Spritpreise: Neuer Tankrabatt gestartet – Kritik von Wirtschaftsinstituten
Für drei Monate reduziert der Bund die Steuern auf Sprit. Wirtschaftsforscher halten die Maßnahme für verfehlt. Seit Mitternacht gilt der zweite Tankrabatt in diesem Jahr. Eine für drei Monate geltende Absenkung der Energiesteuern soll eine Entlastung von 16,7 Cent pro Liter Benzin oder Diesel bringen. Wie vollständig sie an die Verbraucher weitergegeben wird, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Es gibt keine direkte Verpflichtung der Tankstellen, die Preise zu senken. Bereits zum Start um Mitternacht herum wurden Benzin und Diesel abrupt billiger. Auf dem Spritpreisportal Tankerkönig sackten die ermittelten deutschlandweiten Durchschnittspreise zwischen 23.41 Uhr und 0.41 Uhr um rund 10 bis 11 Cent ab. Auch am frühen Morgen ergab sich etwa diese Preisdifferenz zum gleichen Zeitpunkt am Mittwoch. Billiger tanken: Was man zum Start des neuen Tankrabatts wissen muss Winterzeit, Tankrabatt, Bahnhöfe: Was sich im Oktober ändert Vielerorts wurde Superbenzin der günstigeren Sorte E10 für weniger als 2 Euro angeboten, wie aus dem Portal des ADAC hervorgeht. Hier gibt es allerdings regionale Unterschiede. In München , Stuttgart oder Leipzig gab es sehr viele, solcher Angebote. In Berlin waren es zahlreiche, in Hamburg dagegen nur wenige, und in Köln wurden am Morgen keine Tankstellen unter 2 Euro angezeigt. Die bundesweiten Durchschnittspreise bei Tankerkönig lagen allerdings deutlich über 2 Euro. Die Bundesregierung hatte den Tankrabatt als Reaktion auf die hohen Spritpreise auf den Weg gebracht. Der September war der mit Abstand teuerste Tankmonat bisher. Das hat sich auch in der Inflation niedergeschlagen. Wirtschaftsinstitute halten Tankrabatt für falsch Der Tankrabatt ist umstritten. Zwei renommierte Wirtschaftsinstitute in Deutschland kritisieren ihn etwa als falsch. "Dass viele Autofahrer die hohen Spritpreise als große Belastung empfinden, ist nachvollziehbar", teilte etwa der Chef des Ifo-Instituts in München, Clemens Fuest , mit. "Der Tankrabatt ist darauf jedoch nicht die richtige Antwort." Er bewirke eine Umverteilung zugunsten der Vielfahrer mit großen Autos. "Darunter sind viele, die sich die hohen Preise leisten können und bei denen es nicht zu rechtfertigen ist, dass zu ihren Gunsten Lasten umverteilt werden", betonte Fuest. Wenn die Politik bestimmte Gruppen entlasten wolle, etwa Berufspendler mit langen Arbeitswegen, sollte sie das mit zielgenaueren Instrumenten tun, etwa mit einer Erhöhung der Pendlerpauschale . "Hinzu kommt, dass der Tankrabatt nur begrenzte Wirkung hat. Bei 1.000 Kilometern im Monat und sechs Litern Verbrauch spart man zehn Euro pro Monat." Gesamtwirtschaftlich entstünden aber mit 2,5 Milliarden Euro spürbare Kosten. Dieses Geld könne besser eingesetzt werden, teilte Fuest weiter mit. DIW sieht Maßnahme ebenfalls kritisch Ähnlich äußerte sich auch Ökonom Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): "Am meisten profitieren diejenigen, die viel und mit großen Autos fahren – in der Regel Haushalte mit höheren Einkommen", teilte er mit. "Haushalte ohne Auto erhalten keine Entlastung und müssen die Maßnahme mitfinanzieren." In Zeiten der Knappheit erfüllten hohe Preise zudem eine Funktion, ergänzte Duso. Sie signalisierten Verbraucherinnen und Verbrauchern, sparsamer zu fahren und den Raffinerien, mehr zu produzieren. "Wenn man entlasten will, dann direkt und zielgenau, nicht über den Preis." Der sogenannte Tankrabatt gilt vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember. In diesem Zeitraum soll die Energiesteuer auf Diesel und Benzin um rund 14 Cent pro Liter gesenkt werden. Die Mehrwertsteuer eingerechnet, ergibt sich an der Zapfsäule eine Entlastung von 16,7 Cent pro Liter. Bundestag und Bundesrat brachten diese Senkung vor dem letzten September-Wochenende auf den Weg. Bereits im Frühjahr hatte es einen zweimonatigen Tankrabatt gegeben.
