Strand wie eine Wüste: Nordsee-Insel bietet Hamburgern enorme Kulisse
Bis zu vier Kilometer breit ist der Strand der dänischen Insel Rømø. Das Auto darf mit – auch auf den Strand. Die Insel bietet mitunter eine unwirkliche Kulisse. Kurz hinter der deutsch-dänischen Grenze beginnt eine Inselreise, für die weder Fähre noch Flugzeug nötig sind. Von Hamburg führt die Strecke in rund drei Stunden über die A7, durch Südjütland und schließlich über einen etwa neun Kilometer langen Damm nach Rømø. Schon dort öffnet sich zu beiden Seiten das Wattenmeer. Am Ende des Damms wartet eine Insel, deren stärkstes Wahrzeichen kein Leuchtturm und keine hübsche Hafenfront ist, sondern eine fast unwirkliche Fläche aus Sand. Strand mit Superlativ Der Sønderstrand im Süden Rømøs erreicht nach Angaben des dänischen Nationalparks Wattenmeer eine Breite von bis zu vier Kilometern und gilt damit als breitester Strand Nordeuropas. Selbst an gut besuchten Sommertagen verliert sich die Besucher in der Weite. Der Horizont scheint weiter entfernt als anderswo, Menschen schrumpfen zu Punkten, Drachen hängen wie bunte Markierungen im Himmel. Noch ungewöhnlicher ist, dass Besucher diese Landschaft mit dem Auto befahren dürfen. Sowohl am Sønderstrand als auch am bekannteren Lakolk Strand führen Auffahrten direkt auf den festen Sand. Kühlbox, Windschutz und Strandspielzeug müssen nicht über Dünen geschleppt werden. Das Auto parkt wenige Schritte vom Meer entfernt – solange der Untergrund trägt und die Flut weit genug entfernt bleibt. Wo Autos fahren und Strandsegler über den Sand rasen Für den ersten Besuch eignet sich der Lakolk Strand im Westen der Insel. Der Sand ist über weite Strecken so fest, dass dort nicht nur Autos, sondern auch Fahrräder fahren können. In der Nähe der Auffahrt befinden sich Toiletten, Geschäfte und gastronomische Angebote. Zum Baden muss man mitunter erstaunlich weit laufen: Wind und Wasser lagern an Rømøs Westseite ständig neuen Sand ab, der Strand wächst weiter in Richtung Nordsee. Ruhiger wirkt der südliche Teil des Sønderstrands. Dort sind eigene Flächen für Strandsegler, Blokarts und Kitebuggys ausgewiesen. Mit kleinen, vom Wind angetriebenen Fahrzeugen schießen Fahrer über den ebenen Untergrund. Anfänger können Kurse buchen. Bei kräftigem Westwind wird aus dem Strand eine Naturarena, für die keine Tribünen nötig sind. Drachenfest auf der Insel Besonders eindrucksvoll zeigt sich das vom 4. bis 6. September 2026. Dann richtet der Dansk Drage Klub zum 37. Mal sein Drachenfestival am Lakolk Strand aus. Neben großen Figuren- und Lenkdrachen gehört ein Nachtflug mit beleuchteten Drachen zum Programm. Der Strand liefert dafür die passende Dimension: Wo andernorts nach wenigen Metern die nächste Häuserzeile beginnt, bleibt über Rømø genügend Himmel für riesige Konstruktionen. Das Auto ist am Strand erlaubt, sollte aber nicht zum Leichtsinn verführen. Weiche Flächen, Priele und die auflaufende Flut können Fahrzeuge einschließen oder festsetzen. Sinnvoll ist es, auf den vorhandenen Spuren zu bleiben, Abstand zum Wasser zu halten und vorher Wind sowie Gezeiten zu prüfen. Dünen, abgesperrte Brutflächen und neu entstehende Strandwälle sind tabu. Rømøs Strände gehören zu den wichtigsten dänischen Brutgebieten unter anderem für Zwergseeschwalben und Seeregenpfeifer. Hinter den Dünen beginnt eine andere Insel Rømø auf seinen Autostrand zu reduzieren, würde der Insel allerdings nicht gerecht. Hinter der offenen Westküste wechseln sich Dünenheide, Kiefernwälder, Feuchtgebiete und Salzwiesen ab. Einen guten Überblick bietet der Spidsbjerg, mit knapp 19 Metern die höchste Erhebung der Insel. Der Aufstieg ist kurz, führt aber durch sandiges Gelände. Oben reicht der Blick über Heide und Wald bis zur Nordsee. An der Ostseite liegt Rømøs stille Hälfte. Hier bestimmen das Wattenmeer, Salzwiesen und Vogelzüge das Bild. Das Naturzentrum Tønnisgård organisiert geführte Watt-, Vogel- und Austernwanderungen. Besonders die Austernsafaris passen zur Insel: Mit Gummistiefeln geht es hinaus zu den Bänken der Pazifischen Auster, die sich im Wattenmeer stark ausgebreitet hat. Die Touren finden vor allem in der kühleren Jahreshälfte statt und sollten wegen der Gezeiten nur geführt unternommen werden. Insel-Ort mit Restaurants Probieren sollte man die Austern möglichst direkt nach einer solchen Tour. Wer mit rohen Muscheln wenig anfangen kann, findet rund um den Hafen von Havneby Fischgerichte und dänische Klassiker. Havneby ist zugleich der lebhafteste Ort der Insel. Von dort legt die Autofähre nach List auf Sylt ab; die Überfahrt dauert etwa 40 Minuten und lässt sich bei einem längeren Aufenthalt als zusätzlicher Ausflug einbauen. Rømøs Vergangenheit erzählt die Kommandørgård im Norden. Der erhaltene Hof gehörte einer wohlhabenden Seefahrerfamilie und erinnert an jene Zeit, in der Männer von der Insel als Kapitäne und Steuerleute auf Walfangschiffen anheuerten. Vor dem Hof steht ein Zaun aus Walknochen – ein ebenso eigenwilliges wie anschauliches Zeugnis dieser Geschichte. Was Urlauber auf Rømø nicht finden Rømø ist keine Insel für eine elegante Promenade, lange Einkaufsbummel oder ein geschlossenes Bilderbuchstädtchen. Die Siedlungen liegen verstreut, viele Gäste wohnen in Ferienhäusern zwischen Heide und Kiefern. Havneby besitzt einen Hafen, Lakolk ein Einkaufszentrum, doch ein historisches Zentrum zum stundenlangen Flanieren fehlt. Auch die Vorstellung von einer autofreien Nordseeinsel passt nicht. Am Lakolk Strand können Motorengeräusche, Wohnmobile und lange Fahrzeugreihen die Aussicht prägen. Ruhe findet sich eher an den Rändern des Strandes, auf den Wegen durch die Inselmitte oder am Wattenmeer im Osten. Gerade dieser Gegensatz macht Rømø interessant: Auf derselben Insel liegen Autostrand und geschützte Vogelwelt, Geschwindigkeit und Stille nur wenige Kilometer auseinander. Für Hamburger ist die Anreise mit dem Auto praktisch. Die Strecke führt über die A7 Richtung Flensburg, anschließend über Tønder und Skærbæk zum kostenlosen Rømø-Damm. Eine Fährbuchung ist nicht erforderlich. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert die Reise deutlich länger und verlangt mehrere Umstiege; vom Bahnhof Skærbæk fährt die Buslinie 285 über den Damm unter anderem nach Lakolk und Havneby.
