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Moderatorin Birgit Lechtermann: "Da blieb mir das Herz stehen"

Birgit Lechtermann wurde als Moderatorin der Kindersendung "1, 2 oder 3" bekannt. Heute setzt sie sich auf ganz andere Art für Kinder ein, wie sie t-online berichtet. Jahrelang prägte Birgit Lechtermann mit der Kindershow "1, 2 oder 3" den Sonntag junger Fernsehzuschauer. Zwar endete das TV-Engagement für sie nach 112 Sendungen im Jahr 1995, doch abseits des Fernsehens bleibt die Moderatorin dem Thema bis heute verbunden. Seit vielen Jahren engagiert sich Lechtermann für Kinder – und im Besonderen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr . Wie wichtig ihr Engagement sein kann, zeigte kürzlich eine Situation, die sie an einer Grundschule in der Nähe ihres Hauses in Köln beobachtete. Laut Lechtermann ging sie nur mit Glück glimpflich aus. Als ein Kind den Zebrastreifen betrat, sei ein Auto angerast. "Dieser Fahrer oder diese Fahrerin hat nicht abgebremst und ist einfach durchgefahren", sagt die 66-Jährige im Gespräch mit t-online. Das Kind habe im letzten Augenblick einen Schritt zurück gemacht. "Ich war wirklich entsetzt und dachte, mir bleibt das Herz stehen." Alle 18 Minuten verunglückt ein Kind im Straßenverkehr Es ist eine Szene, in der sich für Lechtermann vieles bündelt, was beim Thema Verkehrssicherheit aus ihrer Sicht schiefläuft. Kinder müssten lernen, Gefahren einzuschätzen. Erwachsene wiederum müssten sich viel mehr bewusst machen, dass Kinder dazu nicht im selben Maß in der Lage sind. "Kein gutes Jahr": Acht Menschen sterben pro Tag im Straßenverkehr Viele machen sie täglich: Acht Fehler am Steuer, die lebensgefährlich sind Wie groß das Problem ist, zeigen die aktuellen Zahlen des Bundesverkehrsministeriums: 29.273 Kinder verunglückten 2025 in Deutschland im Straßenverkehr. 74 von ihnen kamen ums Leben. Umgerechnet verunglückte damit im vergangenen Jahr durchschnittlich etwa alle 18 Minuten ein Kind im deutschen Straßenverkehr. Lechtermann sieht darin weit mehr als eine abstrakte Statistik: "Diese vielen Unfälle darf man wirklich nicht aus dem Blick verlieren." Ihre erste einschneidende Erfahrung mit dem Thema machte sie als kleines Mädchen. Lechtermann sei im Alter von vier oder fünf Jahre immer selbstständig mit dem Roller in den Kindergarten gefahren. Dort angekommen, stürzte sie eines Tages vom Klettergerüst und zog sich eine Kopfverletzung zu. "Ich habe extrem stark geblutet", erinnert sie sich. Die damaligen Erzieherinnen schickten das verletzte Mädchen allein mit dem Roller nach Hause. Lechtermann sei mit der blutenden Kopfverletzung losgefahren. Dabei musste sie auch Straßen überqueren. "Ich war ja wirklich abgelenkt durch diese Kopfwunde", sagt sie. "Das Blut tropfte mir ins Gesicht." Ihre Eltern waren entsetzt und glaubten zunächst, die Verletzung stamme von einem Unfall mit dem Roller. "Ich habe sie selten so aufgebracht und aufgelöst erlebt", sagt Lechtermann. Ihre Eltern zogen Konsequenzen. Lechtermann wechselte den Kindergarten. Vor allem aber begann ihre Mutter, ihr Verkehrsregeln einzuschärfen. "Ich weiß, wie intensiv meine Eltern diesen ganzen Straßenverkehr mit mir geprobt haben." Biggi, die Rennfahrerin Dennoch machte Lechtermann später keinen großen Bogen um Fahrzeuge. Ganz im Gegenteil. "Ich war total heiß auf den Führerschein", sagt sie. Pünktlich an ihrem 18. Geburtstag bekam sie ihre Fahrerlaubnis ausgehändigt. Autofahren habe ihr "einfach viel Spaß gemacht". Lechtermann wurde sogar zur Rennfahrerin. Sie fuhr Prominentenrennen auf bekannten Strecken. Besonders lebhaft erinnert sie sich an ein Rennen auf dem Hockenheimring. Vor der Einfahrt ins Motodrom gerieten zwei Fahrzeuge unmittelbar vor ihr aneinander. Einer der Fahrer war Schauspieler Claus Theo Gärtner, bekannt als Privatdetektiv Matula aus der ZDF-Krimireihe "Ein Fall für zwei", der andere Trainer-Legende Peter Neururer. Lechtermann musste binnen Sekunden entscheiden: bremsen oder beschleunigen? "Ich habe mich dafür entschieden, Gas zu geben." Sie rechnete damit, dass die beiden Autos nach links und rechts wegdriften würden, und steuerte durch die entstehende Lücke. "Ich bin zwischen den beiden Autos mit Vollgas durchgefahren und als Erste unter dem jubelnden Applaus der Zuschauer in das legendäre Motodrom gefahren." Ein Unfall wurde zum einschneidenden Erlebnis Doch so erfolgreich verlief nicht jeder Ausflug. Als sie mit Anfang 20 bei Radio Luxemburg arbeitete, fuhr sie an den Wochenenden häufig zu ihren Eltern nach Gütersloh . Auf einem Streckenabschnitt zwischen der Eifel und Luxemburg lernte sie eines Tages, wie nah Glück und Unglück beieinander liegen können. "Auf der Gegenfahrbahn kamen mir auf dem Dach liegende Autos entgegen", erinnert sie sich. Erst habe sie irritiert hinterhergeschaut, dann sei sie auf die Bremse getreten. "In dem Moment drehte sich mein Auto. Es war spiegelglatt." Lechtermanns Wagen schleuderte und nahm zwei der schwarz-weißen Begrenzungspfosten mit. Schließlich kam das Auto abseits der Fahrbahn zum Stehen. "Als ich mit beiden Füßen auf der Fahrbahn stand, bin ich direkt weggerutscht und auf meinem Hintern gelandet. Blitzeis." Später habe sie erfahren, dass in jener Nacht zahlreiche Unfälle passiert sind. Lechtermann selbst war mit einem Schrecken und einem beschädigten Auto davongekommen. "Da habe ich noch Glück gehabt." Das Erlebnis sei für sie prägend gewesen. Gerade bei schwierigen Witterungsverhältnissen passe sie seitdem besonders auf. Eine Frau, die mit Vollgas durch eine Lücke auf dem Hockenheimring gefahren ist, spricht heute eindringlich über vorsichtiges Fahren. Für Lechtermann ist das kein Widerspruch. "Ich bin zwar früher sogar Autorennen gefahren, aber umso mehr habe ich ein geschärftes Bewusstsein für Gefahrensituationen", sagt sie. Man müsse wissen, wann man "wirklich hart auf die Bremse treten" und wann man besonders vorsichtig fahren müsse. Pauschale Verbote sind dabei nicht ihr bevorzugtes Mittel. Das gilt auch für E-Scooter. Lechtermann sieht sie als eine zusätzliche Gefahrenquelle, insbesondere wenn junge Menschen damit unterwegs sind und sich der Geschwindigkeit und der geltenden Verkehrsregeln nicht ausreichend bewusst sind. Verbieten würde sie die Fahrzeuge deshalb aber nicht. "Ich bin ja kein Freund von Verboten generell", sagt sie. "Ich bin eher eine Freundin der Aufklärung." Das Comeback eines Außerirdischen Damit schließt sich für Lechtermann ein Kreis, der vor rund 30 Jahren begann. Damals entwickelte sie F.R.E.D.I. Flizzer. Die Figur sollte Kindern spielerisch Verkehrsregeln vermitteln. Die Idee: Ein kleiner Außerirdischer landet auf der Erde – mitten auf einer Verkehrsinsel. Auf seinem Heimatplaneten gibt es keinen Straßenverkehr. F.R.E.D.I. steht deshalb vor demselben Problem wie ein Kind, das zum ersten Mal allein mit Autos, Ampeln und Zebrastreifen konfrontiert wird. Genau diese Ahnungslosigkeit sei der entscheidende Kniff gewesen. "Dieser Außerirdische muss den Straßenverkehr ja auch erst lernen, genau wie Kinder! Und was ist denn bitte cooler, als mit ihm zusammen zu lernen." Gemeinsam mit einer Band wurden Verkehrsregeln damals in Geschichten und Songs verpackt. Mehr als zwei Millionen Mal wurden die Tonträger verkauft. Heute, drei Jahrzehnte nach der ersten Veröffentlichung auf CD, feiert das Projekt in digitaler Form ein Comeback. "Wir möchten damit aktiv Aufmerksamkeit für die das Thema Verkehrssicherheit bei Kindern und Eltern schaffen, um die hohen Unfallzahlen wieder zu senken", sagt Lechtermann. Die Einnahmen sollen nach ihren Angaben gemeinsam mit ihrem Engagement als Botschafterin bei der Stiftung "It's for Kids" für Verkehrssicherheitsprojekte eingesetzt werden – etwa für Projekte an Schulen oder möglicherweise ein Musical zum Thema Verkehrssicherheit. Womöglich führt das auch dazu, dass Szenen wie die am Zebrastreifen in Lechtermanns Wohngegend künftig vermieden werden.