E-Auto-Preise: Wie ein Metall die Kosten in die Höhe treibt
Der Kupferpreis erreicht Rekordwerte. Und das werden bald auch die Verbraucher zu spüren bekommen. Neben Wärmepumpen und Stromkabeln sind Elektroautos besonders betroffen. Die Ausrichtung der globalen Wirtschaft hin zur Elektrifizierung erhöht den Druck auf einen Rohstoff, der lange als selbstverständlich galt: Kupfer. Da der Ausbau der Stromnetze, die Elektromobilität und der Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) immer größere Mengen des Metalls binden, reagieren die Märkte mit Rekordpreisen. An der Londoner Metallbörse LME etwa stieg der Preis für eine Tonne Kupfer zuletzt auf rund 14.800 US-Dollar . Was zunächst wie ein abstraktes Problem der Rohstoffmärkte klingt, betrifft über steigende Netzentgelte, teurere Wärmepumpen und höhere Kosten bei Elektroinstallationen zunehmend auch den Alltag der Verbraucher. Warum KI-Rechenzentren den Kupferbedarf treiben Bisher galt die Energiewende als der stärkste Treiber der weltweiten Kupfernachfrage. In den vergangenen Monaten ist jedoch ein neuer, kapitalstarker Akteur hinzugekommen: der Ausbau von KI-Rechenzentren. US-Tech-Konzerne und Infrastrukturbetreiber wie Amazon , Alphabet und Meta errichten mit hoher Geschwindigkeit neue, leistungsfähige Rechenzentren. Für die interne Stromverteilung, Transformatoren und Kühlsysteme benötigen diese Anlagen große Mengen Kupfer. Marktanalysen für große Hyperscale- (also besonders große) Rechenzentren nennen Kupfermengen von bis zu 50.000 Tonnen pro Anlage. Große KI-Infrastrukturprojekte verschärfen somit den Wettbewerb um die verfügbaren Mengen. Der Finanzdienstleister S&P Global prognostiziert, dass die weltweite Kupfernachfrage bis 2040 insgesamt um rund 50 Prozent steigen wird. Autobauer weichen auf Aluminium aus In besonderem Maße wächst jedoch der Bedarf in der Automobilindustrie . Nach Berechnungen von S&P Global enthält ein Elektroauto je nach Segment mit rund 75 Kilogramm fast dreimal so viel Kupfer wie ein klassischer Verbrenner. Um den daraus resultierenden Material- und Kostendruck zu reduzieren, setzen Hersteller bei der Fahrzeugverkabelung zunehmend auf Aluminium statt Kupfer. Dahinter steckt ein technologischer Kompromiss: Aluminium ist derzeit etwa ein Viertel so teuer wie Kupfer, leitet Strom jedoch deutlich schlechter. Um eine ähnliche Effizienz beim Transport derselben Strommenge zu erreichen, müssen Aluminiumkabel einen größeren Querschnitt haben. Für die Ingenieure bedeutet das: Die Kabel werden dicker und beanspruchen wertvollen Bauraum im Fahrzeug. Fahrzeugtyp Durchschnittlicher Kupferbedarf Klassischer Verbrenner etwa 25 kg Elektroauto etwa 75 kg Zollsorgen in den USA und Lieferrisiken in Chile Der aktuelle Preissprung wird zusätzlich durch eine Kombination aus geopolitischen Erwartungen und wetterbedingten Förderausfällen verstärkt. Wetterrisiken in Südamerika: Auf der Angebotsseite kommen Probleme im wichtigsten Förderland der Welt hinzu. In Chile , das für knapp ein Viertel der weltweiten Produktion steht, führten zuletzt Stürme, Überschwemmungen und extreme Schneefälle zu vorübergehenden Produktionsstopps in mehreren Minen. Marktbeobachter weisen darauf hin, dass das Klimaphänomen El Niño das Risiko für weitere wetterbedingte Störungen erhöhen kann. Der Zolleffekt: An den Terminbörsen herrscht spürbare Nervosität. Da Marktteilnehmer neue US-Importzölle befürchten, bringen Händler zurzeit große Mengen Kupfer in die Vereinigten Staaten. Diese Mengen werden dem Rest der Welt entzogen. Die Konsequenz: Die Bestände sind seit Ende Mai um fast 40 Prozent gefallen. Die Folgen für Verbraucher und Infrastruktur Die Preisentwicklung auf den Rohstoffmärkten schlägt mittelbar auf die Endverbraucher durch. In Baumärkten macht sich die Teuerung bereits bei Wasserrohren oder Stromkabeln bemerkbar. Auch der Einbau von Wärmepumpen und umfassende Elektroinstallationen beim Hausbau können durch gestiegene Materialkosten teurer werden. Da Kupfer zudem in Platinen, Leiterbahnen und elektronischen Bauteilen enthalten ist, können langfristig auch die Herstellungskosten von Unterhaltungselektronik wie Smartphones und Computern steigen. Besonders deutlich könnte die Entwicklung jedoch die Kosten der Energiewende erhöhen. Die Internationale Energieagentur warnt bereits vor Engpässen bei zentralen Netzkomponenten wie Erdkabeln und Transformatoren, bei denen Kupfer einen erheblichen Teil der Materialkosten ausmacht. Deren Preise und Lieferzeiten sind in den vergangenen Jahren weltweit stark gestiegen. Wenn Netzbetreiber höhere Material- und Finanzierungskosten über die regulierten Netzentgelte weitergeben dürfen, kann das die Stromkosten für Verbraucher langfristig erhöhen. Und damit auch die Kosten des Elektroautos.
