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Kia K4 Sportswagon im Test: Der Kombi ist noch lange nicht tot

Flach, lang und ziemlich praktisch: Der Kia K4 Sportswagon beweist, warum es nicht immer SUV sein muss. Im Alltag macht der Kombi vieles richtig – eine Eigenart kann allerdings stören. Kombis haben es nicht leicht. Wo früher Golf Variant, Astra Caravan und Co. das Straßenbild prägten, stehen heute an jeder Ecke ein SUV oder Crossover. Höher sitzen, leichter einsteigen, mehr Bodenfreiheit – das kommt offenbar an. Kia hält trotzdem am klassischen Kombi fest. Der K4 hat den Ceed abgelöst, nun bekommt er mit dem Sportswagon eine Kombiversion zur Seite gestellt. 4,70 Meter lang, 1,85 Meter breit und nur 1,44 Meter hoch ist der K4 Sportswagon. Das Ergebnis ist ein sehr lang gestrecktes, flaches Auto. Immerhin ist der Kia rund sieben Zentimeter länger als ein VW Golf Variant. Gleichzeitig wirkt er deutlich weniger wuchtig als ein SUV. Ein Kombi, der auffällt Beim Design geht Kia einen eigenen Weg. Die sogenannte Star-Map-Lichtsignatur an der Front stellt die Verbindung zu den neueren Modellen – auch den elektrischen – der Marke her. Am Heck zieht sich das Leuchtenband weit über die Karosserie und läuft an den Seiten vertikal aus. Dadurch wirkt der K4 noch breiter. Insgesamt steht dem Sportswagon dieses Heck nach unserem Geschmack sogar besser als dem kürzeren K4 Hatchback. Ungewöhnlich für einen Kombi sind die hinteren Türgriffe. Sie sind in die C-Säulen integriert und auf den ersten Blick kaum zu sehen. Hat man sie einmal gefunden, ist die Bedienung kein Problem. An etwas anderes muss man sich nach Jahren des SUV-Booms ebenfalls wieder gewöhnen: Anders als beim SUV steigt man in den K4 tatsächlich hinunter. Das ist für Fahrer und Passagiere mit eingeschränkter Beweglichkeit weniger bequem, vor allem beim Aussteigen. Das Cockpit wirkt typisch Kia: klar strukturiert, modern, aber nicht um jeden Preis auf Touchbedienung getrimmt. Zwei 12,3-Zoll-Bildschirme für Instrumente und Infotainment dominieren das Armaturenbrett. Dazwischen sitzt ein kleiner 5,3-Zoll-Touchscreen für die Klimatisierung. Die Instrumente lassen sich unterschiedlich darstellen: Wer klassische Rundinstrumente mag, kann sie sich auf den Bildschirm holen. Viele Knöpfe – zum Glück Vor allem aber gibt es noch echte Schalter und Tasten. Fensterheber, Spiegel, Scheibenwischer und viele andere Funktionen lassen sich dort bedienen, wo man sie erwartet. Das klingt banal, ist in Zeiten immer umfangreicherer Touchscreen-Menüs aber längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Ganz perfekt ist die Lösung trotzdem nicht. Der kleine Bildschirm für die Klimatisierung liegt aus Fahrersicht teilweise hinter dem Lenkrad. Das kennt man ähnlich von anderen Kia-Modellen – besser wird es dadurch nicht. Doch glücklicherweise gibt es für Temperatur und Lüftung auch Bedienwippen. Bei den Materialien bewegt sich der K4 auf Klassenniveau. Einige Flächen sind weich unterschäumt, insgesamt wirkt hier nichts billig. Besonders hochwertig ist das Ambiente allerdings auch nicht. Eine grau glänzende Zierleiste unterhalb der Lüftungsdüsen soll offenbar Metall suggerieren. Bei ungünstigem Sonnenstand reflektierte sie im Test störend. Auch manche Verkleidungen an den Türen erwiesen sich als recht anfällig für Fettflecken. Beim Platz spielt die Länge ihre Stärke aus Die Sitze unseres GT-Line-Testwagens waren mit Ledernachbildung bezogen. Der Fahrersitz lässt sich mit dem optionalen Sitz-Paket elektrisch einstellen, der Beifahrer muss selbst Hand anlegen. In der Kompaktklasse ist das völlig in Ordnung. Wichtiger ist ohnehin, wie man sitzt. Und da gibt es wenig zu meckern. Vorn lässt sich eine gute Sitzposition finden, der Einstellbereich ist großzügig. Auch hinter einem größeren Fahrer bleibt im Fond ordentlich Platz. Entscheidend bei einem Kombi ist natürlich auch der Kofferraum. Und der fällt groß aus: Beim gefahrenen 1,6-Liter-Benziner passen bei aufgestellter Rückbank 604 Liter hinein. Werden die Lehnen umgelegt, sind es bis zu 1.439 Liter. Zum Vergleich: Der aktuelle Golf Variant bietet 611 beziehungsweise maximal 1.642 Liter. Bei voller Bestuhlung liegen beide also fast gleichauf, bei umgelegten Rücksitzen hat der VW deutlich mehr Reserven. Dafür hat sich Kia einige praktische Details einfallen lassen. Im Testwagen gab es zahlreiche Verzurrmöglichkeiten und mehrere Fächer unter dem Ladeboden. Kleinkram muss damit nicht lose durch den großen Kofferraum fliegen. 180 PS – und dann diese Gedenksekunde Unser Testwagen war die stärkste derzeit angebotene Variante: Der 1,6-Liter-Turbobenziner leistet 180 PS, treibt die Vorderräder an und ist immer mit einem Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe kombiniert. Daneben gibt es den 1,6-Liter-Benziner mit 150 PS sowie einen 115 PS starken Einliter-Dreizylinder mit Handschaltung oder als 48-Volt-Mildhybrid mit Doppelkupplungsgetriebe. Ein Vollhybrid ist angekündigt. Auf der Autobahn ist diese Motorisierung wirklich Sahne. Die 180 PS reichen völlig aus, auch bei höherem Tempo bleiben Reserven. Der Motor ist gut gedämmt, Windgeräusche halten sich ebenfalls angenehm zurück. Das Fahrwerk ist komfortbetont, ohne weich zu sein. Dazu kommt eine ausreichend direkte Lenkung. Unterm Strich passt das ziemlich gut zu einem Auto, mit dem man im Alltag ebenso unterwegs sein möchte wie auf langen Strecken. Nur muss man erst einmal losfahren. Denn gerade bei niedrigen Geschwindigkeiten wirkt das Doppelkupplungsgetriebe erstaunlich unentschlossen. Gas geben, kurz warten – und dann setzt sich der Kia in Bewegung. Fast fühlt sich das zeitweise wie eine klassische Wandlerautomatik an, obwohl technisch ein Doppelkupplungsgetriebe arbeitet. Besonders beim Rangieren und Anfahren fällt diese Gedenksekunde auf, und bei Tiefgaragenrampen wirkt der K4 beinahe nervös. Dasselbe kann auch auf der Landstraße passieren, wenn das Getriebe vor dem Überholvorgang erst einmal die Gänge sortieren muss. Das ist allerdings kein Urteil über sämtliche K4-Varianten. Wir beschreiben hier die Abstimmung des gefahrenen 180-PS-Benziners mit dem Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Andere Motor-Getriebe-Kombinationen können sich anders verhalten – und auch Fahrer können die Reaktionszeit unterschiedlich wahrnehmen. Auf der Autobahn bleibt der Verbrauch fair Beim Verbrauch gab es dagegen keine unangenehme Überraschung. Kia gibt für den 180-PS-Benziner 7,1 Liter auf 100 Kilometer an. Nach unserer Fahrt standen 7,6 Liter im Bordcomputer. Dabei waren wir viel auf der Autobahn unterwegs. Das ist okay. Auch bei den Assistenzsystemen hinterlässt der K4 einen guten Eindruck. Davon gibt es reichlich – und auch reichlich Warntöne. Selbst ein erkanntes neues Tempolimit kann mit einem Pieps quittiert werden. Zum Glück lässt sich vieles konfigurieren und leise stellen. Besonders praktisch: Der Tempowarner kann mit einem langen Druck auf die Lautstärkewalze am Lenkrad stummgeschaltet werden. Überzeugt haben dagegen Spurführung und Autobahnassistent. Der Kia hält zuverlässig die Spur, hängt sich an den vorausfahrenden Verkehr, berücksichtigt Tempolimits aus dem Navi, ohne sich dabei ständig in den Vordergrund zu drängen. Welche Ausstattung braucht man? Vier Ausstattungslinien stehen zur Wahl: Core, Vision, Spirit und GT-Line. Schon Core bringt unter anderem Navigation, LED-Scheinwerfer, Rückfahrkamera, Parksensoren vorn und hinten sowie einen adaptiven Tempomaten mit. Ab Vision kommen unter anderem das große digitale Instrumentendisplay, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Sitz- und Lenkradheizung sowie weitere Assistenztechnik hinzu. Spirit bringt beispielsweise 17-Zoll-Räder, einen elektrisch einstellbaren Fahrersitz und eine elektrische Heckklappe. Die GT-Line setzt unter anderem mit eigenen Designelementen, Sportlenkrad und digitaler Schlüsselfunktion auf dem Smartphone noch etwas drauf. Unser getestete GT-Line hatte zusätzlich das DriveWise-Park-Paket für 890 Euro. Es umfasst unter anderem Rundumsichtkamera, zusätzliche seitliche Parksensoren und einen Totwinkelassistenten, der das Kamerabild im Instrumentendisplay anzeigen kann. Gerade bei einem fast 4,70 Meter langen Auto sind solche Helfer nicht verkehrt. Ebenfalls an Bord waren das Sitz-Paket für 1.190 Euro und das Sound-Paket für 690 Euro. Auf Ersteres könnten wir verzichten. Das Harman/Kardon-Soundsystem dagegen hat uns sehr gut gefallen. Knapp 43.500 Euro für den Testwagen Los geht die Preisliste des K4 Sportswagon bei 29.890 Euro. Dafür gibt es den 115-PS-Benziner mit Handschaltung in der Ausstattung Core. Der von uns gefahrene 180-PS-Benziner ist als Spirit ab 38.490 Euro erhältlich, als GT-Line werden mindestens 39.890 Euro fällig. Mit DriveWise-Park-, Sitz- und Sound-Paket sowie der Lackierung in Stahlgrau Metallic kostet unser Testwagen 43.450 Euro. Zum Vergleich: Ein VW Golf Variant R-Line mit 204 PS und Sieben-Gang-DSG kostet 45.630 Euro. Ein Schnäppchen ist der Kia damit nicht, preislich muss er sich vor der etablierten Konkurrenz aber auch nicht verstecken. Fazit Der Kia K4 Sportswagon ist ein angenehm unkompliziertes Alltagsauto – und nebenbei ein ziemlich gutes Argument dafür, warum es nicht immer ein SUV sein muss. Er bietet viel Platz, einen großen Kofferraum und fährt sich gerade auf längeren Strecken angenehm. Die Bedienung funktioniert weitgehend ohne Rätselraten, die Assistenzsysteme helfen tatsächlich und der 180-PS-Benziner hat genügend Reserven. Perfekt ist er nicht. Bei einigen Materialien wäre noch Luft nach oben, das Klimadisplay sitzt ungünstig und vor allem aber dürfte Kia die Abstimmung des Doppelkupplungsgetriebes beim Anfahren gern noch einmal anfassen. Denn sobald die Gedenksekunde vorbei ist, zeigt der K4 Sportswagon, was er eigentlich sein möchte: ein ziemlich guter Alltagskumpel.