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Der wildeste Wagen der 80er: Dieses Auto durfte es niemals geben

Niemand erwartete von Buick ein begehrenswertes Auto. Der GNX wurde trotzdem eines – und lebt heute auf Kendrick Lamars Bühnen weiter. Wohl kaum ein Autofahrer kaufte je einen Buick, um aufzufallen. Die Marke aus Detroit baut Autos für Menschen, deren größte Tugend die Vorhersehbarkeit ist. Sie steht für die gutbürgerliche Vorstadt, den gepflegten Vorgarten und die verlässliche Langeweile des amerikanischen Traums. Doch dann brach das Unternehmen mit seinen eigenen Konventionen. Es lackierte seine Autos tiefschwarz. Sogar Kühlergrill und Radkappen. Das Ergebnis hieß GNX, ein düsterer, kantiger Monolith auf Rädern. Es gehörte 1987 zu den schnellsten Serienautos der Welt. Schatzsuche auf Rädern: Dieser Stahl ist Gold wert Hinter dem Projekt stand der Versuch, das Image der angeschlagenen Marke zu retten. Dafür nutzte Buick die eigenen Erfolge in der Motorsportserie "NASCAR Grand National". Bereits 1982 liefen die ersten sportlicheren, aber noch grau-silbernen Sondermodelle vom Band. Ab 1984 kamen die Coupés nur noch in Schwarz auf den Markt. Das kompromissloseste Modell hob sich Buick jedoch bis zum Schluss auf: 1987, im letzten Produktionsjahr, kam der GNX. Eine Lüge für die Chefetage Die Entstehung des GNX folgte zunächst einer eisernen Regel des Mutterkonzerns General Motors : Kein Modell durfte die hauseigene Ikone überholen – die Chevrolet Corvette. Buick folgte dieser Hierarchie. Und umging sie dennoch. Das Unternehmen übergab 547 fertige Autos an den externen Partner ASC/McLaren. Erst dort überarbeiteten Ingenieure den 3,8-Liter-V6-Motor und das Fahrwerk. Erschütternde Rache: Dieses Auto ist die schönste Todesfalle der Welt In den offiziellen Verkaufsunterlagen notierten die Manager eine Leistung von 276 PS. Das war jedoch eher eine Schutzbehauptung gegenüber der Konzernleitung. Auf Prüfständen leistete der Motor tatsächlich deutlich über 300 PS und entwickelte rund 570 Newtonmeter Drehmoment. Schneller als Ferrari Das US-Magazin "Car and Driver" maß den Wagen im Jahr 1987 ein. Die Prüfer ermittelten eine Beschleunigung von null auf sechzig Meilen pro Stunde (rund 96 km/h) in 4,7 Sekunden. Damit war der Buick zumindest auf gerader Strecke schneller als der damalige Porsche 911 Turbo und der Ferrari Testarossa. Ein bürgerliches Coupé fuhr der europäischen Sportwagen-Elite davon. Koks, Edelstahl, Flügeltüren: John DeLorean jagte sein Imperium in die Luft So entwickelte es sich schnell zum begehrtesten Modell der Unternehmensgeschichte. Und aus diesem Widerspruch speist sich auch sein Mythos. Der GNX bediente nicht die Schickeria. Er gehörte auf die Straße. Kendrick Lamar holt den GNX zurück Genau dort holt ihn die Gegenwart wieder ab. Inzwischen gilt der Wagen als eine feste Größe der amerikanischen Popkultur. Der Rapper Kendrick Lamar ("Not like us") wurde im GNX-Jahr 1987 geboren. Er besitzt ein Exemplar, benannte sein sechstes Studioalbum nach dem Auto und nutzt Nachbauten des Wagens als zentrales Element auf seinen Bühnen. Er stieß VW vom Thron: Der Opel, den ganz Wolfsburg hasste Auch Run the Jewels griffen die düstere Ästhetik des Buick auf. Das Rap-Duo ("Legend has it") erwähnte den Wagen in Texten, machte ihn zum Teil seines visuellen Stils und brachte mit Mattel eine Hot-Wheels-Miniatur des GNX heraus. Denn der Buick GNX war vielmehr Underdog als Vernunftauto, das letzte Aufbäumen einer alten Idee . Ein eckiges Coupé, das sich jeder Logik, jedem Marktgesetz und jeder Hierarchie widersetzte. Und das genau deshalb die Jahrzehnte überdauerte.