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Cupra Raval im Test: Die Stärken und Schwächen des spanischen Kleinwagens

In der neuen Kleinwagenfamilie des VW-Konzerns übernimmt Cupra den Part des Rebellen. Der Raval setzt auf Sportlichkeit. Wie schlägt er sich im Alltag? Geschwister können ja so unterschiedlich sein. Was bei Menschen gilt, trifft auch in der Autowelt zu. Der VW-Konzern hat seine neue Kleinwagen-Familie ausgerollt und setzt dabei auf sehr unterschiedliche Charaktere: Während der ID. Polo die Rolle des braven Schwiegersohns einnimmt und mit dem ID. Cross ein ebenso braver Bruder in die Familie eintritt, setzt Skoda mit dem Epiq auf freundliche Praktikabilität. Und dann kommt Cupra. Die Spanier hatten bei der Entwicklung der Kleinwagenfamilie den Hut auf und dürfen, ganz im Sinne der Markenidentität als selbst ernannte "Challenger Brand" (bitte englisch aussprechen, steht für eine Herausforderer-Marke), ein wenig mehr auf die Pauke hauen. Schon optisch geht es nicht um Zurückhaltung. Mit einer Länge von 4,04 Metern und einer Breite von 1,78 Metern wirkt er kompakt, aber durch die scharfen Linien und das sogenannte Sharknose-Design an der Front schon recht dynamisch. Besonders auffällig sind die versenkbaren Türgriffe – ein Alleinstellungsmerkmal in der Modellfamilie – sowie die scharfen Knicke auf der Motorhaube und die Matrix-LED-Scheinwerfer. Diese Scheinwerfer bieten eine Lichtzeremonie beim Starten. Dazu noch die bronzefarbenen Highlights beim Logo oder an den Felgen. Hier geht es bewusst um Emotionen. Innenraum und Bedienung: Funktionalität trifft auf futuristisches Design Auch im Innenraum des Cupra setzt sich das Konzept fort. Bronzetöne und eine Carbonoptik verleihen ihm eine sportliche Note. Besonders auffällig sind die Türverkleidungen mit einem futuristischen 3D-Druck-Muster, das Mitfahrern direkt ins Auge fiel. Trotz einiger harter Kunststoffe wirkt die Verarbeitung insgesamt stimmig. Für ein wenig Disco-Feeling sorgen Projektoren, die je nach gewähltem Fahrmodus oder Geschmack Animationen in verschiedenen Farben auf die Türtafeln werfen. Unter der Windschutzscheibe schafft eine weitere Lichtleiste Ambiente, übernimmt aber auch praktische Funktionen: Ist eine Route im Navi geplant und liegt eine Abzweigung vor dem Fahrzeug, weisen Animationen der Lichtleiste in diese Richtung. Auch auf Fahrzeuge im toten Winkel weist das Auto mit einem orangefarbenen Licht hin. Die Bedienung ist größtenteils intuitiv, auch wenn die Touch-Slider für die Klima- und Lautstärkensteuerung nicht jedermanns Sache sind. Die anderen Konzern-Geschwister haben Schalterleisten unterhalb des großen Displays. Größtes Ärgernis ist die induktive Ladeschale. Bei einem iPhone 16e mit Hülle gab es wiederholt Fehlermeldungen, sodass das Laden faktisch nicht funktionierte. In verschiedenen Foren ist auch bei anderen Konzernmodellen von diesem Problem die Rede, andere Marken können das besser (nachweislich auch beim genannten Telefon). Platzangebot: Kleinwagen mit Raumgefühl Trotz seiner kompakten Maße verfügt der Raval über ein überraschend großzügiges Platzangebot. Der lange Radstand von 2,60 Metern ist die Grundlage dafür, dass auch größere Fahrer bis 1,90 Meter bequem Platz finden. Die Sportsitze, die mit einer speziellen Mikrofaser bezogen sind, sind angenehm geschnitten und in höheren Ausstattungsvarianten sogar elektrisch verstellbar. Im Fond bleibt ausreichend Platz für zwei Mitfahrer, auch wenn fünf Personen eher eng sitzen würden. Das Highlight ist jedoch der Kofferraum. Mit einem Ladevolumen von 441 Litern, einem doppelten Ladeboden und einer tiefen Kofferraumwanne bietet er viel Variabilität. Selbst mit eingebautem Subwoofer im Testwagen war noch genug Platz für eine Reisetasche und weiteres Gepäck unter dem verstellbaren Ladeboden. Einen Frunk, also einen Stauraum unter der Fronthaube, gibt es nicht. So fährt er: sportlich, aber alltagstauglich Der Cupra Raval ist mit mehreren Motorisierungen und Akkugrößen erhältlich, die unterschiedliche Reichweiten und Leistungsstufen bieten. Zur Auswahl stehen 85 kW (116 PS), 99 kW (135 PS), 155 kW (211 PS) und 166 kW (226 PS) im Topmodell mit dem Kürzel VZ. Dazu gibt es zwei Akkus mit 37 kWh für bis zu 328 Kilometer und 52 kWh für bis zu 444 Kilometer Reichweite. Im Test gefahren wurde die Dynamic Edition mit 155 kW und der größeren 52-kWh-Batterie. Und Dynamik passt: Das Fahrverhalten des Cupra Raval ist eine seiner großen Stärken. Das sportlich abgestimmte Fahrwerk ist nicht zu hart, die direkte Lenkung und die präzisen Bremsen unterstreichen das zackige Fahrgefühl. In der VZ-Version gibt es sogar ein verstellbares Fahrwerk. Der sogenannte Cupra-Modus schaltet Lenkung, Ansprechverhalten und auch die Rekuperation (Energierückgewinnung beim Loslassen des Fahrpedals) scharf, sodass der Raval noch etwas direkter reagiert. Dazu wird für den Innenraum ein künstlicher Motorsound erzeugt, der im Stand leicht bollert und bei starker Beschleunigung an ein Raumschiff erinnert. Ist das ein wenig drüber? Vielleicht. Aber es macht dennoch Spaß. Laut Hersteller liegt der kombinierte Verbrauch bei 13,7 kWh/100 km, in der Praxis lag der Verbrauch in der Stadt bei 13 kWh/100 km, während bei schneller Autobahnfahrt bis zu 18 kWh/100 km erreicht wurden. Die Reichweite auf der Autobahn bei Tempo 130 pendelte sich zwischen 200 und 250 km ein. Positiv: Die angegebene Ladeleistung von 105 kW wurde im Test sogar übertroffen und lag bei bis zu 112 kW. Das ist kein Spitzenwert, aber angesichts der Fahrzeugklasse und der Akkugröße okay. In sieben Minuten waren 11,9 kWh an der Schnellladesäule nachgeladen. Bemerkenswert auch: Beim Laden ist immer automatisch ein Limit von 80 Prozent eingestellt (auch an der AC-Ladesäule), das vor jedem Ladevorgang bei Bedarf manuell auf 100 Prozent gesetzt werden muss. Viele Assistenten Bei den Assistenzsystemen fährt der Kleinwagen auf. Die Ampelerkennung, die automatisches Abbremsen und Anfahren ermöglicht, funktioniert vor allem abends zuverlässig, hat bei Tageslicht jedoch Schwächen. Klar ist jedoch: Der Fahrer hat immer noch die Verantwortung für die Systeme. Der Tempomat arbeitet im Stadtverkehr präzise – das Auto bremst hinter dem Vordermann, fährt wieder an und hält die Geschwindigkeit und stellt sich auf Wunsch auf Tempolimits ein. Was verzichtbar ist: die Schwarmintelligenz. Mithilfe von Daten anderer Fahrzeuge erkennt das Fahrzeug Stellen, an denen sich der Verkehr staut und bremst das Auto vorher ab. Im Test führten diese Daten jedoch dazu, dass der Raval trotz eingestelltem Tempo 100 auf einer leeren Bundesstraße nur 79 km/h fahren wollte, weil der Verkehr dort offenbar regelmäßig zäh fließt. Ein Tritt aufs Fahrpedal und der Ausschaltknopf für diese Funktion beendeten die Eigenmächtigkeit. Die Sportlichkeit hat ihren Preis Der Cupra Raval startet bei einem Basispreis von 25.950 Euro mit kleinem Akku und 116 PS. Aktuell ist diese Basisversion noch nicht erhältlich; daher startet der Raval mit 135 PS bei 29.850 Euro. Hier sind allerdings schon Klimaanlage, Leichtmetallfelgen, Ambientebeleuchtung, Sportsitze, Abstandsregeltempomat und die Displays im Innenraum enthalten. Die Launch-Edition mit größerem Akku und umfangreicher Ausstattung liegt bei stolzen 43.005 Euro. Für einen Kleinwagen ist das eine Ansage. Das enthaltene Drive-Pack mit Parklenk- und sogenanntem Travel Assist oder das Sound-Pack sind nicht unbedingt notwendig, dafür wohl aber die Wärmepumpe aus dem Winter Pack für eine bessere Energienutzung und damit mehr Reichweite, die selbst in der Topversion VZ (ab 39.990 Euro) nicht serienmäßig ist. Dennoch überzeugt das Gesamtpaket, besonders für Fahrer, die Wert auf Sportlichkeit und Design legen. Fazit: Ein sportlicher Erstwagen Der Cupra Raval zeigt, wie unterschiedlich Geschwister sein können. Während die restliche Modellfamilie auf Vernunft und Praktikabilität setzt, bringt Cupra mit dem Raval ein Auto, das Sportlichkeit und Emotionen in den Vordergrund stellt. Das Fahrverhalten ist dynamisch und ausgewogen, die Verarbeitung für diese Klasse sehr gut, und der große Akku samt konstantem Schnellladeverhalten machen ihn durchaus zu einem Erstfahrzeug – besonders für kleinere Familien oder Paare. Der Preis ist angesichts der Leistung und Ausstattung rein pragmatisch möglicherweise nachvollziehbar, aber dennoch recht hoch.