Studie deckt auf: Hier steckt die größte Gefahr im Neuwagen
Motoren und Bremsen werden immer zuverlässiger. Doch ausgerechnet die moderne Technik im Cockpit wird oft zum Risikofaktor. Eine Untersuchung deckt das Problem auf. Das Infotainment ist der größte Problemherd in neuen Autos: Ein Viertel aller Mängel entfällt inzwischen auf diesen Bereich. Zu diesem Ergebnis kommt das US-amerikanische Marktforschungsunternehmen J.D. Power. Dafür befragten die Experten 78.514 Neuwagenkäufer nach einer Besitzzeit von 90 Tagen. Damit bleibt der Multimediabereich der problematischste Bereich im Fahrzeug. J.D. Power erfasste in diesem Segment 42,4 Probleme je 100 Fahrzeuge – ein Wert, der praktisch unverändert auf dem Niveau des Vorjahres liegt. Da sich die Werte anderer Fahrzeugbereiche jedoch kontinuierlich verbessern, steigt der relative Anteil des Infotainments an allen gemeldeten Problemen auf ein Viertel. Die fünf am häufigsten genannten Einzelprobleme in der gesamten Untersuchung stammen der Studie zufolge allesamt aus diesem Segment. Erwartungen steigen schneller als die Qualität Dieser Befund bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Technik der Infotainment- und Multimediasysteme schlechter wird. Vielmehr übernimmt sie im Auto immer mehr Aufgaben. Moderne Displays bündeln etwa Navigation, Smartphone-Anbindung, Mediensteuerung, Klimafunktionen, Kamerabilder, Fahrmodi und Fahrzeugeinstellungen. Damit steigen auch die Erwartungen der Nutzer: Was früher als Zusatzfunktion galt, wird heute als selbstverständlich vorausgesetzt. Ein System, das langsam startet, abstürzt, die Verbindung zum Smartphone verliert oder Funktionen in Untermenüs versteckt, fällt im Alltag stärker auf als ein klassischer mechanischer Schalter, der schlicht funktioniert. J.D. Power beschreibt genau diesen Wandel: Qualitätsprobleme verschieben sich zunehmend von reinen Hardwaredefekten hin zu Systemkomplexität, unzureichender Softwareleistung und Konnektivitätsproblemen. Der Touchscreen verschärft das Problem Viele Hersteller bündeln immer mehr Funktionen auf großen Touchscreens. Das spart physische Tasten, ermöglicht nachträgliche Updates und schafft ein modernes Cockpitdesign. Für Fahrer kann es jedoch schwieriger werden, einfache Funktionen während der Fahrt schnell und ohne hinzusehen zu bedienen. Was im Stand kaum stört, kann unterwegs zum Ärgernis werden. Wenn die Sitzheizung, die Klimaanlage oder die Lautstärke erst über verschachtelte Menüs erreichbar ist, steigt die Ablenkung am Steuer. Deshalb sperren manche Systeme bestimmte Funktionen während der Fahrt ganz bewusst oder weisen den Fahrer über Warnmeldungen auf die mögliche Ablenkung hin. Nicht alles wird schlechter Die Studie zeigt allerdings auch Fortschritte. So verbessert sich beispielsweise die Zufriedenheit der Nutzer mit den integrierten Navigationssystemen deutlich: J.D. Power verzeichnet hier einen Anstieg um 17 Punkte auf 933 von 1.000 möglichen Punkten. Diese Verbesserung geht vor allem auf weniger Beschwerden über die Bedienbarkeit und die Genauigkeit zurück. Das zeigt: Hersteller können digitale Funktionen erfolgreich nachbessern. Allerdings reicht das aktuelle Entwicklungstempo nicht aus, um mit der wachsenden Bedeutung des gesamten Infotainments Schritt zu halten. Softwarequalität wird zur neuen Fahrzeugqualität Für Hersteller bedeutet das ein Umdenken. Denn die Qualität eines Autos hängt nicht mehr nur von Motor und Fahrwerk ab. Sie entscheidet sich auch im Menüdesign, im Zusammenspiel mit der App, bei der Bluetooth-Verbindung und der Geschwindigkeit des Bildschirmstarts. Wer in diesen Bereichen schwächelt, erzeugt beim Kunden Verärgerung – selbst wenn der mechanische Rest des Autos zuverlässig funktioniert.
