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VW: IG Metall-Chefin Christiane Benner legt sich mit Konzernchef Blume an

VW steckt in der Krise. Bis zu 100.000 Jobs stehen auf der Kippe. Das Management geht auf die Belegschaft los. Nun hält Gewerkschafterin Christiane Benner dagegen. Vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung über den Sparkurs bei Volkswagen am Freitag wirft IG-Metall-Chefin Christiane Benner Konzernchef Oliver Blume schwere Fehler im Umgang mit der Belegschaft vor. Blume stelle sich mit der Ankündigung von Werkschließungen gegen Betriebsvereinbarungen und die historische Verantwortung des Konzerns, sagte Benner der "Augsburger Allgemeinen". Die Gewerkschafterin warf Blume und seinem Management eine verfehlte Kommunikationsstrategie vor: "Die war bislang schlecht, denn es wurden einfach weitere Abbauzahlen und Werkschließungen in den Raum gestellt." Die IG-Metall-Chefin gehört dem Kontrollgremium an und ist stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des VW-Konzerns. Analyse: Wo VW jetzt steht Zulieferer-Krise: Europas größter Textilveredler rutscht in Insolvenz Bei Volkswagen wird derzeit über über die Entlassung von weltweit bis zu 100.000 Beschäftigten diskutiert. Die VW-Werke Emden, Hannover und Zwickau sowie das Audi-Werk Neckarsulm stehen auf der Kippe . Für sie gibt es laut Blume noch "keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre". Doch hält Benner dagegen. "Mit der IG Metall werden die Werke in Emden , Zwickau , Hannover und Neckarsulm nicht geschlossen", kündigte Benner Widerstand bei der für Freitag anberaumten Aufsichtsratssitzung an. Finanzchef Antlitz provoziert in Hannover Blume und weitere VW-Manager hatten die Belegschaft zuletzt in Betriebsversammlungen auf kräftige Einschnitte eingestimmt. VW-Finanzchef Arno Antlitz hatte bei einer Runde im VW-Werk Hannover die Belegschaft zu mehr Produktivität aufgefordert. Von Selbstkritik des Managements war keine Rede. So war Antlitz zuvor in die Kritik geraten, weil er dem Management über einen Buchungstrick die Auszahlung von Boni sicherte. Auch eine kritische Aufarbeitung der Diesel-Betrugsaffäre, die die Marke VW ernsthaft beschädigte und allein in den USA zu Milliarden-Strafen führte , steht aus. "Die Vorgehensweise des VW-Vorstands macht mich wütend: Warum verunsichert das Management um Blume die Beschäftigten in Emden und Zwickau jetzt, obwohl wir reichlich Zeit haben, Perspektiven für die beiden Standorte zu entwickeln?", sagte Benner. Im ZDF-"Morgenmagazin" fügte die Gewerkschafterin hinzu: "Ich erwarte einfach Perspektiven für die Beschäftigten." Zudem müssten auch Ausstiegsmodelle wie Altersteilzeit angeboten werden. Ministerpräsident versucht zu vermitteln In dem Konflikt zwischen VW-Management und Belegschaft versucht Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) zu vermitteln. Das Land ist Großaktionär bei VW . Gewerkschafterin Benner ging das VW-Management indes frontal an. "Es ist ein großer Fehler der VW-Führung, Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm anzuzählen, 50.000 weitere Arbeitsplätze abbauen zu wollen und zugleich zu verkünden, die Umsatzrendite müsse von zuletzt 3,8 bis 2030 auf acht bis zehn Prozent steigen", betonte die IG-Metall-Chefin. VW hatte den Trend zum E-Auto komplett verkannt. Erst am Dienstag berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" über Milliarden-Fehlinvestitionen bei der VW-Tochter Audi . Nicht nur bei Audi brach der Export zuletzt ein. Auch andere VW-Marken fielen zurück. Zum einen unverschuldet wegen der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump . Zum anderen verkannte die Konzernspitze die neuen Anforderungen auf dem chinesischen Markt, wo die Kundschaft auf digitale Innovation setzt. Das Weltauto aus Wolfsburg ist Geschichte So gab der Konzern zuletzt sein bewährtes Konzept vom Weltauto auf. Bislang galt die Formel, Autos werden in Wolfsburg entwickelt und dort für den globalen Markt produziert. Nun eröffnete der Konzern in China in der Provinz Anhui ein neues Entwicklungszentrum, um auf die schnellen Entwicklungswünsche der chinesischen Kundschaft zu reagieren. Auch über die Produktion chinesischer Automodelle in nicht ausgelasteten deutschen Fabriken wurde zuletzt spekuliert. Benner kritisierte die VW-Spitze scharf. "Der Konzern kann die Werke in Emden und in Zwickau ebenso wenig wie Neckarsulm und Hannover schließen", sagte Benner. "Wir haben Ende 2024 eine Vereinbarung geschlossen, die der Vorstand unterschrieben hat und die er zu erfüllen hat", sagte die Gewerkschafterin. "Die Beschäftigten haben für Perspektiven auch auf Geld verzichtet", fügte sie hinzu. Zudem habe VW auch aus seiner Geschichte eine gesellschaftliche Verantwortung. "Die historische DNA des Konzerns ist, dass Wirtschaftlichkeit und Soziales in einem ausgewogenen Verhältnis stehen", betonte Benner. So sei die Region Ostfriesland wirtschaftlich stark vom VW-Werk in Emden abhängig. "Da hängen etwa 30.000 Arbeitsplätze dran", sagte sie. Vom alten Konsensmodell mit der Belegschaft ist bei VW wenig geblieben. Benner kritisierte: "Die VW-Kommunikationspolitik hat Mitarbeitende in Emden und Zwickau belastet und drückt sicher auf die Arbeitsmoral, zumal sich viele Beschäftigte nur noch fragen, wann sie das Unternehmen verlassen müssen."