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Gebrauchtwagen: Dieser Irrtum kostet Autokäufer viel Geld

Hohe Laufleistungen gelten als Risiko beim Kauf eines Gebrauchtwagens. Doch eine gute Wartung zählt oft mehr als der Tachostand. Fünf Modelle, die sich im Alter richtig lohnen. Viele Gebrauchtwagenkäufer meiden Autos mit mehr als 100.000 Kilometern auf dem Tacho. Genau diese psychologische Grenze kann jedoch den Kauf unnötig verteuern. Denn bei robusten Langstreckenmodellen entstehen oberhalb dieser Marke oft die interessantesten Preisfenster. Eine aktuelle Auswertung des Online-Automarkts AutoScout24 zeigt, ab welchen Laufleistungen beliebte Modelle deutlich günstiger werden. Grundlage der Auswertung sind Inserats- und Preisdaten von Januar bis Juli 2026. Sie wurden mit den Daten von Fahrzeugen knapp unterhalb der 100.000-Kilometer-Marke verglichen. Dabei zeigt sich: Je nach Modell liegt das auffällige Sparfenster bei 130.000 bis 160.000 Kilometern. Das Sparpotenzial im Vergleich Modell Auffälliges Preisfenster Durchschnittlicher Angebotspreis Ersparnis ggü. Laufleistung unter 100.000 km Skoda Octavia Combi ab 130.000 km rund 15.000 Euro rund 2.800 Euro VW Passat Variant B8 ab 140.000 km rund 14.100 Euro rund 2.900 Euro Toyota Auris Hybrid ab 140.000 km rund 12.900 Euro rund 2.800 Euro Toyota Corolla Hybrid ab 140.000 km rund 17.000 Euro rund 2.300 Euro BMW 520d F10/F11 ab 150.000 km rund 16.600 Euro rund 2.400 Euro Mazda 6 Kombi ab 150.000 km rund 15.400 Euro rund 3.600 Euro Grundsätzlich gilt: Ein Fahrzeug, das überwiegend auf langen Strecken gefahren und regelmäßig nach Herstellervorgaben gewartet wurde, kann technisch in einem besseren Zustand sein als ein Auto mit geringerer Laufleistung, das ausschließlich im Stadtverkehr fuhr. Der Kilometerstand allein sagt nämlich wenig über den tatsächlichen Zustand aus. Welche Details auf das Fahrprofil des Fahrbesitzers hinweisen, erfahren Sie weiter unten. Hier sind die fünf Modelle im Schnell-Check. Skoda Octavia Combi: Preisvorteil bereits ab 130.000 Kilometern Der Skoda Octavia Combi der Baureihe 5E auf Golf-Basis ist vor allem beliebt wegen seines großen Platzangebots. Er teilt sich die Technik mit dem VW Passat. Empfehlenswert sind Fahrzeuge aus dem Zeitraum Februar 2013 bis Dezember 2019 mit dem 150 PS starken 2,0-Liter-TDI der Motorbaureihe EA 288. Der Preis sinkt beim Octavia mit steigender Laufleistung recht gleichmäßig. Ab 130.000 Kilometern wird der Kombi mit einem durchschnittlichen Angebotspreis von rund 15.000 Euro besonders interessant. Checkliste für den Kauf: Motorperipherie: Wie beim Passat sind die Nachweise für den Tausch von Zahnriemen und Wasserpumpe wichtig. Fahrwerk: Bei der Probefahrt über unebenes Pflaster auf polternde oder knarzende Geräusche von der Vorderachse achten (Hinweis auf verschlissene Lager an den Querlenkern). Elektronik: Den Infotainment-Bildschirm prüfen. Agiert er ohne Berührung oder setzt er Eingaben selbstständig um ("Ghost-Touch"), können Reparaturen teuer werden. VW Passat Variant B8: Preisvorteil ab 140.000 Kilometern Beim Passat Variant der Baureihe B8 sind vor allem Fahrzeuge aus dem Zeitraum November 2014 bis Mai 2019 mit dem 150 PS starken 2,0-Liter-TDI der Motorbaureihe EA 288 interessant. Besonders empfehlenswert sind Varianten mit nachweislich gewartetem Direktschaltgetriebe. Bei ölbadgekühlten DSG-Getrieben ist ein regelmäßiger Ölwechsel entscheidend. Ab 140.000 Kilometern fällt der Preis spürbar auf durchschnittlich rund 14.100 Euro. Die Checkliste für den Kauf: Zahnriemen und Wasserpumpe: Prüfen, ob beide Komponenten bereits gemeinsam erneuert wurden. Automatikgetriebe: Ein Getriebeölwechsel alle 60.000 Kilometer sollte nachweisbar sein. Abgassystem: Ansaugtrakt und Abgasrückführung auf Ablagerungen prüfen, da sie die Leistung beeinträchtigen können. Toyota Auris und Corolla Hybrid: Preisvorteil ab 140.000 Kilometern Die Hybridvarianten des Toyota Auris Touring Sports und seines Nachfolgers, des Corolla, gehören zu den Gebrauchtwagen, bei denen hohe Laufleistungen selten ein Ausschlusskriterium sind. Das Hybridsystem kommt ohne klassische Kupplung aus und gilt bei guter Wartung als sehr langlebig. Je nach Wartungshistorie und Herstellerbedingungen bietet der Hersteller eine verlängerte Absicherung von bis zu 15 Jahren an. Ab etwa 140.000 Kilometern wird der Kauf preislich besonders interessant. Checkliste für den Kauf: Bordsystem: Die kleine 12-Volt-Batterie prüfen, da sie sich bei längeren Standzeiten schnell entladen kann. Bremsen: Die hinteren Bremsen genau ansehen. Sie werden seltener beansprucht und können festrosten. Hybridsystem: Das Kühlgebläse der Hybridbatterie sollte frei von Staub und Haaren sein. Ein aktuelles Zertifikat gibt Auskunft über den Zustand der Hochvoltbatterie. BMW 520d: Preisvorteil ab 150.000 Kilometern Beim BMW 520d sind vor allem die überarbeiteten F10/F11-Modelle der Baujahre 2013 bis Anfang 2017 interessant. In vielen Fahrzeugen ab Ende 2014 arbeitet der 190 PS starke B47-Diesel. Zudem bieten viele dieser Fahrzeuge ein moderneres Infotainmentsystem und eine robuste Achtgangautomatik. Die Preise bleiben zwischen 110.000 und 150.000 Kilometern trotz steigender Laufleistung weitgehend stabil und liegen im Durchschnitt bei 17.800 bis 18.100 Euro. Erst ab 150.000 Kilometern fällt der durchschnittliche Angebotspreis deutlich auf rund 16.600 Euro. Die Checkliste für den Kauf: Wartung: Unbedingt auf ein lückenloses Scheckheft achten. Motor: Ein hörbares Rasseln beim Kaltstart kann auf ein Problem mit der Steuerkette hinweisen. Fahrwerk beim Touring: Die Luftfederung an der Hinterachse prüfen. Sinkt das Heck nach längerer Standzeit sichtbar ab, kann ein Luftbalg undicht sein. Mazda 6 Kombi: Preisvorteil ab 150.000 Kilometern Der Mazda6 Kombi richtet sich an Vielfahrer, die keinen Diesel suchen. Empfehlenswert sind die Modelle aus den Jahren März 2015 bis Mai 2018 mit dem 165 PS starken 2,0-Liter- oder dem 192 PS starken 2,5-Liter-Skyactiv-G-Benzinmotor. Beide Motoren kommen ohne Turbolader aus. Bis 150.000 Kilometer entwickeln sich die Preise uneinheitlich. Ab 150.000 bis 160.000 Kilometern gibt der Preis dann deutlich nach. Im Schnitt kostet ein Mazda6 Kombi in diesem Bereich rund 15.400 Euro. Die Checkliste für den Kauf: Karosserie: Den Unterboden auf einer Hebebühne auf Rost an Achsträgern und tragenden Teilen prüfen. Motorlauf: Schwankende Leerlaufdrehzahlen können auf Ablagerungen im Ansaugsystem oder Probleme an den Dichtungen der Einspritzanlage hindeuten. Was einen guten Langstreckenläufer ausmacht Für Käufer ist die entscheidende Lehre: Nicht hohe Kilometerstände sind das primäre Problem, sondern mangelnde Wartung, Kurzstreckenbetrieb und ignorierte Schwachstellen. Unabhängig vom Modell gibt es allgemeine Merkmale, die auf einen zuverlässigen Gebrauchtwagen hindeuten: Konstruktion: Motoren mit ausreichend Hubraum und moderater Leistung arbeiten auf langen Strecken meist entspannter als kleinere, hochgezüchtete Aggregate. Getriebe: Robuste Automatik- oder spezielle Hybridgetriebe mit nachweisbarer Wartung halten oft sehr lange. Substanz: Ein wirkungsvoller Rostschutz und eine solide Karosserie sind wichtig, da Korrosion an tragenden Teilen beim Gebrauchtwagenkauf oft lange unentdeckt bleibt. Verschleißteile: Fahrwerksteile wie Querlenkerbuchsen, Koppelstangen und Stoßdämpfer verschleißen erfahrungsgemäß zwischen 120.000 und 150.000 Kilometern, was Käufer beim Preis berücksichtigen sollten. Innenraum-Check: Der Zustand des Innenraums gibt ebenfalls Hinweise auf das Fahrprofil. Knarzgeräusche, ein extrem abgegriffenes Lenkrad oder stark abgenutzte Pedalgummis deuten oft auf ein Kurzstreckenauto mit höherem Verschleiß hin. Ein gepflegtes Interieur trotz hoher Laufleistung spricht dagegen eher für einen schonenden Langstreckenbetrieb. Gebrauchtwagenpreise sinken – außer bei E-Autos Der deutsche Gebrauchtwagenmarkt hat im August 2026 zum sechsten Mal in Folge nachgegeben. Laut AutoScout24 sank der Durchschnittspreis dabei um 0,5 Prozent auf 26.863 Euro. Eine Ausnahme bildeten gebrauchte Elektroautos. Ihr Durchschnittspreis stieg um 1,3 Prozent auf rund 38.200 Euro. Der Grund ist eine gestiegene Nachfrage, während das Angebot nur leicht zunahm.