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Auto-Inspektion: Ungewöhnliche Herangehensweise kann viel Geld sparen

Die Werkstattkosten steigen immer weiter. Doch ausgerechnet ein verdeckter Test kann die Rechnung deutlich drücken. Es gibt jedoch Bedingungen. Öl wechseln, Filter prüfen, Flüssigkeiten kontrollieren, Wartungspunkte abhaken: Eine Autoinspektion klingt zunächst nach Routine. Aus den kleinen Prüfpunkten kann sich jedoch schnell ein größerer Rechnungsbetrag ergeben. Nach Angaben der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) kostete eine Wartung im Jahr 2025 durchschnittlich 542 Euro. Seit 2020 stiegen die Kosten damit um gut ein Viertel. Noch deutlicher fällt die Entwicklung bei den Arbeitskosten aus: Für Mechanik-, Elektrik- und Karosseriearbeiten verlangten Werkstätten 2024 nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) durchschnittlich 202 Euro pro Stunde – acht Prozent mehr als noch im Vorjahr. Wer bei der nächsten Inspektion sparen will, kann Preise vergleichen, eine günstigere Werkstatt suchen oder bei Ersatzteilen nach Alternativen fragen. Es gibt aber noch einen anderen Weg, der deutlich weniger bekannt ist. Prüforganisationen suchen ganz normale Autofahrer Dekra, TÜV Nord , TÜV Rheinland und ADAC führen verdeckte Werkstatttests durch. Dafür benötigen sie keine speziell präparierten Testfahrzeuge, sondern Autos, die tatsächlich im Alltag unterwegs sind und ohnehin zur Wartung müssen. Die Prüforganisationen suchen deshalb private Testkunden. Allein die Dekra organisiert nach eigenen Angaben jährlich rund 4.000 bis 5.000 solcher Werkstatttests. Auftraggeber sind in der Regel Fahrzeughersteller, die überprüfen wollen, ob ihre Vertragsbetriebe nach den vorgegebenen Standards arbeiten. Allerdings kann nicht jeder Autofahrer mitmachen. Fahrzeugmarke, Modell, Alter des Autos und anstehende Wartung müssen zu einem aktuellen Test passen. Wer mit seinem Fahrzeug zu einer laufenden Testreihe passt, kann nach der Inspektion einen Teil der Kosten zurückbekommen. Je nach Testreihe sind mindestens rund 200 Euro möglich. Manche Hersteller zahlen einen festen Zuschuss, andere übernehmen einen Teil oder sogar die komplette Wartung. Zuerst muss das Auto zum Test passen Interessenten können sich bei den Prüforganisationen registrieren. Bei der Dekra werden etwa Angaben zum Fahrzeug, zum ungefähren Kilometerstand, zum Wohnort beziehungsweise zur Region und zum geplanten Termin der nächsten Inspektion abgefragt. "Die Suche nach geeigneten Testkunden ist wirklich eines der Nadelöhre in dem Geschäft", sagt Christian Ulrichs, Leiter der Testabteilung bei Dekra. In der Regel sollte das Auto jünger als zehn Jahre sein und tatsächlich vor einer Inspektion stehen. Passt das Fahrzeug, meldet sich die Prüforganisation beim Halter. Den Termin in der Werkstatt vereinbart der Testkunde anschließend wie ein gewöhnlicher Kunde. Wenn möglich, sollte auch eine Direktannahme dazugehören. Denn bei den Tests wird später nicht nur kontrolliert, ob Mechaniker ihre Arbeit korrekt erledigt haben. Der Sachverständige baut kleine Fehler ein Vor dem Werkstatttermin gibt es zunächst noch ein Treffen mit einem Sachverständigen. Dabei wird das Auto zunächst genau kontrolliert. Anschließend präpariert der Sachverständige mehrere Punkte, die bei einer ordnungsgemäßen Wartung auffallen müssten. Dabei geht es nicht darum, den Betrieb mit besonders versteckten oder ungewöhnlichen Fehlern hereinzulegen. Verändert werden nur Dinge, die laut Wartungsplan ohnehin geprüft werden sollen. Der Sachverständige kann etwa den Reifenluftdruck verändern, das Warndreieck aus dem Fahrzeug nehmen oder einen abgelaufenen Verbandskasten hineinlegen. Weitere typische Testmängel sind ein zu niedriger Kühlmittelstand oder ein beschädigtes Scheibenwischerblatt. Bei älteren Fahrzeugen lässt sich auch eine funktionierende Blinkerlampe durch eine defekte ersetzen. Bei modernen Autos wird das schwieriger: Sind beispielsweise LED-Leuchten fest verbaut, lassen sich manche klassischen Testmängel nicht mehr ohne Weiteres präparieren. In der Werkstatt darf der Test nicht auffallen Danach beginnt der eigentliche Test. Der Autofahrer bringt seinen Wagen wie vereinbart zur Werkstatt und verhält sich möglichst wie bei jedem anderen Inspektionstermin. Die Mitarbeiter des Betriebs sollen nicht wissen, dass ihr Service gerade geprüft wird. Erst nachdem die Wartung abgeschlossen ist, wird der Test aufgelöst. Der Sachverständige untersucht das Fahrzeug erneut. Dabei wird kontrolliert, welche der zuvor eingebauten Mängel die Werkstatt erkannt und beseitigt oder zumindest angesprochen hat. Anschließend bespricht der Prüfer das Ergebnis mit dem Betrieb. Auch der Serviceberater wird geprüft Ob alle Fehler gefunden wurden, ist allerdings nur ein Teil der Bewertung. Je nach Vorgaben des Fahrzeugherstellers muss der Testkunde zusätzlich einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen. Dabei kann es etwa darum gehen, wie die Terminvereinbarung ablief, ob es eine Direktannahme gab oder ob die Werkstatt Ersatzmobilität angeboten hat. Auch der Umgang mit dem Kunden, das ausgefüllte Wartungsheft und die Erklärung der vorgenommenen Arbeiten können bewertet werden. Teilweise gehen die Vorgaben noch weiter. Manche Hersteller wollen beispielsweise wissen, ob Getränke angeboten wurden oder Toiletten ausgeschildert waren. Gerade bei solchen Servicepunkten können sich größere Unterschiede zwischen den Betrieben ergeben. Technische Wartungspunkte werden häufig zuverlässig erledigt, während es beim Umgang mit Kunden eher hapern kann – etwa wenn das fertige Auto lediglich zur Abholung bereitsteht, die Rechnung kassiert wird und niemand erklärt, welche Arbeiten vorgenommen wurden. Schneidet eine Werkstatt schlecht ab, kann der Hersteller einen weiteren Test oder eine Schulung des Betriebs ansetzen. Für den Testkunden ist der Vorgang nach der Auswertung hingegen beendet. Ganz ohne zusätzlichen Aufwand geht es nicht Die finanzielle Erstattung gibt es allerdings nicht ohne Gegenleistung. Der Kunde muss sich zunächst registrieren, Absprachen mit der Prüforganisation treffen, sich vor und nach dem Werkstattbesuch mit dem Sachverständigen abstimmen und anschließend Fragen zum Ablauf beantworten. Hinzu kommt ein weiterer Nachteil: Ob und wann ein passender Test angeboten wird, lässt sich nicht planen. Wer kurzfristig zur Inspektion muss oder mit einem bestimmten Fahrzeug nicht in eine laufende Testreihe fällt, kann diesen Weg nicht nutzen. Für Autofahrer, bei denen Fahrzeug und Termin passen, kann sich der zusätzliche Aufwand jedoch finanziell bemerkbar machen. Auch ohne Werkstatttest kann gespart werden Wer nicht für einen verdeckten Test infrage kommt, kann die Kosten auf klassischem Weg drücken. Der ADAC empfiehlt, mehrere Angebote einzuholen und auf einen schriftlichen, möglichst detaillierten Kostenvoranschlag zu bestehen. So lässt sich später prüfen, ob die Rechnung dem vereinbarten Umfang entspricht. Sinnvoll ist zudem ein Kostenlimit. Der Kunde kann mit der Werkstatt vereinbaren, dass sie sich meldet, wenn zusätzliche Arbeiten nötig werden oder die kalkulierten Kosten deutlich überschritten werden. Auch ein etwas längerer Anfahrtsweg kann sich rechnen. In einer ADAC-Stichprobe lagen Angebote von Markenwerkstätten im Umkreis von bis zu 60 Kilometern um Hamburg , Köln und München teilweise mehrere Hundert Euro unter denen vergleichbarer Betriebe in der Stadt. Freie Werkstätten und Ersatzteile können günstiger sein Eine weitere Möglichkeit sind freie Werkstätten. Sie arbeiten häufig zu niedrigeren Stundensätzen als Markenbetriebe. Bei Wartungs- und Reparaturarbeiten können außerdem Ersatzteile aus dem freien Teilehandel infrage kommen. Diese stammen nicht vom Fahrzeughersteller selbst und sind häufig günstiger. Autofahrer sollten sich vorab ein konkretes Angebot machen lassen und klären, welche Teile verwendet werden. Bei der Wahl der Werkstatt gibt es allerdings Einschränkungen. Bei Leasingfahrzeugen kann der Leasinggeber festlegen, welche Werkstatt genutzt werden muss. Übernimmt ein Hersteller die Kosten eines Garantie- oder Gewährleistungsfalls, können ebenfalls Vorgaben gelten. Auch Versicherungsverträge mit Werkstattbindung schränken die freie Wahl des Betriebs ein.