Mercedes Unimog wird 80: Vom Acker bis zum Feuerwehrauto
Vor 80 Jahren begann die Geschichte des Unimog. Heute räumt er Schnee, bekämpft Waldbrände und fährt dort weiter, wo andere Fahrzeuge aufgeben. Es gibt Autos, die altern zu Oldtimern. Und es gibt Fahrzeuge, die einfach mit dem weitermachen, für das sie gebaut wurden: der Unimog zum Beispiel. Viele Exemplare, die vor Jahrzehnten produziert wurden, stehen nicht im Museum, sondern sind noch immer im Einsatz. Als die ersten Ideen für den Unimog kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, benötigte Deutschland Lebensmittel, Maschinen und Transportmöglichkeiten. Gesucht war ein Fahrzeug, das pflügen, säen und Lasten transportieren konnte, auf der Straße aber schneller war als ein Traktor. Sondermodell zum Jubiläum: Mercedes schuf ein Luxus-Monster Der frühere Daimler-Benz-Ingenieur Albert Friedrich formulierte seine Idee für ein passendes Fahrzeug bereits 1945. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Mitarbeiter Heinrich Rößler entwickelte er ein Fahrzeug, das mit den damaligen Ackerschleppern wenig gemeinsam hatte. 1946 fuhr der erste Prototyp im Umland von Schwäbisch Gmünd. Vier gleich große Räder, 25 PS, Allradantrieb, eine Ladefläche und Anschlüsse für Arbeitsgeräte gehörten von Anfang an dazu, ein Fahrerhaus nicht. Stattdessen gab es ein Verdeck und eine klappbare Scheibe. Die Spurweite war speziell auf den Einsatz abgestimmt: 1,27 Meter – dazwischen passen zwei Kartoffelreihen. Auch der Name war schlicht: Unimog steht für Universal-Motor-Gerät. Von Boehringer zu Daimler-Benz 1949 wurde das erste Serienexemplar ausgeliefert, die lange Vorbestellungsliste zählte 150 Exemplare. Gebaut wurde der Unimog zunächst beim Maschinenbauer Boehringer in Göppingen. Als die Nachfrage stieg und das Unternehmen an seine Grenzen kam, übernahm Daimler-Benz 1950 das Projekt. 1951 zog die Produktion nach Gaggenau, seit 2002 wird der Unimog im Lkw-Werk Wörth gebaut. Mittlerweile ist der Unimog vornehmlich nicht mehr auf Äckern anzutreffen. Heute begegnet man ihm auf Bauhöfen, im Forst, in Weinbergen, bei Feuerwehren oder auf Schienen. Mal schiebt er Schnee, mal mäht er Straßenränder. Er rangiert Güterwagen, zieht Anhänger durch den Wald oder bringt Einsatzkräfte dorthin, wo es keine befestigten Straßen mehr gibt. Statt der ursprünglichen 50 km/h ist er mittlerweile bis zu 89 km/h schnell. Im Laufe der Jahrzehnte entstanden neue Baureihen, die unterschiedliche Bedürfnisse abdecken. Zwei Ausrichtungen für verschiedene Bedürfnisse Heute gibt es den Unimog in zwei Ausrichtungen. Als Geräteträger arbeitet er vor allem für Kommunen, Straßenmeistereien oder in der Landwirtschaft. Die hoch geländegängigen Baureihen sind dagegen für schwieriges Terrain gedacht – etwa bei Feuerwehren, im Katastrophenschutz oder auf Expeditionen. Vier Stufen führen hier ins Fahrerhaus. Portalachsen schaffen große Bodenfreiheit, Differenzialsperren und eine Reifendruckregelanlage helfen auf losem Untergrund. Bis zu 1,20 Meter tiefes Wasser kann der Unimog durchqueren, Steigungen von bis zu 45 Grad bewältigen. Flexibilität hat ihren Preis Die Vielseitigkeit hat jedoch ihren Preis: 20 Jahre alte Modelle mit 400.000 Kilometern auf der Uhr kosten teils immer noch an die 40.000 Euro. Neu sind selbst einfache Varianten nicht unterhalb der 100.000 Euro erhältlich. Bei einem hoch geländegängigen Unimog mit Feuerwehraufbau können sogar 350.000 Euro auf dem Preisschild stehen. Mehr als 375.000 Unimog wurden seit 1949 gebaut. Das Besondere am Unimog: Er steht für ein Stück bundesrepublikanischer Wirtschaftsgeschichte – und ist niemand, der herumsteht. Er ist dazu geschaffen, zu arbeiten.
