieben derweil die Rollläden unten. In der Calle Real, der wichtigsten Einkaufsstraße des spanischen Vorpostens in Afrika, hatten nur Apotheken und die Filiale eines Schnellrestaurants geöffnet. "Uns geht das Brot aus", sagte der städtische Straßenreiniger Miguel Ángel Campana. Frisches Brot gebe es nicht, weil die Bäckereien geschlossen seien. Nach Angaben der örtlichen Behörden gelangten in den vergangenen Tagen rund 60.000 Menschen in die gut 18 Quadratkilometer große Exklave mit ihren etwa 84.000 Einwohnern. Viele waren um eine ins Mittelmeer reichende Grenzbarriere geschwommen und ließen Schwimmringe und Kleidung zurück. In Ceuta bettelten am Freitag Migranten Autofahrer um Essen an, um Geld oder ein Telefon für einen Anruf bei ihren Familien. Der örtliche Handelsverband riet Geschäftsinhabern, ihre Läden geschlossen zu halten, "bis die Sicherheit gewährleistet werden kann". Selbst die Feiern zu Ehren der Schutzpatronin von Ceuta, der Madonna von Afrika, sagte die Stadt ab. Fahrgeschäfte blieben unter Plastikplanen verborgen. Mindestens 57 Tote bei Ansturm auf Ceuta "Es war wie während der Pandemie – dieses Gefühl, dass es besser ist, zuhause zu bleiben, als hinauszugehen", sagt die 56-jährige Einwohnerin Yolanda Moreno. Der in Ceuta lebende Taxifahrer Mohammed glaubt, viele Ankommende hätten in der Stadt bessere Bedingungen erwartet. Dann seien sie auf die Realität geprallt. Mohammed erzählt, er und seine Nachbarn seien bis zum Morgengrauen wach geblieben, um sich gegen mögliche Diebstähle durch Migranten zu wappnen. "Meine Nichten haben Angst", sagte er. Einige der Migranten, fügt Mohammed an, seien zurückgekehrt, "weil sie nichts zu essen hatten". Mehr als 48.000 Menschen waren nach spanischen Angaben bis Freitag wieder nach Marokko gereist. "Ich habe es geschafft, nach Ceuta hineinzukommen, aber anschließend wurde ich zurückgeschickt", sagt ein junger Mann namens Mohammed. Karim, ebenfalls zurückgewiesen, beschreibt die Wirkung des Gerüchts: Viele seien bei der Arbeit gewesen. "Plötzlich hörten sie, dass die Grenzen offen seien, dass einige junge Leute hineingekommen seien – und dann waren alle hier." Für mindestens 57 Menschen endete der Versuch nach Angaben der spanischen Behörden tödlich. Abdelhakim sagt, er sei 14 Kilometer "durch die Berge" bis zur Grenze gelaufen. Dort habe es geheißen, er müsse über das Meer weiter. "Ich war völlig unter Wasser und sah zwei junge Männer vor meinen Augen sterben", berichtet er. "Da bin ich zurückgewichen und erinnerte mich daran, dass ich selbst zwei Kinder habe und mein Leben nicht riskieren kann."