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Ausflug ab Köln zum Sri-Kamadchi-Ampal-Tempel in Hamm

Mitten in Westfalen wartet ein Stück Südasien auf Besucher. Ein hinduistischer Tempel in Hamm gilt als religiöses Zentrum für Tamilen in ganz Deutschland. Für eine Reise nach Sri Lanka braucht es nicht immer ein Flugticket. Im westfälischen Hamm wartet ein Ort, der Besucher für einige Stunden nach Südasien versetzt: der Sri-Kamadchi-Ampal-Tempel. Götterfiguren, kunstvolle Verzierungen und traditionelle hinduistische Zeremonien lassen den Ausflug fast wie einen Kurzurlaub wirken. Von Köln aus ist das außergewöhnliche Heiligtum mit dem Auto in ungefähr eineinhalb Stunden erreichbar. Wer den Tempel betritt, lässt den nordrhein-westfälischen Alltag für einen Moment hinter sich und taucht in die religiöse und kulturelle Welt der tamilischen Gemeinschaft ein. Farbenprächtige Figuren und kunstvolle Schreine Schon von außen ist der Tempel kaum zu übersehen. Besonders auffällig ist der reich verzierte Eingangsturm, der sogenannte Gopuram. Zahlreiche farbige Figuren zeigen hinduistische Gottheiten, Tiere und Fabelwesen. Sie sind nicht nur dekorative Elemente, sondern erzählen auch Geschichten aus der hinduistischen Glaubenswelt. Auch im Inneren setzt sich die aufwendige Gestaltung fort. Der rund 700 Quadratmeter große Tempelraum beherbergt mehrere Schreine und Darstellungen verschiedener Gottheiten. Im Mittelpunkt steht Sri Kamadchi Ampal, eine Erscheinungsform der Göttin Parvati. Ihr zentraler Schrein ist nach Osten ausgerichtet, sodass die Göttin der aufgehenden Sonne entgegenblickt. Ebenfalls zu sehen sind die Schreine der neun Planetengötter und weitere kunstvoll geschmückte religiöse Bereiche. Besucher können dabei eine Poojai erleben, einen hinduistischen Gottesdienst mit Gebeten, Gesängen und rituellen Handlungen. Diese Gottesdienste finden nach Angaben der Gemeinde täglich um 8, 12 und 18 Uhr statt. Wie der Tempel nach Hamm kam Die Geschichte des Tempels ist eng mit der Flucht tamilischer Familien aus Sri Lanka verbunden. Viele von ihnen kamen während des dortigen Bürgerkriegs nach Deutschland und bauten sich in Nordrhein-Westfalen ein neues Leben auf. In Hamm gründeten Tamilen 1989 eine hinduistische Gemeinde. Die ersten Gebete fanden noch in deutlich kleineren Räumen statt. Vier Jahre später veranstaltete die Gemeinde erstmals ein Tempelfest mit einer öffentlichen Prozession. Als die bisherigen Räume für die wachsende Gemeinschaft nicht mehr ausreichten, entstand im Stadtteil Uentrop ein neuer Tempel. Der heutige große Hallentempel wurde im Sommer 2002 eingeweiht. Bei den Feierlichkeiten wurden Sri Kamadchi, die neun Planetengötter und weitere Gottheiten rituell inthronisiert. Der Standort in der Nähe des Datteln-Hamm-Kanals wurde auch gewählt, weil Wasser bei bestimmten hinduistischen Zeremonien eine wichtige Rolle spielt. Heute gilt der Sri-Kamadchi-Ampal-Tempel als einer der bedeutendsten südindischen Tempel Europas und als wichtiges religiöses Zentrum für tamilische Hindus in Deutschland. Ein lebendiger Glaubensort statt gewöhnlicher Sehenswürdigkeit Bei einem Besuch sollte nicht vergessen werden, dass der Tempel kein Museum, sondern ein aktiver religiöser Ort ist. Gläubige kommen zum Beten, bringen Opfergaben mit oder nehmen an Zeremonien teil. Vor dem Betreten des Tempelraums müssen die Schuhe ausgezogen werden. Besucher sollten Schultern und Knie bedecken, sich ruhig verhalten und laufende Gottesdienste nicht stören. Während religiöser Zeremonien sollte nur fotografiert werden, wenn dies ausdrücklich erlaubt ist. Die Gemeinde heißt nach eigenen Angaben auch interessierte Gäste für Führungen willkommen. Für Gruppen können individuelle Termine vereinbart werden, bei denen Besucher mehr über die Architektur, die Gottheiten und die hinduistischen Rituale erfahren. Wann kann man den Tempel besuchen? Der Tempel ist nach Angaben der Hinduistischen Gemeinde täglich von 8 bis 13 Uhr sowie von 17 bis 19 Uhr geöffnet. Zwischen 13 und 17 Uhr bleibt das Heiligtum geschlossen. Da sich Öffnungszeiten an Feiertagen oder bei besonderen Veranstaltungen ändern können, empfiehlt sich vor einer längeren Anreise ein kurzer Blick auf die Internetseite der Gemeinde. Wer eine Zeremonie miterleben möchte, kann den Besuch auf eine der täglichen Poojai-Zeiten um 8, 12 oder 18 Uhr legen. Für die reine Besichtigung sollten etwa 45 bis 60 Minuten eingeplant werden. Besonders eindrucksvoll: das große Tempelfest Der Höhepunkt des Tempeljahres ist das mehrtägige Sri-Kamadchi-Ampal-Tempelfest. Dabei wird die Statue der Göttin auf einem prächtig geschmückten Wagen in einer Prozession um das Gelände gezogen. Nach hinduistischem Glauben segnet sie dabei die Stadt und die dort lebenden Menschen. Das Fest lockt jedes Jahr Tausende Gläubige und interessierte Besucher nach Hamm. In diesem Jahr nahm erstmals Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an den Feierlichkeiten teil. Wer den Tempel in einer besonders farbenprächtigen und lebhaften Atmosphäre erleben möchte, sollte sich den Termin für das nächste Tempelfest vormerken. Für einen ruhigen ersten Besuch eignet sich allerdings ein gewöhnlicher Tag deutlich besser. Ausflug mit Besuch des Maximilianparks verbinden Anschließend an den Tempelbesuch bietet sich ein Abstecher in den Maximilianpark an. Das bekannte Ausflugsziel liegt ebenfalls im Osten von Hamm und ist vor allem für seinen großen Glaselefanten bekannt. Auf dem Gelände einer ehemaligen Zeche warten Gärten, Spazierwege, Spielplätze und wechselnde Ausstellungen. Besonders für Familien ergibt sich so eine abwechslungsreiche Kombination: zunächst eine kulturelle Reise nach Südasien, anschließend Bewegung und Erholung im Grünen.