Australien: Millionen Falter schwärmen durch Sydney – das steckt dahinter
Schwärme von Faltern lösen in australischen Städten Aufsehen aus. In den sozialen Medien teilen Menschen spektakuläre Bilder. Experten sehen darin ein Zeichen für die Erholung einer bedrohten Art. Riesige Schwärme von Bogong-Faltern werden derzeit im australischen Bundesstaat New South Wales und anderen Regionen des Landes gesichtet. Unter anderem auch in den Städten Sydney und Canberra. Die Zahl der Insekten ist so groß, dass sie Fenster, Autos und ganze Hausfassaden bedecken. Bei einer Fernsehübertragung eines Pferderennens aus Penrith im Westen Sydneys waren so viele Falter vor der Kamera, dass das Bild kaum noch zu erkennen war. Die kleinen, dunkelbraunen Insekten dringen zudem in Häuser ein. Die Bilder, die derzeit in sozialen Netzwerken viral gehen, wecken Erinnerungen an frühere Zeiten: So lösten die Insekten bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in Sydney im Jahr 2000 kurzzeitig Panik aus. Nur wenige Minuten nach Beginn der Zeremonie bemerkte der Chefmeteorologe der Spiele im Büro des Wetterdienstes einen Regenausschlag auf dem Wetterradar. Die riesige Regenwolke, die sich dem Stadion näherte, war jedoch ein Schwarm von Millionen Faltern, die von den Lichtern angelockt wurden. Während die Sopranistin Yvonne Kenny die olympische Hymne sang, landete ein Falter auf ihrem Körper. In den vergangenen Jahren aber waren solche Massen an Bogong-Faltern kaum noch zu sehen – die Population war zwischen 2017 und 2019 um bis zu 99,5 Prozent geschrumpft, ausgelöst durch extreme Dürre und Hitze, wie Dr. Marissa Parrott von Zoos Victoria dem "Guardian" erklärte. Für viele Australier ist es deshalb dieses Jahr das erste Mal seit langer Zeit, dass sie das Naturphänomen erleben. Die Falter sind auf ihrer jährlichen Wanderung zu den kühlen Höhlen der australischen Alpen, wo sie den Sommer verbringen. Die Bogong-Falter legen auf ihrer Reise Hunderte bis Tausende Kilometer zurück – von den Brutgebieten in Queensland, New South Wales, dem Australian Capital Territory, Victoria und South Australia bis in die Berge. Früher kamen jährlich bis zu vier Milliarden Falter in die Alpen, bis die Population plötzlich zusammenbrach. Überraschende Rückkehr der Falter Dass die Falter in diesem Jahr wieder in solchen Mengen auftauchen, ist daher eine Überraschung. Linnea Emneby, Projektleiterin von Bogong Watch bei Invertebrates Australia, sieht die Entwicklung positiv: "Es sieht so aus, als wären sie auf dem Weg zur Erholung", sagte sie dem "Guardian". Forschende vermuten, dass das ungewöhnlich feuchte und kühle Wetter der vergangenen La-Niña-Phase die Bedingungen für die Falter verbessert hat. Zudem haben starke Winde das Insekt dieses Jahr verstärkt in die Städte getrieben. Die Falter reisen mit den Winden und nutzen die Milchstraße und das Magnetfeld der Erde zur Orientierung – sie sind die einzigen bekannten Insekten, die einen Sternenkompass für die Langstreckennavigation nutzen. Wer die Falter im eigenen Zuhause findet, sollte laut Experten auf Insektizide verzichten und stattdessen einfache Maßnahmen ergreifen: "Schalten Sie unnötige Außenbeleuchtung aus, dann werden sie weniger von Gebäuden angezogen", rät Dr. Parrott. Linnea Emneby empfiehlt, Lüftungsschlitze zu schließen und Wäsche vor dem Reinholen auszuschütteln. Sind die Falter bereits im Haus, hilft es, die Innenbeleuchtung auszuschalten und draußen eine Lampe anzumachen, um sie herauszulocken. "Wenn sie in Fensternähe sind, kann man sie mit der Hand zum offenen Fenster dirigieren – sie sind ziemlich scheu", so Emneby. Alternativ kann man sie vorsichtig mit einem Glas und Papier einfangen und draußen freilassen. "Jeder Falter ist wertvoll" Die Falter sind für Menschen harmlos und ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems: In den alpinen Höhlen dienen sie als Nahrung für den Bergbilchbeutler, eine vom Aussterben bedrohte Possumart in Australien . "Jeder Falter ist wertvoll, wir wollen ihnen auf ihrer Wanderung helfen", betonte Parrott. Die Bogong-Falter gelten den Forschern zufolge als ein Beispiel dafür, wie sich der Klimawandel und menschliche Besiedlung auf wandernde Tierarten auswirken. Sie sind eine Art, deren Bestände von starken Schwankungen geprägt sind – in manchen Jahren treten sie massenhaft auf, in anderen sind sie fast verschwunden. "Der Klimawandel verschärft diese Extreme, weil längere Dürreperioden und Buschbrände die Lebensbedingungen der Falter zusätzlich erschweren", erklärte Linnea Emneby dem "Guardian".
