Gebrauchtwagen-Geheimtipps: Exeo, Civic, 508 und Co. im Check
Manche Gebrauchtwagen fristen ein Schattendasein – nicht wegen schlechter Qualität, sondern wegen mangelnder Bekanntheit. Genau das macht sie für Käufer interessant. Manche Autos verschwinden schon ein paar Jahre nach ihrem Erscheinen fast vollständig aus dem Blickfeld. Nicht, weil sie grundsätzlich schlecht wären. Oft fehlte ihnen als Neuwagen das große Publikum, später werden sie auf dem Gebrauchtwagenmarkt dann erst recht übersehen. Das kann für Käufer interessant sein. Denn Bekanntheit treibt nicht nur die Nachfrage, sondern oft auch die Preise. Sprich: Ein weniger gefragtes Auto kann beim Gebrauchtwagenkauf bei guter Qualität zum Schnäppchen werden. "Auto Bild" hat fünf Gebrauchtwagen zusammengestellt, die nach Einschätzung der Redaktion mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Wir haben die Auswahl aufgegriffen und zusätzlich typische Schwächen, Wartungspunkte und mögliche Kostenfallen betrachtet. Seat Exeo ST: Viel bekannte Technik Beim Seat Exeo ist die Verwandtschaft ungewöhnlich eng. Technisch basiert er in großen Teilen auf dem Audi A4 B7. Seat übernahm zahlreiche Komponenten und brachte das Auto ab 2008 als Limousine und später auch als Kombi Exeo ST auf den Markt. Für Käufer kann das interessant sein, weil der Seat deutlich weniger bekannt ist als sein technischer Verwandter. Entscheidend ist allerdings, welche Motorisierung unter der Haube steckt. Als einfach und robust gilt der 1,6-Liter-Saugbenziner mit 102 PS. Mehr Leistung bietet der ältere 1.8 T mit 150 PS. Deutlich genauer hinsehen sollte man bei späteren 1.8- und 2.0-TSI-Motoren. Hier werden unter anderem hoher Ölverbrauch und Probleme mit der Steuerkette genannt. Auch die Automatik ist ein wichtiger Punkt. Die stufenlose Multitronic kann durch Ruckeln, Drehzahlschwankungen und teure Schäden auffallen. Wer keinen Wert auf Automatik legt, ist mit einem Handschalter meist auf der besseren Seite. Beim 2.0 TDI, also dem Diesel, sollten Käufer vor allem auf eine nachvollziehbare Wartung achten. Mit zunehmender Laufleistung können Dieselpartikelfilter, Turbolader, AGR-Ventil und Zweimassenschwungrad teuer werden. Außerdem gehört der Motor zur Baureihe EA189 und war vom Dieselskandal betroffen. Ob notwendige Maßnahmen erledigt wurden, sollte sich über die Fahrzeughistorie klären lassen. Nicht nur der Antrieb verdient Aufmerksamkeit. Auch die Vorderachse kann im Alter anfällig und die Reparatur teuer werden. Querlenker und andere Fahrwerksteile gehören deshalb auf die Prüfliste. Honda Civic Tourer: Mehr Kombi als erwartet Der Honda Civic Tourer ist deutlich seltener als viele Konkurrenten. Dabei bietet er genau das, was bei einem Kombi zählt: viel Platz auf vergleichsweise kompakter Grundfläche. Besonders interessant ist der 1.8 i-VTEC mit 141 PS. Der Benziner kommt ohne Turboaufladung aus und gilt grundsätzlich als langlebig. Ganz ohne Wartung geht es aber auch hier nicht. Das Ventilspiel sollte regelmäßig geprüft worden sein. Entsprechende Werkstattrechnungen oder Einträge in der Wartungshistorie sind deshalb hilfreich. Auch der 1.6 i-DTEC mit 120 PS kann für Vielfahrer interessant sein. Bei hohen Laufleistungen gelten allerdings dieselben Punkte wie bei vielen älteren Selbstzündern: Dieselpartikelfilter, Turbolader, AGR-Ventil, Einspritzdüsen und Zweimassenschwungrad können irgendwann Kosten verursachen. Große modelltypische Schäden stehen beim Civic weniger im Vordergrund als Verschleiß. Besonders die Bremsanlage sollte überprüft werden. Wichtig ist außerdem die Rückrufhistorie. Für unterschiedliche Baujahre gab es Rückrufe, unter anderem rund um die Bremsanlage und einzelne Dieselmodelle. Im Alltag hat der Civic ebenfalls Eigenheiten. Die Sicht nach hinten ist eingeschränkt, das Fahrwerk eher straff. Bei höherem Tempo können die Motoren zudem laut werden. Wer damit zurechtkommt, bekommt einen ungewöhnlichen Kompaktkombi, der deutlich mehr Stauraum bietet, als seine Außenmaße vermuten lassen. Hyundai i40 CW: Der wenig beachtete Mittelklassekombi Der Hyundai i40 CW trat ab 2011 gegen Autos wie Passat Variant, Audi A4 Avant und Ford Mondeo Turnier an. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt spielt er heute trotzdem nur eine Nebenrolle. Gerade spätere Modelle können jedoch interessant sein. Ende 2014 erhielt der i40 ein Facelift. Hyundai überarbeitete unter anderem die Front und wertete den Innenraum auf. Gleichzeitig verschwanden einige Schwächen der frühen Baujahre. Weit verbreitet ist der 1.7 CRDi mit Dieselmotor. Bei frühen Exemplaren wurde von Kühlmittelverlust berichtet, der im schlimmsten Fall auf Schäden am Motorblock zurückgehen konnte. Die Schwachstelle soll später beseitigt worden sein. Trotzdem lohnt sich bei der Besichtigung ein Blick auf Kühlmittelstand und Wartungshistorie. Bei hohen Laufleistungen kommen zusätzliche Themen ins Spiel: Partikelfilter, AGR-Ventil, Turbolader, Einspritzung und Zweimassenschwungrad. Wer überwiegend kurze Strecken fährt, kann den 2.0 GDI ins Auge fassen. Der Benziner gilt grundsätzlich als solide, arbeitet aber mit Direkteinspritzung. Mit steigender Laufleistung können deshalb Ablagerungen im Ansaugtrakt und an den Einspritzdüsen auftreten. Bei der Probefahrt sollte man außerdem ein Ohr für etwaige knackende Geräusche aus der Lenkung haben. Auch Panoramadach (Undichtigkeit möglich), Tagfahrlicht und andere elektrische Funktionen sollten geprüft werden. Hat das Auto eine Anhängerkupplung, empfiehlt sich ein besonders genauer Blick auf Kupplung, Getriebe und Fahrwerk. Häufiger Anhängerbetrieb kann dort zusätzliche Abnutzungsspuren hinterlassen. Peugeot 508 SW: Stark auf langer Strecke Der Peugeot 508 SW gehört zu den großen Kombis seiner Zeit, ist auf dem Gebrauchtwagenmarkt aber oft weniger gefragt als vergleichbare deutsche Modelle. Besonders interessant sind die Zweiliter-Diesel. Sie passen gut zum ruhigen Langstreckencharakter des Autos und gelten grundsätzlich als haltbar. Bei höheren Laufleistungen können allerdings Dieselpartikelfilter, AGR-Ventil, Turbolader, Einspritzung und Zweimassenschwungrad zum Kostenfaktor werden. Bei späteren Dieselmodellen kommt das AdBlue-System für die Abgasreinigung hinzu. Probleme mit der Harnstoffpumpe sind möglich. Warnmeldungen im Cockpit sollten deshalb nicht ignoriert werden. Deutlich vorsichtiger sollte man bei einigen Benzinern sein. Vor allem die 1,6-Liter-Motoren aus der sogenannten Prince-Familie können Probleme mit der Steuerkette und dem Kettenspanner bekommen. Rasselnde oder klackernde Geräusche beim Kaltstart sind ein Warnsignal. Auch die Automatik sollte bei der Probefahrt sorgfältig geprüft werden. Teilweise werden ruppige oder schlagartige Schaltvorgänge beschrieben. Daneben gibt es mehrere eher unspektakuläre, aber wichtige Prüfpunkte: Feuchtigkeit im Kofferraum, Parksensoren, Sitzheizung, Bremsanlage und Fahrwerksfedern. Kia Venga: Viel Platz auf wenig Fläche Der Kia Venga stammt aus einer Fahrzeugklasse, die heute fast verschwunden ist. Kleine Vans wurden in den vergangenen Jahren weitgehend von SUV verdrängt. Dabei zeigt der Venga, welchen Vorteil das frühere Konzept hatte. Mit gut vier Metern Länge bleibt er handlich, durch die hohe Karosserie bietet er innen aber viel Platz. Auch beim Einsteigen ist die Bauform angenehm. Hinzu kommt eine verschiebbare Rückbank, mit der sich je nach Bedarf mehr Beinfreiheit oder mehr Kofferraumvolumen schaffen lässt. Bei der Hauptuntersuchung werden mit zunehmendem Alter vor allem die Lenkgelenke auffällig. Später steigen auch die Beanstandungen bei Bremsscheiben, Federn, Stoßdämpfern und Bremsleitungen. Ein weiterer Punkt ist die Beleuchtung. Das Abblendlicht ist laut TÜV-Report vergleichsweise oft falsch eingestellt, bei älteren Autos fällt auch die hintere Beleuchtung häufiger auf. In der ADAC-Pannenstatistik gehören Batterien zu den wiederkehrenden Problemen. Bei frühen Baujahren wurde außerdem die Kraftstoffpumpe als Pannenschwerpunkt genannt. Bei den Motoren sind vor allem die einfachen Benziner interessant. Sie kommen ohne aufwendige Turbo-Technik aus. Wichtig ist allerdings auch hier die Wartung: Das Ventilspiel sollte regelmäßig kontrolliert worden sein. Wer einen gebrauchten Venga besichtigt, sollte deshalb weniger auf große technische Besonderheiten achten als auf den allgemeinen Pflegezustand. Fahrwerk, Bremsen und Wartungshistorie sind wichtiger als eine lange Ausstattungsliste.
