Berlin: Schüsse vor Polizeigebäude – Polizei sieht Clan-Bezug
Vor einem Berliner Polizeigelände wird in der Nacht auf Montag einem Mann ins Bein geschossen. Die Polizei geht von einer Verbindung zur Clan-Kriminalität aus. Die Schüsse auf einen 22-Jährigen vor einem Polizeigebäude in Berlin-Moabit haben nach Angaben der Polizei einen Bezug ins Clan-Umfeld. Man gehe davon aus, dass das gesamte Tatgeschehen in dem Zusammenhang zu sehen sei, sagte ein Polizeisprecher der dpa auf Nachfrage. Zuvor hatte die "Bild" darüber berichtet. Ein 22-Jähriger war in der Nacht zu Montag aus einem vorbeifahrenden Auto angeschossen und dabei schwer verletzt worden. Er erlitt eine Schussverletzung am Bein und wurde im Krankenhaus operiert. Nach Angaben der Polizei war er jedoch nicht das Ziel des Angriffs. Als der 22-Jährige von dem Schuss getroffen wurde, stand er nach Polizeiangaben gegen 2 Uhr in einer Gruppe von mehreren Menschen auf dem Gehweg in der Perleberger Straße. Wer geschossen hat, ist laut Polizei noch unklar Die Polizei geht davon aus, dass der Angriff ein spontaner Racheakt war und im Zusammenhang mit einer Messerstecherei einige Stunden zuvor in der Nähe steht. Die Beteiligten werden nach ersten Ermittlungen dem Clan-Milieu zugeordnet, wie es hieß. Der Begriff Clan-Kriminalität ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert. Wer geschossen habe, sei noch Teil der Ermittlungen, sagte der Polizeisprecher. Ein Verdächtiger habe entsprechend noch nicht ermittelt oder festgenommen werden können. Sondereinheiten wegen Zunahme von Schüssen Offen ist nach Angaben des Behördensprechers auch noch, wer die Ermittlungen bei der Polizei letztlich federführend übernimmt. Infrage kommt unter anderem die Sondereinheit "Ferrum" (lateinisch für "Eisen") beim Landeskriminalamt. Diese wurde wegen der Zunahme von Schusswaffen im Herbst 2025 gegründet und hat inzwischen nach eigenen Angaben weit mehr als 600 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Mehr als 4.000 Fahrzeuge und Hunderte Lokale und Geschäfte wurden überprüft. Mehrere Hundert Menschen wurden laut Polizei im Rahmen der Maßnahmen vorübergehend festgenommen. Bei der Staatsanwaltschaft ist die Ermittlungsgruppe "Telum" (lateinisch für "Angriffswaffe") für die Verfahren zuständig. Sie wurde in Reaktion auf "Ferrum" eingerichtet, um die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (OK) zu verstärken. Sie hat inzwischen knapp 200 Verfahren auf den Tisch bekommen. Drohungen und Erpressungen gegen Geschäftsleute Neben den Gewalttaten mit Schusswaffen bleiben Angriffe mit Messern ein Dauerproblem in der Hauptstadt. 2025 registrierte die Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch. Dazu zählen auch Drohungen ohne einen tatsächlichen Schuss. Die Täter stammen nach Erkenntnissen der Polizei zum Teil aus Kreisen der türkischen Mafia, die in mehreren europäischen Ländern Inhaber von Geschäften und Restaurants bedrohen und erpressen. Die zunehmende Verbreitung und Gewalt mit Messern versuchen Senat und Polizei seit längerem einzudämmen. Spezielle Formen von Messern wie bestimmte Klapp- und Springmesser sind schon lange grundsätzlich verboten. Mehrere Verbotszonen an Orten mit viel Kriminalität auch für Alltagsmesser wurden im vergangenen Jahr erlassen. Auch in Bahnen, Bussen und auf Bahnhöfen und in U-Bahnstationen sind Messer inzwischen untersagt.
