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Gegenwind für Russland beim SOZ-Gipfel: Das kann Putin nicht gefallen

Russland und China bauen beim Treffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit an ihrem Gegenmodell zum Westen. Doch während Xi Jinping seinen Spielraum vergrößert, stößt Wladimir Putin selbst bei engen Partnern an Grenzen. Es sind Bilder, die Wladimir Putin gefallen dürften. Der russische Präsident saß gemeinsam mit Indiens Premierminister Narendra Modi im Auto. Beide fuhren am Dienstag zusammen zu ihrem bilateralen Treffen am Rande des Gipfels der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) in Bischkek. Modi und Putin kennen sich lange, ihre Länder pflegen seit Jahrzehnten enge Beziehungen. Auch nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat Indien nicht mit Moskau gebrochen. Für Putin ist allein das ein Erfolg. Westliche Sanktionen sollen Russland wirtschaftlich unter Druck setzen. Doch in der Hauptstadt Kirgisistans trifft der Kremlchef nicht nur Modi. Auch Chinas Staatschef Xi Jinping und der iranische Präsident Massud Peseschkian sind angereist. Ebenso wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Die Türkei gehört der Organisation als Dialogpartner an, ist also kein vollwertiges Mitglied. Dann begann das Gespräch zwischen Putin und Modi – und das Bild der demonstrativen Einigkeit bekam einen Riss. "Wir müssen vom endlosen Krieg zum Ende des Krieges kommen", sagte Modi zu Putin und spielte damit auf Russlands Krieg gegen die Ukraine an. Indien unterstütze alle Bemühungen um einen dauerhaften Frieden, erklärte der indische Regierungschef weiter. Putin antwortete, Russland befinde sich auf dem Weg zu einer Lösung. Konkreter wurde er nicht. Doch Modis Mahnung verweist auf einen Widerspruch, der den gesamten SOZ-Gipfel prägte. Xi und Putin wollten in Bischkek zeigen, dass westlicher Druck allein die internationale Ordnung nicht mehr bestimmen kann: Sie bauen an einem Gegenmodell, in dem Staaten zwischen mehreren Machtzentren wählen können. Nur profitieren beide davon nicht gleichermaßen. Außenminister Wadephul im Interview: "Die Lage ist dramatisch" Trumps neuestes Problem: Amerikas Militär gerät an seine Grenzen Stärke liegt in der Unverbindlichkeit Die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit wurde 2001 von China , Russland und den vier zentralasiatischen Staaten Kasachstan , Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan gegründet. Ursprünglich ging es vor allem um regionale Sicherheit. Inzwischen gehören zehn Staaten dazu, darunter Indien, Pakistan , der Iran und Belarus . Zusammen repräsentieren die Mitglieder mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung. Ein geschlossenes Bündnis wie die Nato ist die Organisation nicht. Dafür sind die Interessen ihrer Mitglieder zu verschieden. Für Indien sind China und Pakistan Rivalen. Die Türkei wiederum strebt eine Vollmitgliedschaft an und versucht damit, ihre Verbindungen zum Westen mit einer stärkeren Rolle in Eurasien zu verbinden. Doch gerade darin liegt ein Teil der politischen Bedeutung der SOZ. Xi und Putin brauchen kein Bündnis, dessen Mitglieder in allen wichtigen Fragen übereinstimmen. Für ihre Interessen genügt es, wenn bedeutende Staaten westlichen Druck nicht mittragen, wirtschaftliche Beziehungen aufrechterhalten und sich nicht eindeutig auf die Seite Washingtons stellen. Für Russland und den Iran hat das mit Blick auf die gegenwärtigen Kriege einen unmittelbaren Nutzen. China ist für beide Länder zu einem entscheidenden Wirtschaftspartner geworden. Peking ist der größte Abnehmer russischen und iranischen Rohöls. Zentralasiatische Staaten sind zugleich wichtige Handels-, Zahlungs- und Transitrouten für Russland. Auch der Iran nutzt Zentralasien als wichtigen Handelsweg. Damit stößt der wirtschaftliche Druck des Westens an Grenzen. China hält seine Energieimporte aufrecht, Indien kauft russisches Öl, durch Zentralasien bleiben wichtige wirtschaftliche Verbindungen bestehen. Sanktionen können Russland empfindlich treffen. Sie verhindern aber nicht, dass Moskau alternative Absatzmärkte und Handelswege nutzt. Bei seinem Treffen mit Putin betont Xi die Stabilität der chinesisch-russischen Beziehungen in einer von Unsicherheit geprägten internationalen Lage. Putin lobt seinerseits die wirtschaftliche Zusammenarbeit. Nach Angaben des Kremls kommt der Ukraine-Krieg bei dem Gespräch nur kurz zur Sprache. Fest steht: China lässt Russland nicht fallen. Xi lässt sich von Putins Krieg aber auch nicht vereinnahmen. China hält sich Wege offen Der Krieg gegen die Ukraine und die westlichen Sanktionen haben Russlands wirtschaftliche Abhängigkeit von China vergrößert. Peking profitiert unter anderem davon, russisches Öl zu günstigeren Preisen beziehen zu können. China unterstützt Russland und den Iran wirtschaftlich, vermeidet aber eine direkte militärische Beteiligung an ihren Kriegen. Obwohl die Shanghaier Organisation auch ein Sicherheitsforum ist, hat Peking keine Bereitschaft erkennen lassen, eigene Soldaten zur Verteidigung Russlands oder des Iran einzusetzen. Xi kann damit an Einfluss gewinnen, ohne selbst die militärischen Kosten der Konflikte seiner Partner tragen zu müssen. Unbegrenzt ist Xis Spielraum allerdings nicht. Peking will die wirtschaftlichen Spannungen mit den Vereinigten Staaten unter Kontrolle halten. Ein Besuch des chinesischen Präsidenten in Washington ist noch im Herbst geplant. Eine deutlich stärkere Unterstützung Russlands oder des Iran könnte die Beziehungen zu den USA zusätzlich belasten. Xi Jinping gelingt es besser als Putin, die Widersprüche für seine Interessen zu nutzen. Denn Peking bekommt wenig Gegenwind aus Europa, trotz Chinas jahrelanger Unterstützung für Russland im Ukraine-Krieg. Das bedeutet: Xi kann Moskau stützen, Neu-Delhi umwerben und zugleich mit Washington verhandeln. Moskau bekommt Konkurrenz Kirgisistan gehörte lange zu einer Region, in der Russland eine herausragende Stellung besaß. Doch Chinas Einfluss in Zentralasien ist gewachsen. Zugleich arbeiten die fünf zentralasiatischen Staaten seit dem russischen Angriff auf die Ukraine enger zusammen. Peking baut seine wirtschaftliche Präsenz weiter aus. Gemeinsam mit Kirgisistan und Usbekistan treibt China eine neue Bahnverbindung voran. Xi und der kirgisische Präsident Sadyr Dschaparow unterzeichneten zudem einen Vertrag über langfristige gute Nachbarschaft, Freundschaft und Zusammenarbeit. Xi würdigte die Entwicklung der bilateralen Beziehungen. Auch die Europäische Union und die Vereinigten Staaten bauen ihre Beziehungen zu den Staaten Zentralasiens aus. Für die Regierungen der Region wächst damit die Zahl möglicher Partner. Russland verschwindet deshalb nicht aus Zentralasien. Aber Moskau bekommt dort zunehmend Konkurrenz und selbst ehemalige Sowjetrepubliken wie Kirgisistan befreien sich langsam aus der Abhängigkeit. Bischkek liefert dafür ein starkes Bild: Putin reist in eine Region, die lange eng an Moskau gebunden war. Xi trifft dort auf Regierungen, denen Peking Investitionen und neue Verkehrsverbindungen anbieten kann. Modi setzt Putin eine Grenze Auch Indien zeigt besonders deutlich, was die Unverbindlichkeit dieser Partnerschaften für Russland bedeutet. Neu-Delhi ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs zu einem wichtigen Käufer russischen Öls geworden. Russland bleibt zudem ein wichtiger Rüstungspartner Indiens, auch wenn sein Anteil an den indischen Waffenimporten gesunken ist. Gleichzeitig bleiben die Vereinigten Staaten für Indien von großer Bedeutung. Modi muss sich deshalb nicht zwischen diesen Partnern entscheiden. In Bischkek demonstriert er persönliche Nähe zu Putin – und fordert ihn gleichzeitig öffentlich auf, den Krieg zu beenden. Genau hier liegt Putins Problem. Staaten wie Indien helfen Russland dabei, die Folgen westlichen Drucks abzufedern. Daraus entsteht aber keine politische Gefolgschaft. Xi braucht keine Gefolgschaft Für Peking dagegen ist diese Unverbindlichkeit der SOZ-Staaten untereinander leichter auszuhalten. Chinas Einfluss kann wachsen, wenn Handelsbeziehungen enger werden, neue Verkehrswege entstehen und das Land für seine Partner wirtschaftlich wichtiger wird. Ob daraus tatsächlich eine dauerhafte Alternative zur westlich geprägten Ordnung entsteht, ist offen. Zu groß sind die Interessengegensätze innerhalb der SOZ, zu wichtig bleiben für Länder wie Indien zugleich die Beziehungen zu westlichen Staaten. Die nächste Etappe dieser Entwicklung wird deshalb weniger auf Gipfelfotos zu erkennen sein. Entscheidend wird sein, wer neue Bahnlinien und Transportkorridore finanziert, wohin Öl und andere Rohstoffe verkauft werden, über welche Handelswege Waren fließen und an wen sich die zentralasiatischen Regierungen wenden, wenn mehrere Großmächte um Einfluss konkurrieren. Für Länder wie Kirgisistan, Kasachstan und Usbekistan eröffnet dieser Wettbewerb neue Möglichkeiten. Sie können versuchen, chinesische Investitionen, russische Verbindungen und westliche Angebote miteinander auszubalancieren. Ob ihnen das gelingt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Und auch für Putin entscheidet sich bei SOZ-Gipfeln etwas Grundsätzliches: nicht, wie viele Staatschefs sich mit ihm für ein Gipfelfoto versammeln – sondern wie viel russischer Einfluss bleibt, wenn diese Partner anschließend ihre eigenen Wege gehen.