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Wegbereiter eines Mega-Booms: Dieser VW war seiner Zeit voraus

Ein kompakter Viertürer aus dem Jahr 1990 gilt als erstes deutsches SUV – und damit als Vorläufer moderner Kassenschlager. Doch der Markt war damals noch nicht bereit. Das Auto floppte. Heute ist es ein begehrtes Sammlerstück. Die Mercedes M-Klasse von 1997 gilt vielen als erstes deutsches SUV. Doch streng genommen kam Stuttgart damit mehrere Jahre zu spät. Bereits 1990 rollte in Wolfsburg ein Auto vom Band, das die Käufer damals kaum verstanden – und dessen Nachfahren heute von Sammlern gesucht werden: der VW Golf II Country. Ein Rezept, das heute Milliarden einbringt Fachjournalisten belächelten den Wagen damals. Ihm fehle die wuchtige, eigenständige Karosserie, hieß es. Er sei lediglich ein hochgebockter Kompaktwagen. Doch gerade dieses Argument zeigt, dass Volkswagen ein Prinzip vorwegnahm, das später den Markt prägen sollte. Denn das machen heutige Erfolgsmodelle wie der Skoda Karoq oder der Ford Puma: Sie nutzen die technische Basis normaler Kompakt- oder Kleinwagen, bieten etwas mehr Bodenfreiheit, eine höhere Sitzposition und verkaufen einen Hauch von Abenteuer. VW hatte nicht den falschen Gedanken. VW war nur zu früh dran. Oldtimer-Experte erklärt: Warum kaum jemand die ersten SUVs haben will Echter Schlamm statt falscher Schein Viele moderne SUVs besitzen nur Frontantrieb. Die Entwickler von Volkswagen setzten dagegen 1990 auf echte Offroad-Technik: Der Country nutzte den Allradantrieb des Golf Syncro. Für die Fertigung organisierte VW eine aufwendige Logistik. Normale Golf-Karosserien aus Niedersachsen wurden zu den Allrad-Spezialisten von Steyr-Daimler-Puch nach Österreich gebracht. Dort setzten Mechaniker die Karosserie auf einen massiven Rohrrahmen. Das Ergebnis: 18 Zentimeter Bodenfreiheit, Rammbügel, Unterfahrschutz und ein offen montiertes Reserverad an der Heckklappe. Der Country bot damit vieles von dem, was Autokäufer heute an SUVs schätzen: bessere Übersicht, bequemeres Einsteigen und das Gefühl, für fast jeden Untergrund gerüstet zu sein. BMW streicht Klassiker: Aus für Kultmodell nach 24 Jahren Das Auto passte in keine Schublade Trotzdem scheiterte das Auto. Statt der geplanten 15.000 Exemplare verkaufte VW bis 1991 lediglich 7.735 Stück. Den Kunden fehlte damals offenbar die Fantasie für diese Mischung aus Kompaktwagen und Geländeoptik. In Deutschland kaufte man entweder praktische Limousinen und Kombis oder robuste, kompromisslose Geländewagen wie die Mercedes G-Klasse. Ein Lifestyle-Modell zwischen diesen Welten passte noch nicht ins Schema. Der kommerzielle Misserfolg entwertet die Idee also nicht. Der Golf Country war seiner Zeit voraus – und genau deshalb ein Meilenstein.