Dortmund: Er floh in der Halbzeit – später trainierte er Götze
Ein vorgetäuschtes Leiden öffnet ihm den Weg in ein neues Leben. Jahrzehnte später muss der frühere BVB-Profi eine schwere Entscheidung treffen. Am 31. Juli 1981 geht Marcel Răducanu im Dortmunder Westfalenstadion zur Halbzeit in die Kabine – und kehrt nicht auf den Rasen zurück. Später spielte Răducanu selbst für die Borussia und eröffnete eine Fußballschule, in der auch Mario Götze trainierte. Zum 1. September habe er nach 32 Jahren aufgehört, bestätigte der 71-Jährige dem rumänischen Sportportal "ProSport" am 17. September. Die tägliche Arbeit auf dem Platz sei körperlich nicht mehr zu schaffen gewesen. Mit einer erfundenen Verletzung in die Freiheit Als Răducanu 1981 mit Rumäniens Nationalmannschaft zum Freundschaftsspiel gegen Borussia Dortmund anreiste, plante er nicht mehr in seine Heimat zurückkehren. Gemeinsam mit einem Freund hatte er seine Flucht vorbereitet, wie er 2012 dem "Tagesspiegel" erzählte. In der Pause ließ er sich das Knie bandagieren und klagte über Schmerzen. Als er allein in der Kabine war, griff er nach seiner Tasche und ging hinaus. Vor dem Stadion wartete der Freund im Auto; die beiden fuhren nach Hannover, wie der BVB in einem Rückblick schildert. "Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich auch im Westen Fußball spielen kann. Das war mein Traum", wird Răducanu dort zitiert. Doch nach der Flucht kam die Angst: Der rumänische Geheimdienst habe ihn am Telefon bedroht, berichtete Răducanu dem "Tagesspiegel". Borussia Dortmund habe daraufhin Personenschutz organisiert. Vom BVB-Profi zum Trainer junger Talente Auch sein sportlicher Neustart geriet ins Stocken. Răducanu unterschrieb zunächst einen Vorvertrag bei Hannover 96, danach einen Vertrag in Dortmund. Der BVB musste Hannover für die Abtretung der Rechte bezahlen. Răducanu wurde für ein Jahr gesperrt, heißt es im Vereinsrückblick. Von 1982 bis 1988 spielte er schließlich für die Borussia. 1994 eröffnete er seine Fußballschule in Dortmund. Dort bot er jungen Spielern zusätzliches Training neben der Ausbildung in ihren Vereinen an, wie die rumänische Sportzeitung "Gazeta Sporturilor" berichtet. Zu seinen Schülern gehörte Mario Götze, der später Deutschland mit seinem Tor im WM-Finale 2014 zum Titel schoss. "Ich habe nicht mehr die Kraft" Im August kündigte Răducanu das Ende der Schule an. "Ich habe nicht mehr die Kraft, jeden Tag auf dem Platz zu stehen", sagte er der "Gazeta Sporturilor". Er berichtete von Knie- und Rückenschmerzen sowie Herzproblemen. Ein wenig Training gibt er weiterhin. Gelegentlich arbeite er auf einem Platz nahe seinem Zuhause mit einzelnen Spielern, erzählte er "ProSport". Zu ihm kämen sowohl Kinder als auch 20-Jährige.
