Bentley Torcal: Erstes Elektro-SUV der Marke klingt wie ein V8
Bentley bringt sein erstes Elektroauto auf die Straße. Der Torcal soll die Traditionen der britischen Luxusmarke ins E-Zeitalter übertragen und geht dabei an einigen Punkten ungewöhnliche Wege. Es hat etwas länger gedauert als bei vielen Konkurrenten, doch nun fährt auch Bentley elektrisch: Mit dem Torcal hat die britische VW-Tochter in London ihr erstes reines Elektroauto vorgestellt. Der Torcal wird damit zur vierten Modellreihe der Briten. Das etwas größere SUV Bentayga mit Verbrennungs- und Hybridantrieben ersetzt er allerdings nicht: Es soll weiterhin angeboten werden. Technisch nutzt der Torcal eine 800-Volt-Architektur für schnelles Aufladen. Die Batterie hat eine nutzbare Kapazität von 113 Kilowattstunden und soll Reichweiten von bis zu 600 Kilometern ermöglichen. An einer entsprechend leistungsfähigen Schnellladesäule nimmt das Auto laut Bentley bis zu 400 Kilowatt auf. Damit soll sich der Ladestand in 16 Minuten von 10 auf 80 Prozent erhöhen lassen. Sieben Minuten Ladezeit sollen für weitere 161 Kilometer reichen. Bis zu 888 PS im Torcal S Angetrieben wird das SUV von zwei Elektromotoren. Im Basismodell leisten sie zusammen 821 PS und stellen maximal 1.194 Newtonmeter Drehmoment bereit. Den Sprint von 0 auf 100 km/h für das rund drei Tonnen schwere Fahrzeuge gibt Bentley mit 3,4 Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit mit 250 km/h. Beim Torcal S steigt die Leistung auf 888 PS und das Drehmoment auf 1.350 Newtonmeter. Mit aktivierter Launchcontrol soll er in 2,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigen und maximal 260 km/h erreichen. Zur technischen Ausstattung gehört auch ein neu entwickeltes aktives Fahrwerk. Die Dämpfer können einzeln angesteuert werden und sollen dadurch Wankbewegungen der Karosserie reduzieren. Serienmäßig besitzt der Torcal außerdem eine Hinterachslenkung. Die Hinterräder schlagen um bis zu fünf Grad ein, wodurch der Wendekreis trotz der Fahrzeuglänge bei 11,1 Metern liegen soll. Mehr Platz, als die Länge vermuten lässt Apropos Länge: Mit fünf Metern ist der Torcal der bislang kürzeste Viertürer im Bentley-Programm. Der Kofferraum fasst nach Herstellerangaben mindestens 460 Liter. Hinzu kommen 90 Liter Stauraum unter der Fronthaube. Im Innenraum bleibt Bentley bei einer Mischung aus digitalen und klassischen Bedienelementen. In Mittelkonsole und Lenkrad gibt es weiterhin physische Schalter. Gleichzeitig setzt die Marke auf gebogene OLED-Displays und ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktionen. Die serienmäßigen Sitze lassen sich 16-fach elektrisch verstellen und bieten Heizung, Belüftung sowie eine Massagefunktion. Optional passt ein System die Sitzflächen während der Fahrt kontinuierlich an und steuert auch Heizung und Belüftung automatisch. Bei den Materialien ergänzt Bentley Leder, Holz und Aluminium unter anderem um Merinowolle. Für weitere Oberflächen kommen Walnussholzreststücke und recyceltes Papier zum Einsatz. Der Elektro-Bentley bekommt seinen eigenen Klang Ganz auf ein typisches Bentley-Merkmal wollten die Entwickler trotz Elektroantrieb nicht verzichten: den Klang. Für den Torcal wurde deshalb ein eigener Antriebssound komponiert. Dabei orientierte sich das Team nach Angaben des Herstellers am Rhythmus des 6¾-Liter-V8 von Bentley. Allerdings wird dessen Klang nicht einfach elektronisch nachgebildet. Stattdessen kamen reale Instrumente zum Einsatz, darunter Schlagzeug, Bratschen und Bassgitarren. Daraus entstand eine Klangkulisse, die sich abhängig von Geschwindigkeit und angefordertem Drehmoment verändert. Im Sport-Modus wird sie lauter, sie lässt sich aber auch vollständig abschalten. Bentley hält an Verbrennern fest Mit dem Torcal beginnt für Bentley zwar die Elektroära, ein vollständiger Abschied vom Verbrennungsmotor ist damit aber nicht verbunden. Das ursprünglich angekündigte Verbrenner-Aus hat Firmenchef Frank-Steffen Walliser inzwischen verworfen. Bentley will elektrische Modelle parallel zu Verbrennern und Hybriden anbieten. Der Torcal wird in Crewe entwickelt und gebaut. Er soll im Sommer 2027 auf den Markt kommen und etwa 200.000 Euro kosten.
