E-Scooter-Wurf auf Streifenwagen in Frankfurt: Gericht verurteilt Täter
Ein 30-Kilo schwerer E-Roller, ein Streifenwagen, zwei verletzte Polizisten: Das Landgericht Frankfurt verkündet sein Urteil. Es geht um versuchten Mord. Weil er in der Silvesternacht 2024/2025 von einer Brücke einen knapp 30 Kilogramm schweren E-Scooter gezielt auf einen voll besetzten Streifenwagen geworfen hat, ist ein junger Mann vom Frankfurter Landgericht wegen versuchten Mordes verurteilt worden. Der heute 18-Jährige habe gemeinsam mit weiteren jungen Männern Polizisten gezielt angegriffen und ihnen ernsthaft schaden wollen, sagte der Vorsitzende Richter. Auch zwei weitere junge Männer wurden verurteilt. Der Haupttäter wurde zu einer Jugendstrafe von insgesamt sieben Jahren verurteilt, dabei wurden bereits bestehende Strafen einbezogen. Der heute 18-Jährige stand zum Zeitpunkt der Tat unter Bewährung. Die beiden weiteren Angeklagten erhielten Jugendstrafen von sechs Jahren sowie vier Jahren und zehn Monaten. Molotow-Cocktails und Barrikaden Am Abend der Tat traf sich im Frankfurter Nordwesten eine Gruppe junger Männer. Ihr Ziel sei laut Urteil gewesen, Einsatzkräfte anzugreifen. Dafür seien Molotow-Cocktails und Barrikaden vorbereitet worden. Bereits im Vorjahr sei die Polizei angegriffen worden, der Vorsitzende Richter sprach von fast bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Die Gruppe habe ein Jahr später "noch einmal eins draufsetzen" wollen. Motive seien Missachtung der Polizei und Profilierung innerhalb der Gruppe gewesen. Der als Haupttäter verurteilte heute 18-Jährige bestritt die Tat. Er sei nicht die Person, die auf den Videoaufnahmen von der Fußgängerbrücke dabei zu sehen ist, wie sie den E-Scooter nach unten wirft, erklärten seine Verteidiger. Sie kündigten an, Revision zu beantragen. Gericht sieht choreografiertes Vorgehen Das Gericht stufte die Aussage des 18-Jährigen als nicht glaubhaft ein und verwies dabei unter anderem auf Videoaufnahmen und Zeugenaussagen. Der Vorsitzende Richter sprach bei dem Angriff auf den Streifenwagen von einem choreografierten Vorgehen. Den Scooter auf das Auto zu werfen, sei eine äußerst gefährliche Gewalthandlung gewesen. Die Tat forderte in dem Streifenwagen zwei Verletzte, das Auto wurde stark beschädigt. Der Vorsitzende Richter zitierte aus einem Gutachten, nachdem nur zwei Hundertstel Sekunden darüber entschieden hatten, dass der E-Scooter die Windschutzscheibe nicht durchschlug. Dies hätte die Unfallopfer töten können. Diese Gefahr sei dem Angeklagten bewusst gewesen. Nebenklage: "Tat hinterließ nachhaltige Spuren" Insgesamt war das Auto mit fünf Beamten besetzt, einer von ihnen trat in dem Prozess als Nebenkläger auf. Sein Mandant habe sich in eine andere Einheit versetzen lassen, weg von der Straße, sagte sein Verteidiger am Rande der Verhandlung. Die Tat habe bei seinem Mandanten nachhaltige Spuren hinterlassen. Es sei nur dem Zufall geschuldet, dass nicht noch mehr passiert sei. Ein heute 20-Jähriger wurde als Organisator der Taten verurteilt. Er bestritt diesen Vorwurf, äußerte über das Geschehen aber Bedauern, was das Gericht anerkannte. Der dritte Angeklagte, der heute 19 Jahre alt ist, wurde als Mittäter verurteilt. Er räumte ein, eine Flasche geworfen zu haben und entschuldigte sich dafür. Das Urteil ging über die Forderungen der Staatsanwaltschaft hinaus, die dreieinhalb bis sechs Jahre gefordert hatte. Der Prozess mit einer aufwendigen Beweisaufnahme hatte im November 2025 begonnen.
