Kerstin Lee Langley: Partner galt schon 2012 als Beschuldigter
Aus dem Vermisstenfall Kerstin Lee Langley wird ein Kriminalfall mit drei Verdächtigen. Fast zwei Jahrzehnte haben die Ermittler dafür gebraucht. Dabei hatten sie bereits im Jahr 2012 eine heiße Spur. Am Ende wurde der Druck zu groß: 19 Jahre lang wusste sie, wer Kerstin Lee Langley getötet hat. Im August 2026 entschied sich die 56 Jahre alte Frau schließlich, "reinen Tisch" zu machen, wie Robert Fuchs, Leiter der Kriminalpolizei in Regensburg, der versammelten Presse am Montag erklärte. Ein "detailliertes Geständnis" ließ keinen Zweifel: Kerstin Lee Langley wurde getötet. Die Frau, die selbst an der Tötung beteiligt gewesen sein soll, lotste die Ermittler zu einer Wiese bei Kadenzhofen in der Oberpfalz, wo die Beamten schließlich sechs Knochen fanden, die sich Lee Langley zuordnen lassen . Ein "Quantensprung", wie die Ermittler betonten, 19 Jahre nach der Vermisstenmeldung. Dabei waren die Ermittler den Verdächtigen bereits 2012 auf der Spur. Hätten den Angehörigen viele Jahre der quälenden Ungewissheit erspart werden können? Kerstin Lee Langley, Mutter eines damals 17-jährigen Sohnes, verschwand im Jahr 2007, ihr Bruder meldete die 39-Jährige als vermisst. Der damalige Lebensgefährte der Vermissten schilderte, Kerstin Lee Langley habe sich vor Kurzem von ihm getrennt und sei mit einem alten Freund in einem dunklen Auto davongefahren. Hinweise auf ein Gewaltverbrechen sah die Polizei nicht – obwohl weder der "alte Freund" noch Lee Langley selbst ausfindig gemacht werden konnten. Verdächtige gesteht umfassend : Kerstin Lee Langley ist tot – drei Verdächtige ermittelt Kerstin Lee Langley soll erwürgt worden sein Heute ist für die Beamten klar: Kerstin Lee Langley verschwand nicht. Ihr Tod wurde schon 2007 genau geplant – gemeinsam von zwei Männern und der Frau, die jetzt bei der Polizei aussagte. Bei einem der beiden Männer handelt es sich um den inzwischen verstorbenen Lebensgefährten Lee Langleys. Dieser war zugleich der Ex-Mann der tatverdächtigen 56-jährigen Frau. Der andere Verdächtige ist 66 Jahre alt und sitzt in Untersuchungshaft. Er ist der ehemalige Mitbewohner der 56-Jährigen. Alle drei sollen einen "Groll" auf Kerstin Lee Langley gehabt haben – Details zum Motiv nannten die Ermittler nicht. In der Regensburger Wohnung der 39-Jährigen soll zunächst die 56-Jährige versucht haben, Lee Langley zu erwürgen. Als ihr das nicht gelang, soll der 66-Jährige das Opfer bis zum Tode gewürgt haben. Der Lebensgefährte soll mit in der Wohnung gewesen sein und von allem gewusst haben. Fall Lee Langley: Verdächtige nannte 2012 konkreten Ort Nach der Tat passierte vonseiten der Ermittler erst einmal wenig. Bis sich die heute 56-Jährige im Jahr 2012 bei einer Faschingsfeier verplapperte. Dort erzählte sie, ihr Ex-Mann habe zwei Frauen umgebracht – und landete so in einem Vernehmungsraum der Polizei. Bei der Vernehmung beschuldigte sie erneut ihren Ex-Mann, den damaligen Lebensgefährten der Vermissten. Und schon damals habe sie einen konkreten Ort genannt, wo die Leichenteile vergraben worden sein sollen, schildert Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher von der Staatsanwaltschaft Regensburg t-online. Allerdings ergaben sich schnell Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Frau. Zur ersten Vernehmung sei sie in betrunkenem Zustand gekommen. Bei ihrer zweiten Vernehmung – in nüchternem Zustand – habe sie ihre eigene Aussage schließlich bestritten. Hinzu sei gekommen, dass Grabungen im Bereich des genannten Ortes keinerlei Ergebnis erbracht hätten. Heute weiß Rauscher, dass die Ermittler damals nur 500 Meter von den sterblichen Überresten entfernt suchten. Wären die Ermittler bereits damals fündig geworden, etwa durch einen Zufall, hätte der Fall schon damals geklärt werden können. "Ach, Schmarrn", sagte ihr Lebensgefährte Auch den Lebensgefährten nahmen die Ermittler damals ins Visier. Er sei bereits 2012 als Beschuldigter vernommen worden, wie Oberstaatsanwalt Rauscher nun erstmals bestätigt. Seine Antwort auf die erhobenen Vorwürfe: "Ach, Schmarrn", zitiert Rauscher für t-online aus dem Protokoll. "Der damalige Aktenstand hätte im Leben nicht für eine Anklage ausgereicht", so der Jurist. "Das wäre völlig aussichtslos gewesen." Erst 14 Jahre später, am 25. August dieses Jahres, habe sich das geändert, als die inzwischen 56-Jährige erneut eine Polizeidienststelle aufsuchte und umfassend gestand. "Auch jetzt bestanden Zweifel an ihrer Aussage", erklärt Rauscher. Doch als dann Anfang Oktober in Kadenzhofen tatsächlich Leichenteile entdeckt wurden, sei klar geworden: Die Frau sagt offenbar die Wahrheit. "Aufgelöst" sei sie gewesen, verrät Rauscher. Immer wieder sei sie in ihren Vernehmungen in Tränen ausgebrochen. Mit dem Wissen, für den Tod von Kerstin Lee Langley mitverantwortlich zu sein, wollte sie nach über 19 Jahren nicht mehr leben.
