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"Bares für "Rares"-Star: "Waldi" wandert aus, wenn die AfD kommt

Walter Lehnertz ist nicht nur für seine Expertise bei "Bares für Rares", sondern auch für seine unverblümte Art bekannt. Die stellt er auch im Interview unter Beweis. Wer mit Walter Lehnertz ins Gespräch kommt, gewinnt schnell den Eindruck: Dieser Mann trägt sein Herz auf der Zunge. Mit breitem Dialekt ledert der gebürtige Pfälzer los: über Kleinkriminelle, Betrugsmaschen und ein Land, das er kaum wiedererkennt. Als "Waldi" ist er seit Anbeginn eine feste Größe in der ZDF-Show "Bares für Rares". Jetzt spricht der 59-jährige Kunst- und Antiquitätenhändler im Interview über die Schattenseiten des Erfolgs und sagt: Wenn die AfD an die Macht kommt, wandert er aus. t-online: Herr Lehnertz, Sie warnen vor Betrügern, die den Namen von "Bares für Rares" nutzen. Was passiert da genau? Walter Lehnertz: Das beschäftigt uns schon seit Jahren. "Bares für Rares" ist sehr erfolgreich, und natürlich versuchen Leute, davon zu profitieren. Es gibt Menschen, die sich als neue Händler der Sendung ausgeben und gezielt Personen kontaktieren, die etwas verkaufen möchten. "Bares für Rares"-Stars in Aufruhr: "Werden rechtliche Schritte einleiten" Wirbel um "Bares für Rares"-Betrug: ZDF liefert neue Details Wie gehen diese Betrüger vor? Da gibt es verschiedene Maschen. Eine funktioniert beispielsweise über Anzeigen, in denen behauptet wird, man kaufe Pelze, Militaria oder Gold. Gerade ältere Menschen werden damit angesprochen. Die Betrüger kommen zu ihnen nach Hause und bieten für alte Pelze vermeintlich hohe Summen. Wenn die Leute dann glauben, dass sie dafür einige Tausend Euro bekommen, werden sie gefragt, ob sie auch Gold besitzen. Und dann? Nehmen wir an, jemand legt Gold im Wert von 3.000 Euro auf den Tisch. Dann sagt der vermeintliche Händler: "Ich gebe dir dafür 800 Euro, weil ich hier auch die Pelze gekauft habe." Die 800 Euro werden bezahlt. Für die Pelze soll angeblich am nächsten Tag ein Kollege kommen und das Geld mitbringen. Um glaubwürdig zu wirken, zeigen sie teilweise sogar ein Auto voller Pelze. Aber der Kollege kommt natürlich nicht mehr. Dann wurde Gold im Wert von 3.000 Euro für 800 Euro mitgenommen. Der Erfolg von "Bares für Rares" schafft also überhaupt erst Vertrauen, das die Betrüger ausnutzen können? Genau das ist das Problem. Es gab auch schon Anzeigen mit "Bares für Rares", darunter stand dann: "Kaufe Gold, Teppiche, Pelze" und eine Telefonnummer. Die Leute glauben dadurch, dass jemand von uns zu ihnen kommt. Aber niemand von "Bares für Rares" macht solche Hausbesuche. Sie haben gerade erneut einen solchen Fall veröffentlicht. Warum? Weil mich wieder eine Kundin darauf aufmerksam gemacht hat. Da konnte ich leider den Mund nicht halten. Deshalb habe ich den Aufruf gestartet: Die Leute sollen solche Warnungen teilen und auch Verwandte und Bekannte warnen. Es soll niemand glauben, dass diese Menschen in unserem Namen unterwegs sind. Ist Ihnen bekannt, wie viel Geld mit solchen Betrugsmaschen verdient wird? Konkrete Zahlen kann ich nicht nennen. Aber wenn beispielsweise etwas 5.000 Euro wert ist und dafür nur 800 oder 1.000 Euro bezahlt werden, kann man sich vorstellen, was dabei zusammenkommt. Ich kenne diese Maschen. Ich hatte auch schon Leute hier, die mir erzählt haben, dass jemand bei ihnen war und behauptet hat, von "Bares für Rares" zu kommen. Sind solche Betrugsfälle für Sie eine Schattenseite des enormen Erfolgs der Sendung? Natürlich gibt es Schattenseiten. Was meinen Sie, was ich für E-Mails bekomme? Ich bekomme Anrufe und Nachrichten, in denen ich wüst beschimpft werde. Sie werden persönlich bedroht? Ich hatte wegen einer Drohung schon die Polizei eingeschaltet. Das gehört leider dazu. Ich verstehe diese Unzufriedenheit nicht. Wenn du mich nicht leiden kannst, dann sagst du mir das vielleicht einmal oder schreibst mir. Dann hast du deinen Unmut kundgetan. Aber manche schreiben über Jahre hinweg oder schicken jede Woche irgendwelche E-Mails. Was überrascht Sie daran besonders? Ich tue doch keinem etwas. Ich kaufe Kunst und Antiquitäten. Trotzdem gibt es diese Reaktionen. Das hat auch mit Neid und mit einer allgemeinen Unzufriedenheit zu tun. Ihre Bekanntheit scheint Ihren Alltag also verändert zu haben … Natürlich. Durch die Bekanntheit passieren Dinge, über die man sich vorher keine Gedanken gemacht hat. Es gibt nicht nur Beschimpfungen oder Drohungen, sondern auch ganz andere Geschichten. Zum Beispiel? Es gab schon Meldungen, dass ich gestorben sei. Da wurden Geschichten erfunden, meine Kinder seien weggefahren und ich hätte tot auf der Couch gelegen. Solche Sachen werden verbreitet. Damit hat sich auch schon die Polizei beschäftigt. Das ist schon bescheuert. Künstliche Intelligenz macht solche Falschmeldungen inzwischen noch einfacher. Ja, das ist beunruhigend. Solche erfundenen Geschichten können sich sehr schnell verbreiten. Eines Tages rief mich meine Schwester an, aus Sorge, ich könne im Sterben liegen oder längst tot sein. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was das mit Angehörigen macht, die ein schwaches Herz haben. Das ist doch lebensgefährlich! Sie werden im kommenden Jahr 60. Denken Sie angesichts solcher Begleiterscheinungen manchmal darüber nach, kürzerzutreten? Ich lasse mich regelmäßig untersuchen und achte auf meine Gesundheit. Aber einfach aufhören? Nein. Dafür arbeite ich zu gerne. Und wenn Ihnen der ganze Ärger irgendwann doch zu viel wird: Könnten Sie sich vorstellen, Deutschland zu verlassen? Ja. Das könnte ich. Was müsste dafür passieren? Wenn die Parteien, die wir jetzt haben, es politisch nicht einigermaßen schaffen, die Kiste hier wieder in den Kurs zu bekommen, und dann so jemand mit ideologischer Schlagseite an die Macht kommt, dann bin ich weg. Sie meinen die AfD? Ja. Sie würden Deutschland verlassen, wenn die AfD Regierungsverantwortung übernimmt? Ja. Dann bin ich weg. Was wäre Ihr Ziel? Eine Finca auf Mallorca könnte ich mir gut vorstellen. Hauptsache weg. Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem eine Partei an der Spitze steht, die unsere demokratische Grundordnung mit Füßen tritt. 2027 endet die zweite Amtszeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier . Häufig wird darüber diskutiert, ob dieses Amt auch einmal eine Persönlichkeit außerhalb der klassischen Politik übernehmen könnte. Wer würde Ihnen gefallen? Das Amt sollte jemand übernehmen, der politisch möglichst unbefangen ist. Damit diese ganze Rangelei aufhört. Das fände ich wichtig. Wer wäre das aus dem Showgeschäft? Horst Lichter . Horst Lichter als Bundespräsident? Ja. Der würde sofort meine Stimme bekommen. Warum? Weil ein Bundespräsident meiner Meinung nach möglichst unabhängig von dieser ganzen Berliner Politik sein sollte. Dann könnte er frei agieren. Außerdem kann Horst klar denken, ist nicht auf den Mund gefallen, hat einen gut justierten Moralkompass und vor allem ein Gefühl für die Menschen im Land. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Lehnertz.