Russisches Haus: Mitarbeiter nehmen Einrichtung im Auto mit nach Russland
Am 1. September hat die Bundesregierung verkündet, dass der Vertrag zum Betrieb des Russischen Hauses gekündigt wird. Jetzt geht dort alles ganz schnell. Es gab bereits einen Abschied zu Klängen der russischen Nationalhymne. Es war kurz nach 10 Uhr am Dienstag, als im Hof des Russischen Hauses kurz zuvor beladene Autos mit Diplomatenkennzeichen hupend losfuhren, während die russische Nationalhymne erklang. Ein improvisierter kleiner Festakt für einen Abschied auf unbestimmte Zeit. Im Eingang des offiziell als Kulturinstitut bezeichneten Hauses hingen da schon Zettel: "Wir sagen nicht tschüss, sondern auf Wiedersehen." Die Führung der russischen Regierungsagentur hat Deutschland verlassen – per Flugzeug, aber auch in Autos, beladen mit Gegenständen und Ausrüstung aus dem Gebäude. Andere Russen hätten geholfen, die "wertvollsten Besitztümer" zu sichern, sagte ein Mitarbeiter des Russischen Hauses am Dienstagabend in Belarus , wohin er mit dem Auto gefahren war. Was da so wertvoll war, um es umgehend aus Deutschland zu bringen, blieb unklar. Ein Teil der Gegenstände werde noch per diplomatischem Kurierdienst versandt, zitierte das russische staatliche Auslandsnachrichtenportal "Sputnik Belarus" den Mann, der "Berater" gewesen sei. Er kam offenbar nach acht Stunden Autofahrt über Polen mit vier weiteren Beschäftigten in der belarussischen Stadt Brest an. Von dort sollten sie weiter nach Moskau reisen. Sie seien auf die Entscheidung vorbereitet gewesen, sagte er. "Das Einzige, was uns überrascht hat, war natürlich die Frist, die uns die deutschen Behörden zum Packen gegeben haben: sieben Tage." Polizei mit Härte gegen Gegner : Gewalt am Russischen Haus Viele Verfahren : Russisches Haus kämpft mit Anzeigen gegen Protest Am 1. September hatte die Bundesregierung verkündet, dass das Generalkonsulat in Bonn am 18. September schließen muss und ein Vertrag zum Betrieb des Russischen Hauses gekündigt wird. Vorausgegangen war, dass die Bundesregierung Russland für den Zwischenfall mit Drohnen und Sprengstoff am Flughafen Leipzig verantwortlich machte. Demonstranten hatten nach Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine schon lange die Schließung gefordert. Sechs flogen am Dienstag nach Moskau Die aus Russland entsandten Mitarbeiter des Russischen Hauses bekamen in der vergangenen Woche ein Ultimatum, mit ihren Familien zurück nach Russland zu reisen. Das Detail wurde in der vergangenen Woche durch eine Stellungnahme der russischen Botschaft bekannt. Die kommissarische Leiterin des Russischen Hauses, Svetlana Nekrassowa, traf am Dienstagabend am Flughafen Moskau-Wnukowo in einer Gruppe mit fünf weiteren Personen ein, darunter zwei Kinder. Drei weitere Personen, die Deutschland verlassen mussten, kamen in Nischni Nowgorod an. Am Flughafen Moskau wartete ein größeres Medienaufgebot und Igor Tschaika. Tschaika ist Leiter der staatlichen Agentur Rossotrudnitschestwo, die die Russischen Häuser im Ausland betreibt. Alle Rückkehrer bekämen Aufgaben, sagte er: "Sie haben die besten Karriereaussichten. Sie sind Spezialisten auf ihrem Gebiet, sie sind Profis." Berichten des französischen Innenministeriums zufolge wurde das vorgebliche Kulturinstitut zur Spionage genutzt. Frankreich hatte eine Frau ausgewiesen, die als neue Leiterin in Berlin im Gespräch gewesen sein soll. "Ich hatte noch Kinokarten bestellt" Die nach Russland zurückgekehrte kommissarische Leiterin Svetlana Nekrassowa wird auf unbestimmte Zeit keine Nachfolgerin mehr bekommen. Der Vertrag zum Betrieb des Russischen Hauses läuft eigentlich bis in den Sommer 2027. Doch ohne die aus Russland entsandten Mitarbeiter stellt das Haus seinen Betrieb bereits jetzt ein. Das Gebäude, in dem auch Räume vermietet sind, wird bis Mai geöffnet bleiben, sagte Nekrassowa Medien in Moskau. Technisches Personal sei bis dahin im Gebäude tätig. Unter anderem ist dort auch eine große Bibliothek untergebracht. Wie viele eigene Beschäftigte noch in Berlin tätig sind, wurde nicht mitgeteilt. Die schnelle Schließung des Betriebs überrumpelte manche Besucher des Hauses offenbar: "Nichtsahnend habe ich Kinokarten bestellt, registriert und fuhr hin", schreibt ein Nutzer auf Facebook. "Ich kam zwar rein, aber es gab keinerlei Vorstellung." Sie hätten dann etwas gegessen, im russischen Restaurant, das von der Schließung zunächst nicht betroffen ist. Nekrassowa erklärte in Moskau, in den zurückliegenden Tagen viele Anrufe und Unterstützerschreiben erhalten zu haben. Am Freitag hatten in Berlin bis zu 600 Menschen mit Fahnen des BSW und der DKP für die Einrichtung demonstriert. Nachrichten von Deutschen, dass sie sich von der Schließung distanzieren, hätten den Mitarbeitern Hoffnung gegeben, dass "nicht alle Brücken verbrannt" seien, so Nekrassowa. Russland hatte im Gegenzug die Schließung des Goethe-Instituts und des Deutschen Generalkonsulats in Sankt Petersburg verkündet.
