Anhaltende Trockenheit hat Auswirkungen auf die Autoindustrie
Die anhaltende Trockenheit hat inzwischen Folgen für die Autoindustrie. Sie bringt nicht nur Fabriken unter Druck, sondern erschwert auch den Transport von Fahrzeugen und Bauteilen. Was Landwirte, Schifffahrt und Energieversorger schon seit Wochen beschäftigt, bekommt nun auch die europäische Autoindustrie zu spüren. Die niedrigen Pegelstände in den Flüssen beeinträchtigen die Stromversorgung wichtiger Produktionsstandorte und bremsen zugleich den Transport über Wasser. Erste Hersteller reagieren bereits mit Produktionsstopps oder Stromsparmaßnahmen. Besonders angespannt ist die Lage in Rumänien . Dort hat der Autobauer Dacia die Produktion in seinen Werken bis zum 19. August eingestellt. Nach Angaben des Magazins "Auto Motor und Sport", das sich unter anderem auf Berichte des "Handelsblatts" beruft, folgt das Unternehmen damit einem Aufruf der Regierung, den Stromverbrauch vorübergehend zu senken. Weil dem Atomkraftwerk Cernavodă aufgrund der niedrigen Pegelstände der Donau Kühlwasser fehlt, musste der Betreiber Nuclearelectrica einen der beiden Reaktoren abschalten. Das Kraftwerk deckt normalerweise rund ein Fünftel des rumänischen Strombedarfs. Der Ausfall verschärft die Energieversorgungslage des Landes erheblich und macht umfangreiche Stromimporte erforderlich. BMW senkt Stromverbrauch in ungarischem Werk Auch im Nachbarland Ungarn macht sich die Trockenheit bemerkbar. Das Atomkraftwerk Paks, das üblicherweise etwa die Hälfte des ungarischen Stroms liefert, arbeitet wegen des niedrigen Donaupegels nur noch mit einem Bruchteil seiner üblichen Leistung. BMW hat darauf nach Angaben der "Welt" reagiert und den Stromverbrauch im neuen Werk in Debrecen seit Ende vergangener Woche um rund 15 Prozent gesenkt. Das Unternehmen nutzt dafür unter anderem Einsparungen bei Beleuchtung, Klimatechnik und Ladeinfrastruktur. Mercedes-Benz meldet aus seinem Werk im ungarischen Kecskemét bislang keine Einschränkungen der Produktion. Der Hersteller erklärte jedoch, die Entwicklung genau zu beobachten und die Stromversorgung des Standorts sicherstellen zu wollen. Einige Hersteller befinden sich derzeit allerdings ohnehin in den Sommer-Werksferien. Ford pausiert seine Produktion in Rumänien noch bis zum 19. August, nach Unternehmensangaben unabhängig von der aktuellen Stromknappheit. Auch Mercedes hat für sein Werk eine mehrwöchige Produktionspause eingeplant. Osteuropa hat in der jüngsten Vergangenheit für die europäische Autoindustrie deutlich an Bedeutung gewonnen. BMW produziert den neuen iX3 im ungarischen Debrecen, Mercedes hat sein Werk in Kecskemét erst vor Kurzem für mehr als eine Milliarde Euro erweitert und baut unter anderem den aktuellen CLA dort. Hinzu kommen große Audi-Standorte sowie zahlreiche Zulieferer, die ihre Produktion in der Region ausgebaut haben. Transporte in Deutschland eingeschränkt Die Dürre wirkt sich jedoch nicht nur auf die Energieversorgung aus. Auch der Transport von Fahrzeugen und Bauteilen gerät zunehmend unter Druck. Darüber berichtet die "Automobilwoche". Wegen der niedrigen Wasserstände auf dem Rhein müssen Binnenschiffe ihre Ladung deutlich reduzieren. An der wichtigen Engstelle bei Kaub sank der Pegel zuletzt auf 25 Zentimeter. Zwar ist die Fahrrinne noch ausreichend tief, die Schiffe können aber vielerorts nur einen Teil ihrer üblichen Fracht aufnehmen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters werden manche Schiffe derzeit nur noch zu rund 20 Prozent beladen. Das macht Transporte teurer und teilweise unwirtschaftlich. Deutschlands größter Fertigfahrzeuglogistiker BLG Logistics erklärte in der "Automobilwoche", man prüfe gemeinsam mit Kunden und Partnern alternative Transportlösungen für Strecken mit zu niedrigen Wasserständen. Ein Ausweichen auf andere Verkehrsträger ist allerdings nur eingeschränkt möglich. Transporte auf der Straße verursachen höhere Kosten und zusätzlichen Verkehr. Die Schiene stößt vielerorts bereits an ihre Kapazitätsgrenzen, zudem erschweren Baustellen und Sanierungsarbeiten kurzfristige Verlagerungen. Für die Automobilbranche bleibt die Binnenschifffahrt deshalb trotz der aktuellen Probleme ein wichtiger Bestandteil der Lieferketten.
