Oldtimer: Diese fünf Modelle gewinnen stark an Wert
Mehr als 888.000 historische Fahrzeuge sind in Deutschland zugelassen. Während der Markt nur moderat wächst, steigen die Werte einzelner Modelle deutlich – bis hin zur Verdopplung. Wer heute seinen ersten Oldtimer kauft, sucht in der Regel Sicherheit. Doch die alte Strategie "Kaufen und Abwarten" funktioniert nicht mehr. Die Masse der zugelassenen historischen Fahrzeuge bewegt sich preislich kaum noch. Dynamik gibt es vor allem dort, wo das Risiko hoch ist. Das beste Beispiel ist der aktuelle Spitzenreiter der Wertung: ein exzentrischer Dreisitzer, der in der Szene als "biologisch abbaubar" verspottet wird. Hier sind die fünf Modelle mit dem größten Wertzuwachs. Matra Bagheera (+98,6 Prozent) Der Matra Bagheera fiel schon 1973 durch seine ungewöhnliche Konstruktion mit drei Sitzen nebeneinander auf. Unter der Kunststoffkarosserie verbirgt sich jedoch eine sehr rostanfällige Stahlstruktur. Der statistische Wertzuwachs von fast 100 Prozent ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Gerade bei sehr seltenen Modellen reichen bereits wenige Verkäufe von perfekt erhaltenen Spitzenfahrzeugen aus, um den rechnerischen Marktwert in die Höhe zu treiben. Eine automatische Rendite für jeden Besitzer bedeutet das nicht. Dem theoretischen Wertzuwachs stehen im Alltag meist enorme Restaurierungskosten und eine schwierige Ersatzteillage gegenüber. Ford Taunus 20M (+23,8 Prozent) Der Ford Taunus 20M steht für die klassische deutsche Mittelklasse der späten 1960er-Jahre. Er ist mit einem V6-Motor und Heckantrieb ausgestattet. Gefragt sind heute fast ausschließlich Fahrzeuge im unberührten, unverbastelten Originalzustand. Renault R4 (+12,0 Prozent) Der Renault R4 brachte ab 1961 praktische Mobilität auf die Straße. Seine einfache Technik, die große Heckklappe und der hohe Nutzwert machten den robusten Franzosen zum Massenphänomen. Heute führt genau diese schlichte Zweckmäßigkeit dazu, dass der Wagen bei Sammlern wieder begehrt ist. Ford Capri I 2000 GT (+11,1 Prozent) Der Ford Capri I galt als erschwinglicher Sportwagen für jedermann und erhielt so den Beinamen "europäischer Mustang" (benannt nach dem berühmten US-Modell). Das aktuelle Plus von 11,1 Prozent beruht auf einem einfachen Grund: Da viele Fahrzeuge über Jahrzehnte im Alltag stark beansprucht, umgebaut oder verschlissen wurden, sind unverbastelte und gut erhaltene Exemplare heute eine Seltenheit. VW Typ 181 (+6,9 Prozent) Der VW Typ 181 Kurierwagen wurde ab 1968 zunächst ausschließlich für die Bundeswehr produziert. Ab 1969 wurde er auch zivilen Käufern angeboten. Das spartanische Mehrzweckfahrzeug basiert auf der robusten und wartungsfreundlichen Plattform des Käfers. Genau diese unkomplizierte Technik stellt sicher, dass der Wagen im Alltag gut zu unterhalten ist und beim Marktwert weiter aufholt. Die zehn häufigsten Oldtimer in Deutschland Während seltene Exoten im Preis prozentual stark zulegen können, dominieren in der Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes vor allem die bekannten Erfolgsmodelle vergangener Jahrzehnte. Das sind die zehn häufigsten Baureihen mit historischem Status in Deutschland: VW Golf: knapp 109.000 Exemplare Mercedes W124: die "mittlere Baureihe" (später E-Klasse), über 100.000 Exemplare VW Bulli: rund 65.000 Exemplare, erfasst in den Modellreihen T1 bis T4 BMW 3er: etwa 63.000 Exemplare, vertreten durch E21, E30 und E36 VW Käfer: rund 57.000 Exemplare Mercedes SL: rund 50.000 Exemplare, vor allem R107 und R129 Mercedes 190: etwa 45.000 Exemplare, besonders gefragt sind die 16-Ventiler-Versionen Audi 80 und 90: gemeinsam rund 41.000 Exemplare Porsche 911: knapp 39.000 Exemplare Trabant: rund 35.000 Exemplare Was beim Kauf zählt Wer angesichts stabiler Werte selbst einsteigen möchte, sollte nüchtern kalkulieren. Ein Oldtimer ist schließlich kein liquides Wertpapier, sondern ein wartungsintensives Hobby. Das Wunschmodell muss zum eigenen Alltag passen. Wer sportlich fahren möchte, wird eher bei Coupés oder Roadstern fündig. Wer hingegen Komfort bevorzugt, ist mit einer Limousine oft besser bedient. Für einen unkomplizierten Start eignen sich Alltagsautos gängiger deutscher oder japanischer Marken meist besser als seltene Exoten. Der Grund ist einfach: Ersatzteile sind leichter zu beschaffen, Werkstätten besitzen das nötige Fachwissen und die Technik ist gut dokumentiert. Auch beim Budget sollten Käufer realistisch bleiben. Nicht das gesamte Geld darf in den Kaufpreis fließen. Ein relevanter Teil gehört als Reserve für Wartung, Verschleißteile und unvorhergesehene Reparaturen zurückgelegt. Gerade bei älteren Fahrzeugen fallen nach dem Kauf schnell Arbeiten an Bremsen, Fahrwerk oder Elektrik an. Deshalb gilt die alte Regel: Der Zustand ist wichtiger als der Einstiegspreis. Wer nicht selbst schrauben kann oder keine eigene Werkstatt hat, fährt mit dem teureren, aber besser erhaltenen Fahrzeug fast immer wirtschaftlicher. Ein niedriger Kaufpreis ist schnell aufgezehrt, wenn versteckter Rost oder aufgestaute Reparaturen hinzukommen. Vor dem Kauf lohnt sich ein gründlicher Preisvergleich über Portale, Fachmagazine und Markenklubs. Wer sich noch unsicher ist, sollte das Wunschmodell vor dem Kauf möglichst ausführlich Probe fahren. Erst in der Praxis zeigt sich, ob Bedienung, Fahrverhalten und Komfort zu den eigenen Erwartungen passen. Denn ein Oldtimer ist selten praktisch, selten perfekt und fast nie so bequem wie ein modernes Auto. Aber genau deshalb ist er für viele mehr als nur ein Fortbewegungsmittel.
