Tanken billiger, Deutschlandticket teurer: Da stimmt doch was nicht
Autofahrer tanken seit heute billiger, Bahnfahrer zahlen ab Januar mehr. Die Bundesregierung verbrennt Milliarden an der Zapfsäule und lässt die Alternative verkümmern. Jetzt ist er also da, der Tankrabatt : Seit Mitternacht kosten der Liter Benzin und der Liter Diesel jeweils knapp 17 Cent weniger Steuern. Bis Jahresende kostet das Bund und Länder 2,5 Milliarden Euro. Fast zeitgleich wurde bekannt, dass das Deutschlandticket ab Januar um 3,80 Euro teurer wird: 66,80 Euro kostet es dann. Beide Entscheidungen zeigen: Der Bundesregierung fehlt in der Verkehrspolitik ein Plan. Sie subventioniert das Problem und verteuert die Lösung. Schon als Oppositionsführer hatte Friedrich Merz den ersten Tankrabatt 2022 als zu teuer und wenig zielgerichtet kritisiert. Als Kanzler schloss er dann im April Hilfen "mit der Gießkanne" aus, einen Ölpreis von 100 Dollar könne man in Deutschland nicht wegsubventionieren. Kurz darauf kam der erste Tankrabatt, jetzt gießt seine Regierung zum zweiten Mal in diesem Jahr. Gelernt hat sie aus all dem nichts. Billiger tanken: Was man zum Start des neuen Tankrabatts wissen muss Winterzeit, Tankrabatt, Bahnhöfe: Was sich im Oktober ändert Ein Geschenk für die Falschen Auch dieses Mal kassiert wieder am meisten, wer viel fährt und einen durstigen Motor hat. Der Durchschnittsfahrer spart bis Silvester weniger als 40 Euro. Das ist ein Placebo. Ob der Rabatt dieses Mal vollständig bei den Kunden ankommt, ist zudem offen. Schon beim vergangenen Tankrabatt blieben laut Monopolkommission gut 200 Millionen Euro bei den Mineralölkonzernen hängen. Psychologisch wirkt es beruhigend, dass die Preise über Nacht um rund 15 Cent gefallen sind, weil der Staat die Rechnung übernimmt. Wenn der Rabatt Ende Dezember ausläuft, ist der Krieg in Nahost aber sehr wahrscheinlich nicht vorbei und der Spritpreis steigt wieder. Die hohen Preise sind keine Abzocke, sondern zeigen nur, wie riskant die Abhängigkeit vom Öl ist – wer sie künstlich drückt, verschleppt den Umstieg auf Alternativen zum Verbrenner nur. Natürlich trifft ein hoher Spritpreis Pendler hart. Doch wer sich für einen Verbrenner entschieden hat, kann nicht erwarten, dass die Allgemeinheit seine Tankrechnung mitbezahlt. Und wer Bedürftige entlasten will, sollte ihnen das Geld direkt überweisen, statt Spritschlucker zu fördern. Der Hebel liegt bei Bus und Bahn Den wichtigsten Hebel aber lässt die Bundesregierung ungenutzt: Auf den Ölpreis hat sie keinen Einfluss, auf die Preise für Busse und Bahnen schon. Das 9-Euro-Ticket hat 2022 gezeigt, wie viele Menschen umsteigen, wenn das Angebot stimmt. Inzwischen ist der Preis von erst 49 auf bald 66,80 Euro gestiegen, weil Bund und Länder nicht mehr als je 1,5 Milliarden Euro im Jahr für das Deutschlandticket zahlen wollen. Nicht einmal mehr verhandeln wollen sie darüber. Stattdessen reicht eine Formellösung die gestiegenen Kosten an die Fahrgäste durch. Eine einfache Rechnung Die Erhöhung bringt grob gerechnet 660 Millionen Euro im Jahr. Mit dem Geld, das bis Silvester an der Zapfsäule verpufft, ließe sie sich fast viermal bezahlen. Der Preis für das Deutschlandticket hätte damit also rechnerisch fast vier Jahre lang eingefroren werden können. Wenn die Regierung im kommenden Jahr wieder Geld für Entlastungen in die Hand nimmt, gehört es in Busse und Bahnen. Alles andere sendet nur ein Signal: Vollgas für den Verbrenner.
