Schweden im Kriegsfall: So bereitet sich die Bevölkerung vor
Schweden sollen sich auf Krisen und Krieg vorbereiten. Eine staatliche Broschüre zeigt, welche Bedrohungen drohen und wie der Alltag im Ernstfall geregelt wird. "Die militärischen Bedrohungsstufen nehmen zu. Wir müssen auf das schlimmste Szenario vorbereitet sein – einen bewaffneten Angriff auf Schweden ." Mit diesen deutlichen Worten leitet die Myndigheten för samhällsskydd och beredskap (MSB, schwedische Behörde für Zivilschutz und Bereitschaft) ihre Broschüre ein. Sie trägt den Titel "Om krisen eller kriget kommer" (auf Deutsch: Wenn die Krise oder der Krieg kommt). Das 32-seitige Heft liegt in fast jedem schwedischen Haushalt bereit und informiert darüber, wie sich die Einwohner auf einen Katastrophenfall vorbereiten sollen und mit welchen staatlichen Eingriffen sie rechnen müssen. Diese Gefahren sieht die schwedische Regierung Auf den ersten Seiten erklären die Autoren, mit welchen Bedrohungen die schwedische Bevölkerung künftig rechnen muss. Neben bewaffneten Konflikten sind dies beispielsweise Cyberangriffe, Desinformationskampagnen, Terrorismus und Sabotage. Sie sollen dazu dienen, die schwedische Gesellschaft zu beeinflussen und zu untergraben. Aber auch extreme Wetterereignisse, gefährliche Krankheitserreger, Ausfälle wichtiger IT-Systeme und Organisierte Kriminalität können zum Katastrophenfall werden, auf den sich die Bevölkerung vorbereiten muss. Jeder erfüllt in der Krise eine Funktion Neben der Warnung verdeutlicht die MSB, dass "alle zur Widerstandsfähigkeit Schwedens beitragen." Der Gemeinschaftssinn und die gegenseitige Unterstützung stehen trotz Katastrophen und Krisen weiterhin im Vordergrund. Dies kann in Form von Blutspenden oder Erster Hilfe sein. Gegenseitige Unterstützung bedeutet auch, dass bei einem erhöhten Alarmzustand Zivilisten dazu aufgefordert werden, in verschiedenen Funktionen zu dienen. Dies kann auch bedeuten, dass Menschen, die in systemrelevanten Sektoren arbeiten (Rettungskräfte, Müllwerker, Lehrer) trotz Katastrophenfall arbeiten müssen. Kommt es zusätzlich noch zu einem Verteidigungsfall, ist jeder zwischen 16 und 70 Jahren gesetzlich dazu verpflichtet, aktiv zur Verteidigung des Landes beizutragen – dazu zählen schwedische Staatsbürger und Personen, die dauerhaft in Schweden wohnhaft sind. In Deutschland gibt es eine derart strenge Regel nicht. Notvorrat Wie auch in Deutschland ist in Schweden die Bevölkerung dazu angehalten, einen Vorrat anzulegen . Dabei soll daran gedacht werden, dass dieser gegebenenfalls auch mit anderen geteilt werden kann – beispielsweise Nachbarn. Insgesamt soll der Notvorrat ausreichen, um mindestens eine Woche eigenständig zurechtkommen zu können. Bei der Auswahl der Lebensmittel und Utensilien soll auf spezifische Bedürfnisse geachtet werden. Pro Tag empfiehlt die Broschüre einen Wasservorrat von drei Litern pro Person – in Deutschland liegt die Empfehlung bei 1,5 Litern plus 0,5 Liter Wasser zum Kochen. Sinnvoll kann es auch sein, (stilles) Wasser in Plastikflaschen zu kaufen und dieses in den Gefrierschrank zu legen. Im Notfall können sie dann als Kühlpack dienen – wenn der Strom nicht ausgefallen ist. Hab und Gut sichern: Drohende Überschwemmung: Das sollten Hausbesitzer tun Bei der Lebensmittelwahl sollen Schweden auf haltbare Lebensmittel achten. Dazu zählen: Haltbare Lebensmittel: Getreide, Müsli, Nudeln, Reis, Couscous, Instant-Kartoffelpüree, Milchpulver, Tortillas, Knäckebrot, Cracker, Salz und Gewürze. Konserven : Tomaten , Gemüse, Obst und Fertiggerichte. Eiweißreiche Lebensmittel: Getrocknetes oder konserviertes Fleisch und Fisch, Kichererbsen, Bohnen, Linsen und Käse in der Tube. Fettreiche Lebensmittel: Speiseöl, Pesto, getrocknete Tomaten in Öl, Tapenade, Erdnussbutter, Nüsse und Samen. Schnelle Energiequellen: Fruchtpudding, Marmelade, Schokolade, Honig, Proteinriegel und Trockenfrüchte. Getränke : Kaffee, Tee, heiße Schokoladenmischung, Heidelbeer- und Hagebuttensuppe, Saft oder Milch. Lebensmittel für Kinder (bei Bedarf) Tiernahrung (bei Bedarf) Es wird auch empfohlen, Obst und Gemüse im Garten, auf dem Balkon oder auf der Fensterbank anzubauen . Zusätzlich soll genügend Bargeld für mindestens eine Woche – vorzugsweise in verschiedenen Stückelungen – im Haus sein. Da auch die Toilettenspülung im Krisenfall unter Umständen nicht funktioniert , rät die MSB, Folgendes zu bevorraten: Toilettenpapier Feuchttücher , Handdesinfektionsmittel Windeln, Menstruationsbinden Plastiktüten oder Mülltüten Kompoststreu oder Sägemehl Eimer mit Deckel Es könne weiterhin in die Toilette uriniert werden, Toilettenpapier oder/und Kot gehören hier jedoch nicht mehr hinein, heißt es. Sie sollen in dem Mülleimer (mit Deckel) entsorgt werden. Checkliste: Notvorrat für drei Tage: Diese Lebensmittel sollten Sie da haben Weitere nützliche Dinge, die den Notfallvorrat abrunden, sind: Campingkocher, Gasbrenner, Brennstoff Hausapotheke, Erste-Hilfe-Set Streichhölzer, Feuerzeug Taschenlampe, Stirnlampe Dosenöffner Benzin im Autotank oder eine geladene E-Auto-Batterie Zusätzlich sollten Bürger einen Notfallrucksack mit den wichtigsten Dokumenten, etwas zu trinken und essen parat haben. Schutzräume Notvorrat: Diese Lebensmittel sind in Finnland Pflicht In bestimmten Situationen sind die Schweden dazu aufgerufen, Zivilschutzbunker aufzusuchen. Jeder Bürger ist bereits einem bestimmten Schutzraum zugeordnet. In Schweden gibt es allerdings nur Plätze für 65.000 Menschen – die Einwohnerzahl liegt bei rund 10,5 Millionen. Dass es eine derartige Differenz gibt, wird häufig kritisiert. Die Schutzräume sind mit einem speziellen Schild gekennzeichnet – ein blaues Dreieck in einem orangefarbenen Rechteck. Dieses Symbol ist das internationale Schutzzeichen des Zivilschutzes. Mit der Broschüre "Om krisen eller kriget kommer" und konkreten Maßnahmen wie Notvorräten, Schutzräumen und der Einbindung der Zivilgesellschaft zeigt Schweden, wie ein Land sich auf das Undenkbare vorbereiten kann. Dabei ist klar: Sicherheit und Widerstandsfähigkeit sind eine gemeinsame Aufgabe, die jeden Einzelnen betrifft.
