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Dynamischer Stromtarif: Mehrheit scheut Technik, Kosten und Aufwand

Stündlich wechselnde Preise sollen Haushalten helfen, ihre Stromkosten zu senken. Eine neue Umfrage zeigt jedoch, warum die Mehrheit lieber beim festen Tarif bleibt. Dynamische Stromtarife sollen die eigenen Stromkosten verringern. So lautet das Versprechen vieler Anbieter. Auch in Studien zeigt sich dieser Tarif bisweilen als günstigere Option. Doch es gibt auch Nachteile, die Verbrauchern durchaus bekannt sind. Das zumindest zeigt eine aktuelle Umfrage . Das Meinungsforschungsinstitut YouGov hat 2.074 Personen im Auftrag des Energieunternehmens 1Komma5° gefragt, aus welchen Gründen sie derzeit noch keinen dynamischen Stromtarif nutzen. Die Ergebnisse sind liegen t-online exklusiv vorab vor. Mehrheit scheut dynamische Tarife Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Befragten sind mit ihrem aktuellen Stromtarif zufrieden. Knapp jeder Fünfte (22 Prozent) gibt an, dass die technische Ausstattung ( Smart Meter ) fehlt. Fast ebenso viele (20 Prozent) befürchten höhere Kosten. Eine weitere Sorge ist, dass Verbraucher den schwankenden Strompreis ständig im Blick behalten und ihren Stromverbrauch entsprechend anpassen müssen. Auch wird das Prinzip, das hinter einem dynamischen Strompreis steckt, nicht immer verstanden (14 Prozent). Datenschutzrechtliche Bedenken sind hingegen seltener (6 Prozent). Lediglich 6 Prozent gaben an, bereits einen dynamischen Stromtarif zu nutzen. Dynamische Tarife unter der Lupe Die Argumente der Befragten sind nicht unbegründet. Darauf weisen zum einen Verbraucherschützer hin, zum anderen zeigt dies eine Untersuchung des Vergleichsportals Verivox . Grund dafür ist die Gestaltung des dynamischen Stromtarifs: Bei einem normalen Stromtarif gibt es einen festen Grundpreis und einen festen Arbeitspreis. Bei einem dynamischen Stromtarif gibt es einen festen Grundpreis. Der Arbeitspreis richtet sich hingegen nach dem Strompreis an der Börse . Das heißt, er ändert sich meist viertelstündlich – einige Tarife rechnen allerdings auch stündlich ab. Dementsprechend oft ändern sich bei einem dynamischen Stromtarif auch die Strompreise. Es gibt verschiedene Faktoren, die den Strompreis beeinflussen. Dazu zählen etwa das Angebot und die Nachfrage. Morgens und abends ist die Nachfrage in der Regel etwas höher. In dieser Zeit erzeugen Solaranlagen, Wind- oder Wasserkraftanlagen – auch Erneuerbare-Energie-Anlagen (EEG-Anlagen) genannt – jedoch noch nicht ausreichend Energie. Deshalb müssen unter anderem Gas- und Kohlekraftwerke einspringen, die Strom zu höheren Kosten produzieren . Dementsprechend sind die Preise je Kilowattstundenpreise an der Strombörse auch höher. Erzeugen EEG-Anlagen hingegen viel Energie, sinkt der Strompreis an der Börse und daher auch der Kilowattstundenpreis eines dynamischen Stromtarifs. Wer mit einem dynamischen Stromtarif also sparen möchte, muss überprüfen, wie hoch der aktuelle Strompreis an der Börse gerade ist. Ist es nicht möglich, den Stromverbrauch zeitlich anzupassen, kann das Einschalten des Wäschetrockners oder das Aufladen des E-Autos über den Haushaltsstrom teuer werden. Zumindest, wenn dies dann erfolgt, wenn der Strompreis an der Börse teuer ist. Häufig ist das abends der Fall, also genau dann, wenn die meisten Haushalte kochen, ihre Wärmepumpe nutzen oder ihren Trockner anstellen wollen. Zwar gibt es hierfür auch entsprechende Managementsysteme, die das für die Kunden übernehmen und die stromverbrauchenden Geräte entsprechend steuern, dennoch besteht hier weiterhin eine zeitliche Abhängigkeit. Unabhängiger werden Kunden, wenn sie sich einen Heimspeicher anschaffen. Doch die sind vergleichsweise teuer . Für Speicher mit einer Kapazität von fünf Kilowattstunden – ausreichend für einen Zwei- bis Dreipersonenhaushalt – werden aktuell bis zu 6.500 Euro fällig. Hinzu kommt, dass für die Nutzung eines dynamischen Stromtarifs ein Smart Meter notwendig ist. Doch der Rollout, also die flächendeckende Installation dieser Geräte, läuft in Deutschland nur schleppend . Grund sind vor allem die strengen IT-Sicherheitsvorgaben sowie die unübersichtliche Struktur bei den Betreibern. Dynamischer Tarif kaum günstiger Haushalte, die ihren Stromverbrauch zeitlich anpassen können, können von dem Stromtarif unter Umständen profitieren. Aber nur geringfügig. In der Analyse von Verivox von August 2026 heißt es: Wer einen dynamischen Tarif nutzte und seine Waschmaschine, seine Spülmaschine und seinen Trockner gezielt in die Zeiten verlegte, in denen der Strompreis an der Strombörse niedrig ist, zahlte im ersten Halbjahr 2026 rund 604 Euro. Ohne eine zeitlich optimierte Anpassung des Verbrauchsverhaltens steigen die Kosten auf 645 Euro. Anzumerken ist, dass Haushalte, die einen großen Stromverbrauch haben, etwa durch eine Wärmepumpe, eine Wallbox beziehungsweise ein E-Auto oder einen Stromspeicher haben hingegen ein deutlich höheres Einsparpotenzial, da sie ihren Verbrauch meist flexibel anpassen können. Wie hoch er ist, ergibt sich aus der Rechnung ist. Einige Studien zeigen dies aber immer wieder auf. Haushalte, die einen Vertrag mit dem günstigsten Festpreisangebot mit Neukundenbonus abgeschlossen haben, zahlen im selben Zeitraum 588 Euro ohne Neukundenbonus – mit Neukundenbonus sind es 481 Euro. Ihre Ausgaben sind geringer und ihre Flexibilität größer. Verbraucherschützer sehen Vorteile Experten und Energieanbieter, darunter 1Komma5°, argumentieren jedoch nicht nur mit dem möglichen Einsparpotenzial. Der dynamische Stromtarif helfe auch, das Stromnetz zu entlasten, wenn die Preissignale an der Börse intelligent und automatisch an die Haushalte weitergegeben, erklärt Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer von 1Komma5°. Verbraucherschützer bestätigen diese Einschätzung. Durch die Abstimmung von Stromangebot und -nachfrage lassen sich die Stromnetze entlasten , heißt es von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Wichtig sei jedoch, dass sich insbesondere Großgeräte wie Wärmepumpen oder Wallboxen automatisieren einschalten lassen.