Ausflug ab Hamburg: Kappeln – eine Ostsee-Stadt wie aus dem Bilderbuch
An der Schlei liegt ein Ort, der Touristen und Alltag noch in Einklang bringt. Kappeln besitzt sogar eine Sehenswürdigkeit, die es in ganz Europa nur einmal gibt. Auf den ersten Blick wirkt Kappeln beinahe wie ein maritimes Gemälde: Die kleine Stadt liegt unmittelbar an der Schlei, die niedrigen Häuser und die alten Schiffe sind keine eigens für Urlauber geschaffene Kulisse. Kappeln ist ein gewachsener Hafenort, in dem Fischerei, Schifffahrt und das tägliche Leben sichtbar geblieben sind. Das Zentrum öffnet sich zum Hafen hin. An der Wasserkante liegen Restaurants und Cafés, während im Museumshafen historische Segel- und Arbeitsschiffe festgemacht haben. Von dort starten Ausflugsschiffe zu Fahrten über die Schlei und in Richtung Schleimünde. Nur wenige Straßen weiter beginnt die kleine Innenstadt mit ihren Geschäften und ruhigen Seitenstraßen. Überragt wird sie von der 32 Meter hohen Mühle Amanda, der höchsten Windmühle Schleswig-Holsteins. Einmaliger Fischfang in Europa Die ungewöhnlichste Sehenswürdigkeit Kappelns steht mitten in der Schlei: der historische Heringszaun. Seine Holzpfähle wurden so angeordnet, dass sie Fische früher in eine Reuse leiteten. Er ist der letzte erhaltene Heringszaun seiner Art in Deutschland und Europa. Damit besitzt Kappeln etwas, das es an keinem anderen deutschen Küstenort zu sehen gibt. Zugleich erinnert der Zaun daran, dass der Hafen nicht nur eine schöne Aussicht bietet, sondern über Jahrhunderte die wirtschaftliche Grundlage der Stadt bildete. Röbel statt Ostsee: Nur zwei Stunden Fahrt zum Wasser-Paradies Ausflug ab Hamburg : Zauberhafte Kleinstadt im Norden lockt mit maritimem Charme Mit der Bahn bis zum Strand – die besten Orte für einen Ausflug Der Fischfang gehört in Kappeln nicht nur der Vergangenheit an, hat heute aber eine deutlich geringere wirtschaftliche Bedeutung als früher. Im Fischereihafen hinter dem Nordhafen liegt weiterhin eine kleine Flotte; Haupt- und Nebenerwerbsfischer fahren auf die Ostsee oder befischen die Schlei. Abhängig von Jahreszeit, Beständen und Fangquoten werden vor allem Hering und Plattfische wie Scholle und Butt angelandet, außerdem in kleineren Mengen Aal und Meerforelle. Der Dorsch, früher ein wichtiger Fangfisch, darf wegen der stark geschrumpften Bestände nur noch sehr eingeschränkt gefangen werden. Ein Teil des Fangs wird direkt am Hafen verkauft oder in den örtlichen Räuchereien verarbeitet. Der historische Heringszaun dient dagegen heute vor allem als Wahrzeichen und Erinnerung an die Zeit, in der der Heringsfang das Leben der Stadt bestimmte. Ruhiger Küstenort statt wildem Ostseebad Kappeln eignet sich vor allem für Menschen, die gerne am Wasser unterwegs sind, ohne ihren Urlaub ausschließlich am Strand zu verbringen. Man kann durch den Hafen spazieren, eine Schifffahrt unternehmen oder die Umgebung mit dem Fahrrad erkunden. Die Landschaft an der Schlei wechselt zwischen Wasser, Feldern, kleinen Dörfern und sanften Hügeln. Wer in der Ostsee baden möchte, erreicht den rund zwei Kilometer langen Weidefelder Strand außerhalb des Stadtzentrums. Ein klassisches Seebad ist Kappeln allerdings nicht. Direkt vor der Altstadt gibt es weder einen langen Sandstrand noch eine durchgehende Promenade mit Strandbars und Boutiquen. Auch großes Nachtleben oder ein dichtes Unterhaltungsprogramm sollte man nicht erwarten. Abends wird es häufig ruhig. Anreise nach Kappeln ab Hamburg Von Hamburg aus ist Kappeln mit dem Auto nach etwa 145 Kilometern und – abhängig vom Verkehr – in ungefähr zwei Stunden erreichbar. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert meist länger. Da Kappeln keinen Bahnhof hat, fährt man zunächst mit dem Zug nach Schleswig oder Süderbrarup und steigt dort in einen Bus um. Insgesamt sollte man etwa zweieinhalb bis drei Stunden einplanen und die konkrete Verbindung vor der Abfahrt prüfen. Eine Reise nach Kappeln lohnt sich weniger wegen einer einzelnen großen Attraktion als wegen des Zusammenspiels seiner maritimen Seiten. Am Ende bleibt der Eindruck einer Stadt, die ganz selbstverständlich mit dem Wasser lebt. Gerade das macht Kappeln besonders.
