Marder loswerden: Dieses effektive Mittel ist in Deutschland verboten
Marderarten wie Steinmarder richten massive Schäden an Autos und in Häusern an. Tricks wie Hundehaare helfen selten. Doch ein natürliches Mittel vertreibt die Schädlinge effektiv. Zerfetzte Dachbodendämmungen bei Häusern oder durchgebissene Kühlwasserschläuche und Zündkabel im Auto: Hat sich ein Marder am Haus oder Auto zu schaffen gemacht, ist die Reparatur der Schäden teuer und nervenaufreibend. Auto- und Hausbesitzer versuchen daher vieles, um das Nagetier abzuwehren. Nicht immer erfolgreich. Es gibt jedoch ein Mittel, das unliebsame Wildtiere auf natürliche Weise vergrämen soll. Auch in Deutschland wurde es kurzzeitig verkauft. Inzwischen ist es jedoch verboten. Warum, und worum handelt es sich? Konkret geht es um Löwenkot. Der Geruch der Ausscheidung soll einem Marder signalisieren, dass ein gefährliches Raubtier in der Nähe ist. Er hält sich daher von dem Revier des Fressfeindes fern. Löwenkot verscheucht Wildtiere Dass Löwenexkremente tatsächlich bestimmte Wildtiere verscheuchen können, haben Wissenschaftler der Universitäten Ulm , Jena , Florida und von der UC Santa Barbara herausgefunden. Denn er enthält unter anderem die chemischen Stoffe Phenol und Indol. Diese haben sogar auf solche Beutetiere eine abschreckende Wirkung, die in freier Wildbahn nie auf einen Löwen treffen würden. Genau diese abschreckende Wirkung machen sich seit Längerem einige Länder zunutze. In Japan geben Mitarbeiter der West Japan Railway Company mit Wasser verdünnten Löwenkot auf die Bahnschienen, um Rotwild am Überqueren der Schienen zu hindern. In südostasiatischen Ländern soll Löwenkot Elefanten daran hindern, die Felder der Kleinfarmer zu zerstören. Den Kot einer Hauskatze um das Auto oder das Haus zu legen, hat jedoch nicht dieselbe abschreckende Wirkung. Selbst Gepardenkot funktioniert laut den Forschenden um Erstautorin Kim Valenta nicht so gut wie Löwenkot. Warum der Einsatz von Löwenkot verboten ist Tatsächlich war die Wirkung von Löwenkot auch in Deutschland bekannt. So verkaufte der Lacey Fund, ein gemeinnütziger deutscher Verein zur Verbesserung des Tierwohls für Tiere in menschlicher Obhut, das Exkrement sowohl im In- als auch im Ausland. Besonders in den USA war dieses natürliche Hausmittel sehr beliebt, erklärte die Sprecherin auf Nachfrage von t-online. Inzwischen wurde der Versand jedoch eingestellt. "Ob wir den Versand zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufnehmen werden, können wir derzeit noch nicht abschließend sagen. Eine Wiederaufnahme in der Zukunft ist jedoch grundsätzlich denkbar." Und auch der Zirkus Krone vertrieb 2020 einige Zeit lang Löwenkot im Glas als effektives Mittel gegen Marder. Nach kurzer Zeit wurde der Verkauf jedoch auch hier eingestellt. Denn der Einsatz von Löwenkot zur Marderabwehr ist in Deutschland nicht gestattet. Dafür gibt es mehrere Gründe. Marderarten wie Stein- und Baummarder unterliegen in Deutschland dem Jagdrecht. Das bedeutet, dass es Laien verboten ist, die Tiere zu fangen, ihnen Leid zuzufügen oder sie zu töten. Denn für das Fangen und Jagen gelten gesetzliche Vorgaben. Der Einsatz von Gift ist ebenfalls verboten. Harmlose Mittel – Geräusche, Licht, Geruch – sind nur gestattet, solange das Tierwohl nicht gefährdet ist. Und genau hier zeigt sich das Problem mit dem Löwenkot. Wildtiere – nicht nur Marder – fühlen sich durch den Geruch von Löwenkot permanent bedroht. Und das kann zu chronischem Stress führen, was wiederum gegen das Tierwohl verstößt. Ein weiterer Grund, weshalb das Mittel hierzulande verboten ist: Löwenkot ist ein organisches, tierisches Produkt. Das heißt, dass beim Umgang, der Abgabe und der Verwendung davon strenge veterinär- und artenschutzrechtliche Vorschriften eingehalten werden müssen. So können die Ausscheidungen Krankheitserreger oder Parasiten enthalten, die auf Menschen, Haustiere oder andere Tiere übertragbar sind. EU-Recht blockiert Zulassung Zwar versuchen Wissenschaftler, den Löwenkot synthetisch herzustellen, um ihn flächendeckend in bestimmten Ländern einsetzen zu können, ohne dass davon Risiken ausgehen. Doch selbst dann würde das Produkt in Deutschland nicht zugelassen werden (können). Denn für dieses ist eine entsprechende Zulassung nach dem Biozid- und Chemikalienrecht der EU nötig. In Deutschland kommt bei Mitteln gegen Wirbeltiere die Biozidrechts-Durchführungsverordnung (ChemBiozidDV) hinzu. Dieser zufolge (§ 14 ChemBiozidDV) muss das Umweltbundesamt "Anträge auf Zulassung für Biozid-Produkte der Produktarten […] 20 (Produkte gegen sonstige Wirbeltiere) […] aus Gründen des Tierschutzes grundsätzlich" ablehnen. Um Marder abzuwehren und das Auto vor Schäden zu schützen, bleiben also lediglich Ultraschallgeräte, Hunde- und Katzenhaare sowie Essig oder Pfeffer. Diese Maßnahmen verstoßen nicht gegen das Tierwohl. Übrigens, auch Fuchsurin beziehungsweise Fuchsbrun soll Marder vergrämen. Das Mittel wird in der Jagd als Lockstoff eingesetzt. Und hier ist der Haken an dem Mittel. Denn in bestimmten Mengen wirkt es auf Marder anziehend. Damit es sie abschreckt, muss also die Dosis stimmen, sonst bewirkt man das Gegenteil.
