Renault zeigt R8 Gordini Concept in Paris: Rallye-Legende als E-Auto
Lange vor der GTI-Ära machte Renault aus einer kleinen Familienlimousine einen Sportwagen. Mehr als 60 Jahre später greift der Hersteller die Idee des R8 Gordini wieder auf. Klein, kantig und mit dem Motor im Heck: Der Renault 8 war in den 1960er-Jahren zunächst eine Familienlimousine unter vielen. Doch 1964 machte Renault daraus gemeinsam mit dem Motorenspezialisten Amédée Gordini einen Sportwagen. Der R8 Gordini bekam mehr Leistung, die auffällige blaue Lackierung mit zwei weißen Streifen und machte sich nicht zuletzt bei Rallyes und im eigenen Markenpokal einen Namen. Mehr als 60 Jahre später greift Renault dieses Modell wieder auf. Renault hat den Wagen komplett im eigenen Designstudio entwickelt und zeigt ihn im Oktober auf dem Pariser Autosalon. Dabei beschränkt sich die Neuinterpretation nicht auf blaue Farbe und weiße Streifen. Renault übernimmt die eckigen Radhäuser, die vertiefte Linie entlang der Flanke und das Lüftungsgitter am Heck. Auch die sechs runden Leuchten an der Front spielen auf frühere Rallye-Versionen an. Die beiden weißen Gordini-Streifen ziehen sich bis in den Innenraum. Alpine A110 GTS im Abschieds-Test: Vor diesem Auto muss man sich verbeugen Gewaltiger Zuwachs: Diese Autos sind jetzt richtig wertvoll Die Proportionen haben mit der Limousine von damals dagegen nur noch wenig zu tun, stattdessen handelt es sich nun um ein Coupé. Das Concept Car ist 4,12 Meter lang, 1,88 Meter breit und 1,27 Meter hoch. Vorn stehen 19-Zoll-Räder in den Radhäusern, hinten sind es 20 Zoll. Die breitere Spur und die flache Karosserie rücken den Wagen optisch näher an ein modernes Rallyeauto als an eine Familienlimousine der 1960er-Jahre. Weniger ist mehr im Innenraum Auch im Innenraum setzt Renault auf Reduktion. Es gibt nur zwei Schalensitze, große Flächen aus gebürstetem Aluminium und mehrere digitale Rundinstrumente. Die Designer sprechen dabei von einer "Café-Racer"-Idee. Der Begriff stammt aus der Motorradszene und beschreibt den Ansatz, ältere Maschinen zu vereinfachen, Überflüssiges zu entfernen und technische Elemente stärker sichtbar zu machen. Beim R8 Gordini betrifft das unter anderem die Gestaltung des Armaturenbretts und die reduzierte Zahl an Bedienelementen. Technisch bleibt Renault ebenfalls beim Grundprinzip des historischen R8. Der Motor sitzt im Heck und treibt die Hinterräder an. Statt eines Vierzylinders arbeitet dort allerdings ein Elektromotor. Renault nennt 270 PS als Leistung. Vom Familienauto zum Sportmodell Der historische Renault 8 kam 1962 auf den Markt. Die viertürige Limousine gehörte zu einer damals verbreiteten Fahrzeugklasse mit Heckmotor. Zu ihren Konkurrenten zählten unter anderem Simca 1000, VW Käfer und NSU Prinz. Zwei Jahre später folgte der R8 Gordini. Renault und Amédée Gordini machten aus dem Serienmodell eine deutlich sportlichere Variante. Neben mehr Leistung bekam das Auto ein überarbeitetes Fahrwerk und die charakteristische Lackierung in Blau mit zwei weißen Streifen. So wurde aus der kompakten Limousine ein Fahrzeug, das sich sowohl für den Alltag als auch für Motorsportveranstaltungen eignete. Später entwickelte Renault das Modell weiter. Die stärkere 1300er-Version erhielt unter anderem vier Scheinwerfer und ein Fünfganggetriebe. Bei Rallyes erzielte der R8 mehrere Erfolge, zudem startete 1966 ein eigener Markenpokal. Hier kommt der Haken Trotz des Aufwands wird daraus kein neues Serienmodell. Renault bezeichnet den R8 Gordini Concept ausdrücklich als Stilübung. Damit unterscheidet sich das Projekt deutlich vom R5 Turbo 3E . Auch dort hat Renault ein historisches Sportmodell elektrisch neu interpretiert, den Wagen aber in eine Kleinserie überführt. Beim R8 Gordini bleibt es dagegen bei einem Einzelstück. Nach seinem Auftritt auf dem Pariser Autosalon soll der Wagen Teil der Renault-Sammlung werden. Der Hersteller plant, historische Fahrzeuge, Studien und weitere Exponate künftig im Museum "Renault Collections" in Flins zu zeigen.
