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"Mein Schiff"-Unfall in Bremerhaven: So schwer lassen sich Kreuzer stoppen

Die "Mein Schiff 3" kollidierte beim Auslaufen mit zwei Frachtern. Wie schwer solche Kolosse zu manövrieren sind, zeigt eine überraschende Zahl. Ein Kreuzfahrtschiff gerät bei starkem Wind außer Kontrolle und kollidiert mit zwei Frachtern: Der Unfall der "Mein Schiff 3" am Sonntagabend (25. Oktober) in Bremerhaven wirft auch die Frage auf, wie sich solche riesigen Schiffe überhaupt stoppen lassen. Denn anders als bei einem Auto kann der Bremsweg eines großen Schiffes mehrere Kilometer betragen. "Schiffe haben keine 'Handbremse'", erklärt die deutsche Schifffahrtsverwaltung auf ihrer Internetseite. Aufgrund ihrer enormen Masse brauchen sie lange, bis sie aus voller Fahrt zum Stillstand kommen. Wie lange genau, hängt unter anderem von der Geschwindigkeit, dem Gewicht und der Leistung der Maschinen ab. Bremsweg auf See: Dieser Richtwert ist entscheidend Wie groß die Entfernungen sein können, zeigt eine Vorgabe der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO). Demnach sollen Schiffe bei einem Notstopp aus voller Fahrt innerhalb von 15 Schiffslängen zum Stillstand kommen. Für besonders große Schiffe sind in Ausnahmefällen bis zu 20 Schiffslängen erlaubt. Behörde mit neuen Details: "Mein Schiff 3" verfehlte zwei weitere Schiffe nur knapp "Mein Schiff 3"-Unfall: Kollision könnte für Tui Cruises richtig teuer werden Bei einem 350 Meter langen Containerschiff entsprechen bereits 15 Schiffslängen 5,25 Kilometern. Die "Mein Schiff 3" ist 293 Meter lang, entsprechend müsste sie den Vorgaben zufolge nach rund 4,4 Kilometern zum Stillstand kommen. Das ist allerdings ein Grenzwert für das Bremsverhalten und kein feststehender Bremsweg für jedes Schiff. Um einen solchen Koloss zu stoppen, wird die Maschine normalerweise auf volle Kraft zurückgestellt. Der Antrieb wirkt dann der bisherigen Fahrtrichtung entgegen. Bei manchen Schiffen kann es laut Schifffahrtsverwaltung aber günstiger sein, die Maschine abzustellen und das Schiff ausrollen zu lassen. Entscheidend sind unter anderem die Reaktionszeit der Maschinen und die Strömungsverhältnisse. Im Hafen kommt eine weitere Schwierigkeit hinzu. Dort bewegen sich große Schiffe meist langsam und haben wenig Platz zum Manövrieren. Starker Seitenwind kann die hohen Aufbauten eines Kreuzfahrtschiffs erfassen und es seitlich versetzen. Ein gewöhnliches Bremsmanöver verhindert diese Bewegung nicht automatisch. Deshalb werden große Schiffe beim An- und Ablegen häufig von Schleppern unterstützt. Sie helfen dabei, die Schiffe zu drehen, auf Kurs zu halten oder von einer Kaimauer wegzubewegen. "Mein Schiff 3"-Unfall: Schlepper sind machtlos Bei der "Mein Schiff 3" waren nach Angaben der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) zunächst zwei Schlepper im Einsatz. Nach deren Losmachen gelang es dem Kreuzfahrtschiff bei starkem Wind nicht, ausreichend Abstand zu den festgemachten Containerschiffen zu gewinnen. Es kam zur Kollision. Der kilometerlange Bremsweg eines Schiffs aus voller Fahrt lässt sich allerdings nicht auf diesen Unfall übertragen. In Bremerhaven ging es vor allem um das Manövrieren bei starkem Seitenwind. Die BSU untersucht, wie es zu dem Zusammenstoß kommen konnte.